Landtechnik 28.03.2008, 20:33 Uhr

Satellit und PC helfen beim Pflügen und Düngen  

die deutsche Landtechnikbranche. Dazu trug auch ein groß angelegtes Forschungsprojekt bei.

Precision Farming ist ein Glücksfall für die Landwirtschaft.“ Dieses Urteil des niedersächsischen Landwirts Wolfgang Täger-Farny aus Volksmarsdorf bei Helmstedt, nahe Braunschweig, dürfte den Organisatoren und Förderern des Verbundprojekts „pre agro“ süß in den Ohren klingen. Denn in zwei Phasen hat das Projekt mit einem Gesamtvolumen von knapp 4,4 Mio. € zehn Jahre lang wissenschaftliche Grundlagen für „Precision Farming“ gelegt und dann im Verbund aus 26 Industrie- und Forschungspartnern die konkrete Entwicklung vorangetrieben. Gut 90 % der Mittel steuerte das Bundesforschungsministerium (BMBF) bei.

Wie Täger-Farny nutzen heute 8 % der heimischen Landwirte die Möglichkeiten zur Datenvernetzung ihres Betriebes. Das ist nicht viel. Doch vor dem Hintergrund, dass es bis vor kurzem weder Standards für Hardware- noch für Softwareschnittstellen gab, ist die Zahl beachtlich.

Am Beispiel Täger-Farnys wird deutlich, was sich Landwirte von der Technologie versprechen. Er leitet einen Ackerbaubetrieb, der auf 450 ha vor allem Zuckerrüben anbaut. Seit Träger-Farny 1982 den elterlichen Hof mit 40 ha übernahm, hat er den Betrieb kontinuierlich ausgebaut.

Betriebsausbau in der Landwirtschaft bedeutet immer auch Land zu übernehmen, das vorher ein anderer bewirtschaftet hat. Meist Kleinbauern, die ihre Äcker in- und auswendig kannten und wussten, wo gerne Unkraut sprießt, wo die Pflanzen mickrig blieben und wo die Ernte üppiger ausfiel. So konnten sie präzise düngen oder Pestizide ausbringen.

Landwirtschaftliche Großbetriebe brauchen ein anderes Gedächtnis: eines in Form von Daten. Sie brauchen es nicht nur als Grundlage für den konkreten Anbau, sondern auch als Nachweis gegenüber ihren Abnehmern.

Marc Vanacht, der mit seiner AG Business Consultants von den USA aus Firmen und Konzerne aus Agrar- und Lebensmittelbranche in aller Welt berät, erklärte anlässlich der Präsentation der Ergebnisse des BMBF-Verbundprojekts „pre agro“ am 22. Februar in Berlin: „Harte Fakten darüber, wie ein Landwirt produziert, sind heute so wichtig, wie das, was er produziert.“ Landwirte müssten gute Produkte und Informationen über deren Produktion liefern, um Glied in der internationalen Wertschöpfungskette zu sein.

Genau deshalb sieht Täger-Farny Precision Farming als Glücksfall: „Wir sammeln präzise Daten über jeden einzelnen Acker, können unsere Anbaumethoden an die heterogene Bodenqualität anpassen, den Einsatz teurer und umweltbelastender Dünge- und Pflanzenschutzmittel auf ein Minimum reduzieren, und zusätzlich erlaubt der Datenfluss im Betrieb eine lückenlose Dokumentation unserer Produktion.“

Der Landwirt aus Volkmarsdorf spricht aus zehnjähriger Praxis. Sein Betrieb hat sich in dieser Zeit an allen Projektphasen von „pre agro“ beteiligt. Als Pilotanwender hat er natürlich auch die Schattenseiten der Technologie kennengelernt. Im Chaos der Schnittstellen herrschte statt Datenfluss oft so ein Datenstau zwischen PC, Handhelds, Ernte- und Bearbeitungsmaschinen, dass ihn Elektroniker und Informatiker auflösen mussten.

Doch mittlerweile hat sich die Branche hierzulande auf Standards verständigt. ISO-BUS verbindet die Hardware, also Traktoren, Anbaugeräte und Betriebsmanagementsysteme quasi per Plug and play. Und führende Agrarsoftwarehäuser, die 80 % des Marktes in Deutschland abdecken, haben mit „agroXML“ einen Industriestandard für den reibungslosen Datentransfer geschaffen.

Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) und der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Frankfurt am Main, prüfen und zertifizieren die standardisierten Geräte. Laut Heinrich de Baey-Ernsten, der als Hauptgeschäftsführer des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) maßgeblich in den „pre agro“-Standardisierungsgremien mitwirkte, hat der Markt die taufrischen Standards schon angenommen. „Auf der letzten Agritechnica (11. -17. November 2007 Red.) haben schon zahlreiche Aussteller Geräte mit dem DLG- und VDMA-Prüfsiegel vorgestellt“, sagte de Baey-Ernsten.

Die KTBL arbeite mit den Industriepartnern weiter an den Standards und bemühe sich auch um internationale Abstimmung, so de Baey-Ernsten. Für ihn sei dabei jedoch klar, dass die deutsche Branche ihren Vorsprung nutzen und ihre Standards im Markt etablieren sollte. Der KTBL-Chef: „Durch die internationalen Abstimmungsprozesse sollten wir uns nicht aufhalten lassen.“

Nicht nur bei der Standardisierung hat die deutsche Landtechnikbranche einen Vorsprung erarbeitet. „Sie hat eine Spitzenstellung bei Innovationen und Patenten, funktionierenden Systemen und bei der Praxiseinführung von Precision Farming“, bilanzierte „pre agro“-Projektleiter Armin Werner, stellvertretender Direktor des Müncheberger Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF). Das führe natürlich zu hohen Exportraten, so Werner.

Die Einschätzung des ZALF-Direktors teilt Vanacht, AG Business Consultans. Landtechnikunternehmen in den USA hätten das Precision Farming zwar ursprünglich angestoßen, doch zwischendurch aufgrund des stagnierenden Marktes den Faden verloren. Inzwischen fließe im US-Markt wieder mehr Geld in Forschung und Entwicklung, und auch andere Landtechnikhersteller aus anderen Nationen würden rasch aufholen.

Der Grundstein für weitere Erfolge hiesiger Landtechnikunternehmen ist gelegt. Allerdings fehlt es bislang an kompetenten Anwendern. Für Yves Reckleben, Professor an der FH Kiel für Land- und Verfahrenstechnik und zugleich Leiter des Rationalisierungs-Kuratorium für Landwirtschaft (RKL) in Kiel, liegt hier das größte Manko der Technologie: „Precision Farming ist in der Ausbildung zu wenig präsent“, kritisiert er. Doch Ausbildung sei eine entscheidende Größe – schließlich hielten neue Technologien auf vielen Höfen erst beim Generationswechsel Einzug. PETER TRECHOW

Erfolgreiches Verbundprojekt mit 26 Partner aus Industrie und Forschung

  • Peter Trechow

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