Pappel und Getreide 05.12.2017, 12:30 Uhr

Nachhaltigere Landnutzung durch Bäume auf dem Acker

Agroforstwirtschaft heißt das neue Zauberwort in der Landwirtschaft: Statt bis zum Horizont Raps oder Weizen auf dem Acker anzubauen, unterbrechen hierbei Baumreihen die Monotonie. Das sieht nicht nur schöner aus, es fördert die Artenvielfalt und bringt auch mehr Ertrag.

Baumpflanzaktion auf einer Agroforstfläche

HNEE-Student Tommy Lorenz (orange Jacke) erklärt bei der Baumpflanzaktion auf einer Agroforstfläche den Teilnehmern, wie die Pflanzen vorbereitet werden müssen, bevor sie in die Erde kommen. Das Langzeitforschungs- und Modellprojekt wird im Löwenberger Land (Oberhavel, Brandenburg) im Rahmen des Studienganges "Regionalentwicklung und Naturschutz" (RuN) umgesetzt.

Foto: Jan-Paul Gauly /HNEE

Eine etwas andere als die übliche Landwirtschaft in Deutschland bekommt man bald im Löwenberger Land im Landkreis Oberhavel in Brandenburg zu sehen. Auf einer Fläche von 10,5 Hektar werden dort Baumreihen in einem Abstand von 38 Metern gepflanzt, so dass es den Landwirten noch immer möglich ist, die Flächen zwischen den Bäumen mit Nutzpflanzen zu bestellen.

Agroforstwirtschaft nennt sich dieses neue Denken. „In Deutschland sind Formen des Agroforstansatzes eher bekannt als Streuobstwiesen, verbunden mit Viehhaltung“, sagt Prof. Dr. Tobias Cremer von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE). „Die Erzeugung von Werthölzern stand hierbei nie im Vordergrund, ebenso wenig wie der Anbau von Feldfrüchten“, so Cremer, der den Fachbereich für Wald und Umwelt mit dem Arbeitsgebiet Forstnutzung und Holzmarkt betreut.

Agroforstwirtschaft kann viele Vorteile haben

Am vergangenen Wochenende pflanzten Studierende des Studiengangs „Regionalentwicklung und Naturschutz“ der HNEE Baumarten wie Birne, Elsbeere, Baumhasel, Traubeneichel und Speierling. Das Agroforstprojekt soll die Wuchsleistung dieser Bäume untersuchen, die ausgewählt wurden, weil sie durch ihre Herkunft gut an die zu erwartenden Klimaveränderungen angepasst sind. Insbesondere trockene Sommer sind für die in das Langzeitprojekt integrierten Arten weniger problematisch.

In das Agroforst-System wollen die HNEE-Forscher auch Straucharten mit Fruchtertrag wie Apfelbeere und Sanddorn einbeziehen. Die Wissenschaftler versprechen sich eine Menge von dem Projekt: „Genau genommen sind bei richtiger Planung und Umsetzung viele Vorteile zu erwarten, wie Windruhe auf den Flächen und die Abschwächung von Starkwinden“, meint Cremer. „Beides sorgt für eine Verringerung der Bodenerosion.“

Kronenschatten verringert Verdunstung

Es gibt noch weitere Vorteile: So verringert der Schatten der Baumkronen das Verdunsten von Feuchtigkeit aus dem Boden und sorgt trotz gleichbleibender Niederschläge für mehr pflanzenverfügbares Wasser. „Nährstoffe, welche nur von den tief wurzelnden Bäumen erreicht werden können, werden an die Oberfläche transportiert und in den Bäumen umgesetzt und stehen nach dem Laubabfall den Feldfrüchten zur Verfügung“, beschreibt Tobias Cremer die Win-win-Situation auf dem Agroforst-Acker.

Eine etwas andere als die übliche Landwirtschaft in Deutschland bekommt man bald im Löwenberger Land im Landkreis Oberhavel in Brandenburg zu sehen. Auf einer Fläche von 10,5 Hektar werden dort Baumreihen in einem Abstand von 38 Metern gepflanzt, so dass es den Landwirten noch immer möglich ist, die Flächen zwischen den Bäumen mit Nutzpflanzen zu bestellen.

Agroforstwirtschaft nennt sich dieses neue Denken. „In Deutschland sind Formen des Agroforstansatzes eher bekannt als Streuobstwiesen, verbunden mit Viehhaltung“, sagt Prof. Dr. Tobias Cremer von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE). „Die Erzeugung von Werthölzern stand hierbei nie im Vordergrund, ebenso wenig wie der Anbau von Feldfrüchten“, so Cremer, der den Fachbereich für Wald und Umwelt mit dem Arbeitsgebiet Forstnutzung und Holzmarkt betreut.

Agroforstwirtschaft kann viele Vorteile haben

Am vergangenen Wochenende pflanzten Studierende des Studiengangs „Regionalentwicklung und Naturschutz“ der HNEE Baumarten wie Birne, Elsbeere, Baumhasel, Traubeneichel und Speierling. Das Agroforstprojekt soll die Wuchsleistung dieser Bäume untersuchen, die ausgewählt wurden, weil sie durch ihre Herkunft gut an die zu erwartenden Klimaveränderungen angepasst sind. Insbesondere trockene Sommer sind für die in das Langzeitprojekt integrierten Arten weniger problematisch.

