Schonendes Jäten 13.07.2017, 08:03 Uhr

Unkraut trifft auf Hightech

Der Trend zu Bio-Lebensmitteln ist ungebrochen. Doch wie behilft man sich auf umweltverträgliche Art gegen Unkraut und Unliebsames?

Biolebensmittel sind gefragt. Aber sie erfordern auch ein schonendes Vorgehen gegen Unkraut und Ungeziefer. Für Ersteres gibt es mittlerweile viele technische Helfer – für Landwirte und Hobbygärtner.

Biolebensmittel sind gefragt. Aber sie erfordern auch ein schonendes Vorgehen gegen Unkraut und Ungeziefer. Für Ersteres gibt es mittlerweile viele technische Helfer – für Landwirte und Hobbygärtner.

Foto: Maurizio Gambarini dpa/lno

Ob der heimische Gemüsegarten oder die kommerzielle Ackerfläche, Unkraut  ist in beiden unerwünscht. Doch um das unerwünschte Gewächs zu entfernen sind entweder aufwendiges Unkrautrupfen oder umweltbelastende Pestizide angesagt. Das muss aber nicht sein. Weltweit arbeiten Forscher an umweltfreundlicheren und weniger schweißtreibenden Alternativen. Das neueste Projekt kommt aus Bonn.

Der smarte Traktor aus Bonn

Jungunternehmer Tim Wigbels und Julio Pastrana von der Universität Bonn haben die ganz großen Maschinen im Blick. Mit ihrem Startup „Escarda Technologies“ möchten sie geländegängige Roboter und Traktoren mit Kameras sowie Lasern bestücken. Die Kamerassollen sämtliche Pflanzen, ob Wildkräuter, Nutzpflanzen oder Unkraut aufnehmen. Mithilfe entsprechender Algorithmen werden die Aufnahmen dann unmittelbar ausgewertet und Unerwünschtes identifiziert.

Wenn diese Ergebnisse vorliegen, kommt der Laser ins Spiel. Er soll den unerwünschten Pflanzen den Rest geben. Mit kurzen, schwachen Laserimpulsen wollen die Forscher die Lebenskraft der Unkräuter hemmen. Und die Menge an auf den Feldern ausgebrachten Herbiziden drastisch verringern. Aktuell arbeiten die Informatiker Wigbels und Pastrana mit Geldern aus dem Exist-Gründerstipendium an einem Prototyp. Für die Umsetzung sind sie zudem auf Investorensuche.

Mit Bonirob durch die Botanik

Bonirob bei der Arbeit auf dem Feld: Die Maschine kann zwischen Nutzpflanzen und Unkraut unterscheiden. Letzteres wird zielsicher vernichtet.

Bonirob bei der Arbeit auf dem Feld: Die Maschine kann zwischen Nutzpflanzen und Unkraut unterscheiden. Letzteres wird zielsicher vernichtet.

Quelle: Deepfield Robotics

Ebenfalls für die Arbeit auf dem Feld wurde 2015 BoniRob konzipiert. Der höhenverstellbare Roboter arbeitet autonom und hat die Größe eines Kleinwagens. Mit seiner Kamera scannt er den Boden ab. Ein intelligentes Bilderkennungssystem untersucht, ob es sich bei dem gescannten Objekt um eine Nutzpflanze oder um ein Unkraut handelt. Bei unerwünschten Gewächsen fährt BoniRob seinen Stab aus und rammt das Grünzeug mit hoher Geschwindigkeit in den Boden. Momentan wird er noch von den Experten von Deepfield Robotics perfektioniert. Das Startup gehört zu Bosch.

Der kleine Jätroboter für das Pflanzenbeet

Unkrautroboter Tertill fährt mit Solarstrom und trimmt ungebetene Pflanzen weg.

Unkrautroboter Tertill fährt mit Solarstrom und trimmt ungebetene Pflanzen weg.

Quelle: Franklin Robotics

Mehr als eine Nummer kleiner ist der Unkrautroboter „Tertill“. Er ist etwa so groß wie ein Spielzeugtraktor für Kleinkinder. Seine Mission: Unkraut im Blumen- und Gemüsebeet jäten. Mit seinem Trimmer am Unterboden eliminiert er alle Pflanzen, die kleiner sind als 2,5 Zentimeter. Angetrieben wird er durch Sonnenenergie.

Hinter dem kleinen Jätroboter steckt Joe Jones. Er ist nicht nur der technische Direktor des Start-ups Franklin Robotics, das Tertill auf den Markt bringen will. Er hat auch den kommerziell sehr erfolgreichen Staubsaugerroboter Roomba erfunden. Das Tertill-Projekt wurde durch eine Crowdfounding-Kampagne bei Kickstarter finanziert. Wer sich mit mindestens 249 Dollar beteiligt hat, darf Mitte 2018 mit einer Lieferung rechnen.

Laserschwert gegen das Unkraut

 Der Trick des Lichtschwerts: Es stört die Photosynthese des Unkrauts.

Der Trick des Lichtschwerts: Es stört die Photosynthese des Unkrauts.

Quelle: Naturezap.com

Der Naturezap ist das kleinste der hier vorgestellten Produkte, er sieht aus wie ein Pürierstab an einem besonders langen Stock. Doch statt mit Messern arbeitet der Laserstab mit Lampen. Fünf Zentimeter soll das UV- und Infrarotlicht in den Boden eindringen. Und damit der anvisierten Pflanze den Rest geben. Amazon Amerika bietet ihn für 199 US-Dollar an.

 

Von Sabine Philipp

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