Logistik 27.04.2001, 17:29 Uhr

Bei „Aircraft on ground“ geht der Service schnell in die Luft

Airlines brauchen Jets, die möglichst oft und sicher in der Luft sind. Gemeinsam mit dem Logistikpartner Bax bietet Airbus deshalb seinen Kunden einen globalen Expressdienst für 1,5 Mio. gelistete Ersatzteile.

Der Alarm „Aircraft on ground“ bedeutet, dass irgendwo rund um den Globus ein Flugzeug auf Grund technischer Probleme nicht abheben kann. Die Folgen sind bekannt: Genervte Passagiere, gestresste Besatzungen, obsolete Flugpläne, teure Verspätungen. Kein Wunder also, dass die niederschmetternde Nachricht Manager von Luftfahrtgesellschaften unter erhöhten Handlungszwang versetzt. Abgesehen von der Ursachenforschung für den Defekt, der den Flieger am Boden hält, ist die Beschaffung der benötigten Ersatzteile in möglichst kurzer Zeit oberstes Gebot.
Airbus Industries, mit über 4238 verkauften Maschinen weltweit die Nummer zwei am Himmel, betreibt entsprechend großen Aufwand, um den Material- und Teilenachschub für ihre Kunden optimal zu gewährleisten. „Drei Faktoren sind entscheidend bei der Arbeit für unsere Abnehmer, und das sind immerhin 180 Airlines und Wartungszentren weltweit: Wir erhöhen die Verfügbarkeit, wir senken die Unterhaltungskosten und wir unterstützen die Sicherheit“, erklärt Pierre Steffen, Leiter „Materiel Support“ mit Hauptsitz in Hamburg (370 Mitarbeiter), nur wenige 100 m vom Flughafen Fuhlsbüttel und der Basis der Lufthansa-Technik entfernt, die zu den größten Auftraggebern zählt. Zudem unterhält Airbus weitere Magazine in Frankfurt/Main, wo insbesondere große Teile hinterlegt sind, in Washington (USA), Singapur und Peking (China). Auf dem hart umkämpften Flugzeugmarkt ist ein zuverlässiger Service ein wichtiges Argument: „Wir setzen die Versprechen unserer Verkäufer um“, nennt das James Rutledge, im Materiel Support Center Direktor für Kundenprozesssteuerung.
Kein einfaches Unterfangen bei 120 000 Teilen, die auf Lager gehalten werden, und sogar 1,5 Mio. Teilen, die im Datenbestand existieren. Entsprechend akribisch werden die herein kommenden Spares, so der Fachjargon, erfasst, geprüft und versandfertig verpackt eingelagert.
An der Elbe stehen dafür rund 20 000 m2 Fläche zur Verfügung, die bis zum Start des großen Airbus A 380 nochmals um 50 % aufgestockt wird. 1999 wurden 172 000 Kundenaufträge abgearbeitet, ein Jahr später waren es bereits 198 000, ein Zuwachs von 15 %. „Über 60 % davon waren Prioritätsorders, d.h. ohne die schnelle Zustellung der entsprechenden Spares bestand Ausfallgefahr für eine Maschine“, so Rutledge.
Seit diesem Frühjahr arbeitet Airbus mit dem weltweit operierenden Logistikkonzern Bax Global zusammen, deren deutsche Tochter ihren Sitz ebenfalls an der Elbe hat. Direkt im Zentrallager am Hamburger Flughafen sind zehn Bax-Mitarbeiter stationiert, die die Abwicklung der ein- und ausgehenden Sendungen z.T. koordinieren. „Dazu zählen Versand, Dokumentation und Rücknahme von Spezialteilen wie Werkzeugen, die von Airbus verleast werden“, erklärt Frank Göbels, Leiter Supply Chain Management bei Bax Global in Hamburg, von wo aus mit rund 200 Beschäftigten Deutschland, Österreich, die Schweiz sowie die osteuropäischen Länder betreut werden.
Bax verfügt gerade in der Versorgungskette einschließlich Dokumentation von Flugzeugersatzteilen und -werkzeugen über einschlägige Erfahrung, da sowohl die Hersteller Boeing und Rolls-Royce Aerospace als auch die Fluglinien British Airways und Air New Zealand zum Kundenstamm gehören. Zudem setzt das Unternehmen eigene Frachtflugzeuge ein.
Gerade die Transportabstimmung erfordert jede Menge Detailarbeit und Fingerspitzengefühl. „Viele Airlines schreiben eigene Speditionen vor, mit denen wir Übernahme und Routen aushandeln müssen“, sagt Göbels. Für Standardsendungen gibt es etwa 180 feste Verbindungen, die sich bewährt haben. In Notfällen dagegen wird improvisiert. „Wenn es sein muss, chartern wir schon mal eigens einen Frachtflieger oder schicken ein Teil per Taxi über Nacht nach Toulouse“, betont Steffen die Möglichkeit, auch unkonventionell zu handeln. Airbus sichert seinen Kunden im Prinzip zu, dass innerhalb von 24 h jeder Ort der Erde erreicht wird. Wenn nicht anders möglich, können dringend benötigte Originalteile auch direkt aus den insgesamt zehn Produktionsstandorten von Airbus auf den Weg gebracht werden.
In Zukunft werden auch in diesem sensiblen Logistik-Bereich Tracking- und Tracing-Systeme an Gewicht zunehmen. „Unsere Kunden möchten zur exakten Planung der zeitkritischen und teilweise komplexen Reparatur- und Wartungsaufgaben zu jeder Minute wissen, wo sich die georderten Teile befinden“, weiß Manager Rutledge. Bax Global hat in diesem Zusammenhang ein eigenes System („Argus“) entwickelt, das eine Sendungsverfolgung auch via Internet bis zur einzelnen „part number“ ermöglicht.
Airbus Industries hat mit dem Verkauf von Ersatzteilen im vergangenen Jahr einen Umsatz von 300 Mio. Dollar erzielt, wobei die Wichtigkeit des Material Supports über diesen Beitrag zum Airbus-Gesamtumsatz von 16 Mrd. Dollar deutlich hinausgeht. Zu diesem Erfolg hat auch die gute Logistik beigetragen, die wiederum für die hohe Verfügbarkeit der Airbus-Flotte von 98,5 % über alle Typen mitverantwortlich ist. Mit Bax Global als Partner ist Airbus entschlossen, die logistischen Leistungen für seine Kunden weiter zu optimieren. Klaus Jopp/Si

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