In das Agroforst-System wollen die HNEE-Forscher auch Straucharten mit Fruchtertrag wie Apfelbeere und Sanddorn einbeziehen. Die Wissenschaftler versprechen sich eine Menge von dem Projekt: „Genau genommen sind bei richtiger Planung und Umsetzung viele Vorteile zu erwarten, wie Windruhe auf den Flächen und die Abschwächung von Starkwinden“, meint Cremer. „Beides sorgt für eine Verringerung der Bodenerosion.“

Kronenschatten verringert Verdunstung

Es gibt noch weitere Vorteile: So verringert der Schatten der Baumkronen das Verdunsten von Feuchtigkeit aus dem Boden und sorgt trotz gleichbleibender Niederschläge für mehr pflanzenverfügbares Wasser. „Nährstoffe, welche nur von den tief wurzelnden Bäumen erreicht werden können, werden an die Oberfläche transportiert und in den Bäumen umgesetzt und stehen nach dem Laubabfall den Feldfrüchten zur Verfügung“, beschreibt Tobias Cremer die Win-win-Situation auf dem Agroforst-Acker.

Acker in der Nähe von Schwerin

Kein Baum weit und breit: Auf einem normalen Acker wachsen üblicherweise keine Bäume. Dabei zeigen Forschungen, dass Bäume mitten auf dem Acker die Erosion verringern und die Bodenbeschaffenheit deutlich verbessern. Über die Wurzeln holen Bäume auch aus sonst nicht erschlossenen tieferen Erdschichten Nährstoffe an die Oberfläche.

Foto: Jens Büttner/dpa

Dazu gesellt sich durch die Bäume ein wesentlich angenehmeres Landschaftsbild. Die Bäume und Sträucher ziehen zudem viele Nützlinge wie Insekten und Singvögel an. Außerdem bieten sie Rückzugsräume für Wildtiere. Und: Wenn die Bäume ihr Wachstumsziel erreicht haben, kann der Landwirt durch den Verkauf des Wertholzes zusätzliche Einnahmen generieren.

Fraunhofer IAO leitet Verbundprojekt

Die Agroforstwirtschaft ist inzwischen nicht mehr nur eine Forschungsnische für Studierende. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) mit Sitz in Stuttgart untersucht im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojekts AUFWERTEN die Chancen der Agroforstwirtschaft als Beitrag zu einer nachhaltigeren Landnutzung in Deutschland. AUFWERTEN steht für Agroforstliche Umweltleistungen Für WERTschöpfung und ENergie. In den Forschungsfeldern des Verbundprojektes geht es um Fragen der Bodenerosion über agrartechnische Prozessketten bis hin zu Anbau und Pflege schnellwachsender Hölzer. Ziel ist die Erarbeitung eines Konzeptes, das mögliche Wege zur Umsetzung und Ausweitung agroforstlicher Nutzungsformen in die landwirtschaftliche Praxis aufzeigt.

Jahrhundertelang gängige Praxis

Agroforstwirtschaft ist keine Erfindung der Neuzeit. Jahrhunderte lang war es gängige Praxis, dass Bauern auf ihren Äckern nicht nur Getreide aussäten, sondern darauf auch Bäume pflanzten. So lieferte ihnen ihre Parzelle nicht nur Getreide und Heu, sondern auch Früchte und Holz. Das gedeihliche Miteinander verschwand mit dem Aufkommen großer Traktoren und Mähdrescher.

Traktor auf dem Acker

Jahrhunderte lang war es gängige Praxis, dass Bauern auf ihren Äckern nicht nur Getreide aussäten, sondern darauf auch Bäume pflanzten. Mit dem Aufkommen großer Traktoren und Mähdrescher änderte sich dies.

Foto: Patrick Pleul/dpa

Vor 15 Jahren begannen Forscher der britischen University of Leeds in einem langfristigen Anbauversuch mit der Wiederbelebung der Agroforstwirtschaft. Sie kombinierten auf Testparzellen Getreide mit Pappeln. Die Pappeln setzen sie in einem Abstand von 12 Metern. Im langjährigen Mittel erzielten die Forscher so 30 Prozent höhere Erträge als bei getrennten Wald- und Ackerflächen. Die Bäume bilden ein Wurzelnetz, das unter den Bodenschichten verläuft, in denen die Ackerkulturen wachsen. So können sie Wasser und Nährstoffe nutzen, die den Kulturen sonst entgehen. Auch der überschüssige Dünger kommt den Bäumen zugute. „Was wir machen ist Landwirtschaft in mehreren Etagen. Wir nutzen die Ressourcen viel effizienter, weil wir auch in die Höhe und in die Tiefe gehen“, sagt David Pilbeam von der University of Leeds.

Agrarphotovoltaik-Grossanlage

Im März 2016 wurde ein Prototyp der Agrarphotovoltaik-Anlage installiert. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sind in die finale Auslegung und Gestaltung der Forschungsanlage eingeflossen.

Foto: Fraunhofer ISE

Auch interessant: Deutschlands erste Großanlage, auf der Solarenergie geerntet und Nahrungsmittel angebaut werden. Die Module sind so hoch montiert, dass Erntemaschinen unter ihnen her fahren können. Bis zu 50 Gigawatt könnten so installiert werden, ohne dass Anbauflächen verloren gehen. Mehr dazu lesen Sie hier.

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