Alte Luftschutzkeller genutzt 25.02.2014, 17:03 Uhr

Gemüseanbau 33 Meter unter den Straßen von London

Frisches Gemüse, angebaut tief unter den Straßen von London in alten Luftschutzbunkern aus dem Zweiten Weltkrieg: Mit dieser Idee machen zwei junge Unternehmer in der britischen Hauptstadt Furore. Ein drastischer Ausbau der Kapazität ist noch für dieses Jahr geplant. Denn den Londonern schmeckt das unter künstlicher Sonne gewachsene Grünzeug.

Das Gemüse steht in Nährlösung und wird von LED-Licht bestahlt. Der Anbau ist 365 Tage im Jahr ohne Frostgefahr möglich. Dabei profitieren die Pflanzen besonders von dem bis zu 20 Grad warmen Klima in den Tunneln, die im zweiten Weltkrieg als Luftschutzkeller genutzt wurden.

Das Gemüse steht in Nährlösung und wird von LED-Licht bestahlt. Der Anbau ist 365 Tage im Jahr ohne Frostgefahr möglich. Dabei profitieren die Pflanzen besonders von dem bis zu 20 Grad warmen Klima in den Tunneln, die im zweiten Weltkrieg als Luftschutzkeller genutzt wurden.

Foto: Screenshot ingenieur.de

Angebaut wir das Gemüse in ungenutzten Tunneln im Londoner Stadtteil Clapham, die bis zu 430 Meter lang sind. In Kriegstagen nahmen sie reichlich 8000 Menschen auf. Seit jener Zeit standen die Tunnels leer, bis zwei Jungunternehmer, Richard Ballard und Steven Dring, versuchsweise mit dem Anbau von Salaten und Gemüse begannen. Inzwischen wird die Ausbeute wie Salat, Rucola, Kresse, Senfblätter, grüner Knoblauch, japanisches Mizuna und Amaranth überwiegend an nahegelegene Restaurants verkauft.

Zweieinhalb Hektar bewirtschaften Ballard und Dring mit ihrem Unternehmen Growing Underground. Inzwischen ist das viel zu wenig, in Kürze sollen die Flächen erweitert werden.

Der Anbau mitten in der Stadt hat seine Vorteile: Maximal vier Stunden dauert es, bis das Bestellte geerntet und beim Koch abgeliefert ist. Dabei kommt zugute, dass ein berühmter Londoner Koch, Michel Roux Jr., in der Untertagefarm für sein Restaurant einkauft und gerne darüber spricht.

Gemüseanbau ohne Erde mit hydroponischen Nährlösungen

Der Anbau im Tunnel geschieht unter Verzicht auf Erde als Nährboden. Stattdessen wächst das Gemüse in einer wieder-verwendbaren hydroponischen Nährlösung. Das Verfahren ist alles andere als neu. Bisher ist es aber noch nicht für den kommerziellen Gemüseanbau verwandt worden.

Richard Ballard und Steven Dring bauen in alten Tunneln London in 33 Metern Tiefe Gemüse an und beliefern damit umliegende Restaurants. 

Richard Ballard und Steven Dring bauen in alten Tunneln London in 33 Metern Tiefe Gemüse an und beliefern damit umliegende Restaurants. 

Foto: Screenshot ingenieur.de

Zu den Vorteilen gehört nicht nur die intensive Nutzbarkeit der verfügbaren Flächen, sondern auch ein sehr geringer Wasserbedarf – 70 Prozent weniger als beim oberirdischen Anbau.

Ideale Klimabedingungen zu jeder Jahreszeit        

Die Landwirtschaft unter der Erde profitiert zudem vom milden Klima. In den alten Tunneln herrscht eine Temperatur, die je nach Jahreszeit zwischen 16 und 20 Grad schwankt. Das bedeutet, das hier 365 Tage im Jahr ohne jegliche Frost- oder Dürregefahr Salate und Gemüse angebaut werden können.

18 Stunden am Tag werden die Pflanzen beleuchtet. Das geschieht mit LED-Leuchten, die nur ein Drittel des Strombedarfs erreichen, der für herkömmliche Beleuchtungen in Gewächshäusern notwendig ist.

Es gibt zudem keinerlei Belastung der Umwelt mit Schadstoffen, da so tief unter der Erde auch auf Pestizide verzichtet werden kann. CO2-Ausscheidungen gibt es auch nicht. Diese Aspekte haben Ballard und Dring dazu veranlasst, ihr Gemüse Zero Carbon Food zu nennen.

Das größte Handicap ist der fehlende Fahrstuhl

Den vielen Reizen des unterirdischen Farmbetriebs steht bisher nur ein großes Handicap entgegen: Ein Fahrstuhl fehlt. Das bedeutet, das zu Beginn der Arbeit und nach der Ernte jeweils 179 Stufen zu bewältigen sind. Das kann auf die Dauer so nicht gut gehen. Mit den 300.000 Pfund oder umgerechnet rund 350.000 Euro, die die beiden Unternehmer gegenwärtig aufnehmen wollen, soll daher so rasch wie möglich ein Fahrstuhl eingebaut werden. 

Von Peter Odrich Tags:

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