Lokaler Online-Handel startet 11.08.2014, 14:03 Uhr

Deeliva: Fürs Picknick á la carte oder die Pampers im Notfall

Deeliva will das lokale Amazon, das lokale Ebay werden. Eine Art kommerzielle Nachbarschaftshilfe, von der alle Beteiligten etwas haben. Sogar die Umwelt. Der neue Service verbindet per Smartphone-App Kunden mit Lieferanten in unmittelbarer Nähe. Ohne Zwischenhandel, ohne lange Transportwege, ohne aufwändige Verpackungen.

Mit dem Lieferservice Deeliva lässt sich künftig ein Spontan-Picknick unbeschwert per App-Bestellung organisieren.

Mit dem Lieferservice Deeliva lässt sich künftig ein Spontan-Picknick unbeschwert per App-Bestellung organisieren.

Foto: Oberstaufen.de

Man sitzt am Ufer von Main oder Rhein, lässt die Seele baumeln – und bekommt Durst. Heute noch endet damit jäh die Gemütlichkeit: Vertrocknen oder ein Kiosk oder einen Laden suchen, um Trinkbares zu besorgen – mehr Alternativen gibt es bislang nicht. Mit der Idee von Florian Tolkmitt von deeliva.com aber kann schon bald einfach zum Smartphone gegriffen und ein Drink der Wahl per App bestellt werden. Schnurstracks macht sich ein an deeliva.com angeschlossener Lieferant aus der Gegend auf den Weg und bringt den Durstlöscher ans Flussufer. Die Seele kann weiterbaumeln.

„Idealerweise soll eine Lieferung zu Fuß oder mit dem Fahrrad möglich sein“

„Wir wollen Lieferanten mit Kunden verknüpfen; und zwar immer so, dass die Distanz zwischen Beiden so kurz wie möglich ist, damit eine schnelle Lieferung gewährleistet werden kann“, erklärt Tolkmitt. „Idealerweise soll eine Lieferung zu Fuß oder mit dem Fahrrad möglich sein, damit kein CO2 ausgestoßen wird und keine großen Transportverpackungen notwendig werden.“

Tolkmitt geht es darum, ein ergänzendes lokales Liefersystem aufzubauen. Viele Produkte, die über das Internet bestellt werden, sind beim Händler um die Ecke verfügbar. Der hat aber nicht die Kapazität, einen eigenen Online-Shop aufzubauen. Deshalb werden die Produkte unnötig verpackt und durch die Landschaft kutschiert, bis sie beim Besteller ankommen.

Zum Beispiel Windeln am Sonntag

„Ein Beispiel“, sagt Tolkmitt, „Wenn jemand weiß, dass er in einer Gegend mit vielen jungen Eltern lebt und diese oft am Sonntag Windeln benötigen, dann sollen der- oder diejenige auch die Möglichkeit bekommen, über unsere Plattform Windeln anzubieten.“ Die Lieferanten bestimmen die Waren, die Preise, die Lieferzeiten und -gebiete selbst, so dass diese Online-Angebote ideal zu den eigenen Möglichkeiten passen.

So in etwa könnte die App aussehen, mit der künftig über Deeliva bestellt werden kann, was das Herz gerade begehrt.

So in etwa könnte die App aussehen, mit der künftig über Deeliva bestellt werden kann, was das Herz gerade begehrt.

Quelle: Deeliva

Derzeit entwickelt das Deeliva-Team eine App, über die teilnehmende Lieferanten künftig ihr Angebot einstellen können. Und jeder Nutzer kann diese überall per Smartphone bestellen. Das beschränkt sich nicht nur auf Bier oder Grillgut für die Spontanparty am Ufer von Main oder Rhein. Bücher, Blumen, die Batterien für das Hörgerät, welche mal wieder gerade am Sonntag keine Leistung mehr bringen. Die Möglichkeiten sind enorm. Derzeit entwickelt das Deeliva-Team einen webbasierten Prototyp, der Ende August bereitsteht. Im nächsten Jahr soll die App verfügbar sein.

Verknüpfung der Geokoordinaten von Kunden und Lieferant

„Eigentlich ist das ganz einfach“, sagt Tolkmitt. „Wir stellen ja eine lokale Verknüpfung zwischen Kunden und Lieferanten her. Dazu nutzen wir – so wie beim Navigationssystem im Auto – die Geokoordinaten der beiden. Mit den Daten können wir dem Lieferanten auch ein Ziel in einem Park als Lieferort benennen.“ Die Schwachstelle der Idee ist die Zuverlässigkeit der teilnehmenden Lieferanten.

„Damit unser Konzept funktioniert brauchen wir ein dichtes Netz an Mitmachern“, erklärt Tolkmitt. „Wir zielen auf Arbeitslose, Rentner, Studenten und vielleicht auch auf Menschen mit Migrationshintergrund, die sich über diese ganz einfache Tätigkeit der Lieferung etwas Geld dazuverdienen möchten und denen dieser Nebenverdienst wirklich helfen kann.“ So kann jeder zum Mikro-Unternehmer werden, das gibt eine Aufgabe und stärkt das Selbstbewusstsein. Die Qualität der Lieferanten soll über ein Bewertungssystem garantiert werden.

Vertrauen als Geschäftsprinzip

Das wichtigste Prinzip an dieser Geschäftsidee ist Vertrauen. Der bestellende Kunde muss darauf vertrauen können, dass ihm das Produkt wirklich in kürzester Zeit geliefert wird. Laut Deeliva sollen Waren immer am selben Tag, idealerweise unter einer Stunde oder sogar zu einer Wunschzeit geliefert werden. „Auf der Kundenseite gibt es viele Menschen, die sich nicht selbst versorgen können, die beispielsweise Essen auf Rädern beziehen oder generell Schwierigkeiten haben, einzukaufen. Diese Menschen möchten wir mit vertrauenswürdigen Lieferanten verknüpfen und Unterstützung bei den täglichen Besorgungen bieten“, sagt Tolkmitt –  der so fest an den Erfolg seiner Geschäftsidee glaubt, dass er dafür sogar seinen Job gekündigt hat. 

Von Detlef Stoller
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