Landtechnik 03.10.2008, 19:37 Uhr

Reiche Ernte dank Hightech  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 2. 10. 08, ciu – Äußerlich kaum sichtbar hält die Automatisierungstechnik verstärkt Einzug in die Landwirtschaft. Wie die Einparkhilfen im Pkw nehmen dem Landmaschinenfahrer Geräte dabei präzises Lenken ab und sparen somit Betriebsmittel. Mit zusätzlichen Korrekturen zum Navigationssignal GPS erreichen sie dabei Genauigkeiten von wenigen Zentimetern.

Automatisierungstechnik: Immer häufiger in der Landwirtschaft.

Automatisierungstechnik: Immer häufiger in der Landwirtschaft.

Foto: Claas

Die steigende Weltbevölkerung, aber auch die durch die Klimaschädigung angeheizte Diskussion über die effiziente Nutzung von Ressourcen sind derzeit die wesentlichen Herausforderungen für die Landwirte und ihre Lieferanten. Mit dem Bild des klassischen Bauernhofs hat das kaum noch etwas gemeinsam. Mancherorts ähneln die Höfe von ihren Abläufen eher Industriebetrieben. Garbers: „Viele unserer Kunden haben Agrartechnik und/oder Betriebswirtschaft studiert.“ Sie seien daher eher professionelle Landwirte und Manager als Bauern.

Bei hochtechnisierten Betrieben ist der Traktor inzwischen Teil eines kompletten Erntesystems. „Precision Farming“ ist hier für Michael Quinckhardt, Geschäftsführer bei Claas Agrocom, ein aktuelles Schlagwort. „Das exakte Bewirtschaften einer Ackerfläche ist ein wichtiger Schritt, um die Ressourcen zu schonen und Betriebsmittel ökonomisch und ökologisch sinnvoll einzusetzen“, erklärte er kürzlich anlässlich eines Technologietages in Harsewinkel. Mithilfe von Informationstechnologie ließen sich dazu z. B. quadratmetergenaue Ertragskartierungen durchführen. „Entsprechend präzise und effizient ist damit Dünge- und Pflanzenschutzmittel auszubringen“, so Quinckhardt.

Mit einem Pendelsystem, dem „Crop Meter“, könne beispielsweise die Dichte der Biomasse effektiv erfasst werden. Danach werde schließlich das Anbaugerät für Dünger oder Pflanzenschutz gesteuert. Den Nutzen belegte der Agrarexperte mit konkreten Zahlen: „Forschungsergebnisse haben eine Mittelreduzierung von bis zu 15 % ergeben.“

Unterstützt werde der Landwirt heute zudem von automatischen Lenksystemen. „Wir haben eine Ersparnis von 7 % bei Zeit und Betriebsmitteln festgestellt“, erklärte Quinckhardt. Für Landwirte sowie Lohnunternehmer kann das in Regionen mit kurzen Zeitfenstern für die Ernte bereits ein wichtiger Faktor sein. So liegen nach Claas-Erkenntnissen die Laufzeiten für Mähdrescher in Mecklenburg-Vorpommern bei jährlich etwa 200 h bis 280 h, wogegen die Maschinen beispielsweise in Argentinien auf über 1000 h im Jahr kämen. Den Landwirten in Mecklenburg-Vorpommern blieben dabei wetterbedingt deutlich weniger Tage für die Ernte.

Erste Lenkhilfen für Mähdrescher und Feldhäcksler arbeiteten mit Laserunterstützung entlang der Mähkante. Heute kommen GPS-Systeme zum Einsatz, die deutlich höhere Genauigkeiten erzielen können als die Navigationssysteme für den Einsatz im Kraftfahrzeug.

Quinckhardt: „Wir sind heute in der Lage, mit einer Genauigkeit von 2 cm bis 3 cm zu arbeiten.“ Der Schlüssel dazu liegt in einem terrestrischen Korrektursignal, welches die satellitengestützten GPS-Signale ergänzt. Der Sender des Korrektursignals kann dabei problemlos auf einem Gebäude in der Nähe der Ackerflächen angebracht werden, aber auch mit einem Stativ direkt am Feldrand positioniert werden. „Diese Technologie unterstützt den Landwirt ebenso wie der Crop Meter bei der gezielten Aussaat und Düngung“, hob der Fachmann hervor.

Etwas einfacher lassen sich die Landmaschinen bei Pflanzenreihen steuern. Zum Einsatz kommt dann beispielsweise ein Bildverarbeitungssystem, welches Feldstrukturen sowie Pflanzen erkennt und die Arbeitsmaschinen pflanzenschonend bis auf 3 cm genau steuert.

Wie andere Produktionsmaschinen werden auch Landmaschinen inzwischen mit Sensoren zur Telemetriedatenerfassung ausgerüstet. Per Funk lassen sie sich damit auch aus der Ferne überwachen. Mitarbeiter gehen damit laut Quinckhardt international unterschiedlich um: „Niemand lässt sich gerne überwachen. In Großbritannien gibt es allerdings schon regelrechte Wettbewerbe, wo Fahrer im Internet mit ihren Werten gegeneinander antreten.“ Gedacht sei die Technik dagegen vor allem zur Unterstützung von Servicepersonal und zur Verbesserung von Arbeitsprozessen.

Automatisiert wird inzwischen auch die Spargelernte. So wurde Anfangs des Jahres von ai-Solutions, Wolfsburg, der „Spargel Panter“ vorgestellt und während der Saison bei Pilotkunden getestet. Die bis zur Ernte mit Folien abgedeckten Spargel werden dabei optisch erfasst, sobald die Köpfe durch den Damm stoßen und automatisch geerntet. Geschäftsführer Christian Bornstein rechnet damit, dass zu Beginn der Spargelernte 2009 fünf bis sechs Maschinen an „Vorreiter der automatisierten Spargelernte“ verkauft sein werden. „Die Produktion soll dann in 2009 nach erfolgreicher Markteinführung auf 20 Stück pro Jahr gesteigert werden“, so der Unternehmer.

Der Weg zur Hightech-Automatisierung hat aber erst begonnen. Derzeit plant John Deere, Mannheim, die Einrichtung eines Technologie- und Entwicklungszentrums in Kaiserslautern. „Der Standort Kaiserslautern bietet alles, was wir an Informations- und Kommunikationstechnologien für Entwicklung von Intelligenten Systemen in der Landtechnik benötigen“, erklärte kürzlich Markwart von Pentz, der als Präsident der Landtechniksparte von John Deere für Europa, Afrika und Südamerika verantwortlich ist.

Bisher entwickelte die AMS-Gruppe (Agrar Management Systemlösungen) innerhalb des Unternehmens derartige Lösungen im Multimedia Internet Park in Zweibrücken. Dort seien aber kaum noch Expansionsmöglichkeiten gegeben. Thomas Engel, Geschäftsführer der John-Deere-AMS-Gruppe in Europa, ließ keinen Zweifel am zu erwarttendem Wachstum: „Haupttreiber dieser Entwicklung sind neben stringenter werdenden gesetzlichen Regelungen bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln und Bioenergie vor allem erforderliche Produktivitätssteigerungen durch den Einsatz intelligenter Technologien in der Landtechnik.“ M. CIUPEK

Düngung wird individuell gesteuert

Von M. Ciupek
Von M. Ciupek

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