Landtechnik 16.03.2007, 19:27 Uhr

Finanzinvestoren haben keine Chance  

das traditionsreiche Unternehmen, das für Landtechnik und Nutzfahrzeugbau steht, läuft auf Erfolgskurs. Das Geschäftsjahr 2005/06 bescherte eine über 80 %ige Steigerung sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis vor Steuern. Die erste Umsatzmilliarde soll in diesem Jahr geschafft werden. Alfons Veer, der Geschäftsführungsvorsitzende, und Geschäftsführer Gero Schulze Isfort zu Lage und Zukunft des Unternehmens.

Schulze Isfort: Einspruch! Die Landtechnik ist eine Wachstumsbranche und zwar weltweit. Die Krone Gruppe erzielte im Geschäftsjahr 2005/2006 einen Umsatz von insgesamt 978 Mio. €. Davon entfiel fast ein Drittel auf die Landtechnik. Wir verzeichnen in diesem Bereich mit fast 20 % das höchste Wachstum innerhalb der Krone-Gruppe. In Deutschland erzielten wir im letzten Geschäftsjahr sogar einen Umsatzzuwachs von 28 %. Die Exportquote beläuft sich in der Landtechnik auf deutlich über 60 % – Tendenz steigend.

VDI nachrichten: Was bedingt den Erfolg?

Schulze Isfort: Die deutsche, aber auch die internationale Landwirtschaft befindet sich aktuell im strukturellen Wandel. Der explosionsartige Anstieg des Ölpreises gab der Bio-Energie kräftigen Aufwind.

VDI nachrichten: Welchen Marktanteil hat die Krone-Landtechnik in Deutschland?

Veer: In der Futter-Ernte-Technik haben wir hierzulande je nach Produkt etwa 30 % bis 35 % Marktanteil. Ein Paradebeispiel ist der Bereich der Feldhäcksler hier sind wir erst seit fünf Jahren aktiv, haben aber bereits einen Marktanteil von 25 %.

VDI nachrichten: Seit 1971 ist Krone aber auch im Nutzfahrzeugbau tätig und stellt Sattelauflieger und Anhänger für Lkw her. Was war der Grund für diese Erweiterung des Angebots?

Veer: Die Unternehmensstrategie der Familie Krone ist traditionell auf Diversifikation ausgerichtet soweit es das eigene Engineering – zumindest im ersten Schritt – zulässt. Entscheidend ist aber, dass es sich bei Investitionen in neue Bereiche um Wachstumsmärkte handelt. Beides ist bei Nutzfahrzeugen gegeben. In Werlte, wo wir seit 1971 die Nutzfahrzeuge herstellen, wurden zuvor bereits landwirtschaftliche Anhänger gebaut dieses Know-how konnten wir natürlich auch für den Bau von Nutzfahrzeugen nutzen. Denn in den 70er-Jahren zeichnete sich bereits eine große Nachfrage nach Transportkapazitäten auf der Straße ab. Im Laufe der Jahre konnte sich der Fahrzeugbau zunehmend spezialisieren. Krone hat heute zwei feste Standbeine: Die Landtechnik einschließlich des Handels und den Nutzfahrzeugbau.

VDI nachrichten: Welche Stellung nimmt Krone heute im Bau von Nutzfahrzeugen in Deutschland und europaweit ein?

Schulze Isfort: Das Fahrzeugwerk Bernard Krone ist – mit seinen Sattelaufliegern, Anhängern, Wechselsystemen und Motorwagenaufbauten – heute der zweitgrößte Trailer-Hersteller in Europa. Aber es gibt auch Regionen, wie z. B. Skandinavien, wo wir Marktführer sind. In Deutschland nehmen Krone Nutzfahrzeuge den zweiten Platz mit einem Marktanteil von ca. 28 % ein.

VDI nachrichten: Was fertigt Krone selbst?

Veer: Endmontage und Farbgebung sind die einzigen Produktionswertschöpfungsprozesse, die bei uns ablaufen. Natürlich betreiben wir auch das komplette Engineering und den Vertrieb sowie die Verwaltung selbst. Bei Nutzfahrzeugen haben wir eine Fertigungstiefe von 10 % und im Landmaschinenbau sind es noch 20 %. Gemessen am Umsatz beläuft sich unser Lohnkostenanteil bei der Nutzfahrzeugfertigung nur noch auf 6 %, im Landmaschinenbau sind es 17 % bis 18 %.

VDI nachrichten: Wie sichern Sie die Qualität?

Veer: Unsere Zulieferer sind ausnahmslos zertifizierte Unternehmen. Zudem wird jede Anlieferung bei uns zunächst einer internen Qualitätsprüfung unterzogen.

VDI nachrichten: Wie hoch sind die jährlichen Investitionen in F & E?

Veer: Gemessen am Umsatz liegen sie im Bereich Landtechnik bei 4,5 %. Bei den Nutzfahrzeugen beläuft sich die Investitionsquote auf 1,5 %.

VDI nachrichten: Leidet Krone unter dem Ingenieursmangel?

Veer: Natürlich. Aber wir pflegen Kontakte zu Schulen und Hochschulen in der Region, so dass wir wissen, welche Berufswünsche unsere Abiturienten und Studenten aus der Region haben. Wir laden die Interessenten frühzeitig zu Praktika bei uns ein und halten Kontakt. Aber wir unterhalten auch enge Beziehungen zu namhaften technischen Hochschulen und Universitäten außerhalb der Region und rekrutieren auch hier gute Kräfte.

