Schnelleres Wachstum 30.07.2015, 08:33 Uhr

Italiener bauen Obst und Gemüse unter Wasser an

Zwei tauchbegeisterte Italiener haben vor drei Jahren angefangen, ein Unterwasser-Gewächshaus zu entwickeln, indem Pflanzen doppelt so schnell wachsen wie an Land. Jetzt soll „Nemos Garten“ anwendungsreif werden. 

Die Prototypen der kleinen Gewächshäuser sind 6 bis 8 m unter der Wasseroberfläche am Meeresboden verankert. Die Pflanzen sollen angeblich doppelt so schnell wachsen wie an Land.

Die Prototypen der kleinen Gewächshäuser sind 6 bis 8 m unter der Wasseroberfläche am Meeresboden verankert. Die Pflanzen sollen angeblich doppelt so schnell wachsen wie an Land.

Foto: Nemos Garden

Von weitem sehen die Dinger aus wie riesige Quallen. Bei näherem Hinsehen fällt auf: Es sind Gewölbe aus Plastikfolie, die mit Seilen im Meeresboden verankert sind. Im oberen Teil ist eine Luftkammer, in der Pflanzen wie in Blumenkästen aus dem Balkon aufgereiht sind. Erdbeeren und Basilikum wachsen vor der Küste von Noli, etwa 70 km westlich von Genua, 6 m unter der Wasseroberfläche. Das ist kein abgedrehtes Kunstobjekt, sondern ein Projekt mit großen Zielen, das es immerhin ins Programm der Mailänder Weltausstellung 2015 geschafft hat.

Besonders viel Eisen im Unterwasser-Spinat?

Sergio Gamberini hatte vor einigen Jahren beim Tauchen die Idee zu „Nemos Garten“. Zusammen mit seinem Sohn Luca betreibt er ein Unternehmen für Tauchzubehör. Wissenschaftler sind sie beide nicht, aber experimentierfreudig. Und so installierten die Gamberinis vor drei Jahren ihre ersten Gewächshäuser unter Wasser. Stürme zerlegten sie, unerwünschte Meerestiere siedelten sich an, die Liste der Pleiten ist lang.

Derzeit experimentieren die Gründer von Nemos Garden mit dem Anbau von Kräutern und Erdbeeren unter Wasser.

Derzeit experimentieren die Gründer von Nemos Garden mit dem Anbau von Kräutern und Erdbeeren unter Wasser.

Foto: Nemos Garden

Aber eine Erkenntnis war entscheidend: 6 bis 8 m unter Wasser gediehen die eingesetzten Pflanzen doppelt so schnell wie an Land. Unterschiede im Geschmack oder Erscheinungsbild waren nicht festzustellen. Und jüngste Untersuchungen ergaben sogar, dass der Nährstoffanteil teils höher sein könnte als bei konventionell angebauten Pflanzen, zum Beispiel der von Eisen im Spinat.

Konstante Luftfeuchtigkeit und Wärme

Wissenschaftlich genau untersucht ist das Phänomen bis heute nicht. Aber man darf vermuten, dass es mit den konstanten Umweltbedingungen zu tun hat, denn dort, wo die Gewächshäuser stehen, herrscht naturgemäß die stets gleiche Luftfeuchtigkeit, und auch die Temperatur ist mit 26°C optimal und beständig. Ausreichend Sonnenlicht gibt es auch.

Sergio Gamberini sieht in der Entdeckung eine große Chance. Überall da, wo Regen selten und die Böden karg sind, könnten die Unterwasser-Gewächshäuser das Problem der Nahrungsmittelknappheit beheben. Der Aufwand für die Installation und Pflege der Anlagen ist allerdings noch enorm hoch, und nur Taucher kommen dorthin.

Algen als natürliches Düngemittel

Die Hobbyforscher wollen deshalb jetzt den nächsten Schritt tun und die Anlagen zur Marktreife weiterentwickeln. Dafür suchen sie über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter Unterstützer. Zwei Wochen vor Ende der Kampagne fehlen von den angepeilten 30.000 $ allerdings noch mehr als 25.000. Vielleicht reicht ein Tauchgang mit den Hobbyforschern oder ein Mini-Gewächshaus fürs heimische Aquarium als Lockmittel doch nicht aus.

Taucher im Unterwasser-Gewächshaus: Die Pflanzen wachsen zwar unter Wasser, sind aber von einer Kunststoffglocke mit Luft geschützt.

Taucher im Unterwasser-Gewächshaus: Die Pflanzen wachsen zwar unter Wasser, sind aber von einer Kunststoffglocke mit Luft geschützt.

Foto: Nemos Garden

Um das wissenschaftliche und vor allem kommerzielle Interesse an dem Projekt zu steigern, entwickeln die Gamberinis ihre Anlagen stetig weiter. Sie wollen unter anderem untersuchen, ob die im Meer reichlich vorhandenen Algen als natürliches Düngemittel für ihre Pflanzen taugen. Und sie denken über weitere Anwendungszwecke der Unterwasser-Gebilde nach: als Fischfarm, als Fischfalle, oder auch als Lebensraum zur Wiederansiedlung von Korallen.

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