VDI nachrichten: Welche Ansprüche müssen junge Ingenieure erfüllen?

Veer: Als Familienunternehmen interessiert uns, ob sich der Bewerber langfristig mit einem Familienunternehmen identifizieren kann. Gute fachliche Fähigkeiten sind selbstverständlich. Gefordert ist ein hohes Maß an Flexibilität. Die Bereitschaft, sich immer wieder neuen Aufgaben zu stellen, muss gegeben sein. Dynamik ist ebenso gefragt wie eigenverantwortliches Arbeiten und Engagement. Der Wille zum Erfolg ist uns wichtig.

VDI nachrichten: Krone steht vor der ersten Umsatzmilliarde?

Veer: ¿ und wird sie im laufenden Geschäftsjahr 2006/2007 überschreiten, darauf deutet unser enormer Auftragszuwachs von 85 % im bisherigen Jahresverlauf hin. Wir haben uns daher entschlossen, die Zahl unserer Mitarbeiter im Fahrzeugbereich um weitere 300 in Werlte aufzustocken.

VDI nachrichten: Der Giga Liner, von dem Sie bereits erhebliche Stückzahlen exportieren, stößt bei der Bundesregierung immer noch auf Skepsis. Trübt das die Perspektiven?

Schulze Isfort: Nein, absolut nicht, denn ein Giga Liner ist ja nur eine Kombination aus Fahrzeugmodulen, die wir sowieso täglich produzieren. Das wird in der Diskussion häufig vergessen. Und zur aktuellen Situation des Giga Liners: Wir haben in Niedersachsen drei Einzelgenehmigungen für den befristeten Einsatz von Giga Linern. Bei DaimlerChrysler in Stuttgart fährt ein Giga Liner im Werksverkehr. Geplant ist zudem, in NRW zwanzig solcher Züge fahren zu lassen. Die Mehrheit der Landesverkehrsminister und die Zugmaschinenhersteller präferieren unser Lastzugkonzept.

VDI nachrichten: Krone hat bisher keine Produktion in kostengünstige Länder ausgelagert. Was macht Produzieren im Emsland so reizvoll?

Veer: Der Standort Emsland ist für uns ideal. Wir finden hier fleißige, engagierte Mitarbeiter in ausreichender Zahl – zu vertretbaren Kosten. Wir produzieren mitten im ländlichen Raum, was besonders unserer Landtechnik zugutekommt. Auch das weltweite Vertriebsnetz lässt sich aus dem Emsland heraus problemlos steuern.

VDI nachrichten: Wie sind Sie international aufgestellt?

Schulze Isfort: In Europa sind wir nahezu flächendeckend und weltweit in über 40 Ländern vertreten. Während wir unsere Agrartechnik weltweit vermarkten, ist das Fahrzeuggeschäft auf Europa konzentriert. Eigene Produktionsstandorte haben wir im Ausland nicht, wir befinden uns aber in Ost- und Südosteuropa ebenso wie in der Türkei im Stadium der Evaluierung, um gegebenenfalls mit der Produktion näher an den Märkten zu sein.

VDI nachrichten: Hält die Gewinnentwicklung mit den Umsatzsprüngen Schritt?

Veer: Durchaus. Das Ergebnis vor Steuern hat im letzten Geschäftsjahr in der Gruppe um über 85 % zugelegt. Seit 2002 ist der Gewinn unter Schwankungen von 25,7 Mio. € auf 40,7 Mio. € im Geschäftsjahr 2005/2006 angestiegen. Die Umsatzrendite belief sich 2005/2006 auf 4,2 %. Wir operieren mit einer Eigenkapitalquote von 37,8 %. Die gute Gewinnentwicklung entspringt aber auch der Philosophie des Unternehmens und der Familie Krone: Es werden keine Gewinne entnommen. Sie werden ausschließlich thesauriert und stehen für weiteres Wachstum zur Verfügung.

VDI nachrichten: Ist für ein Unternehmen wie Krone nicht der Gang an die Börse überlegenswert?

Veer: Ein Börsengang mit all seinen Auflagen scheidet aus: Krone ist ein traditionsreiches mittelständisches Familienunternehmen.

VDI nachrichten: ¿ und wird es bleiben?

Veer: Die Weichen sind für die nächsten Jahrzehnte entsprechend gestellt. Der jetzige Inhaber hat 2004 die Entscheidung getroffen, das Unternehmen auf seinen Sohn zu übertragen, der seit Jahresbeginn aktiv in der Geschäftsführung der Holding mitwirkt. Damit ist sichergestellt, dass Krone auch in vierter Generation ein Familienunternehmen bleibt.

VDI nachrichten: Haben Finanzinvestoren bereits angeklopft?

Veer: Ja, gelegentlich, aber solche Anfragen gehen über das erste Telefonat nicht hinaus. D. W. HEUMANN

  • Dieter W. Heumann

Stellenangebote im Bereich Fahrzeugtechnik

Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen-Firmenlogo
Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH Schwieberdingen Manager Mechatronic Connection & Enclosure (m/w/d) Schwieberdingen bei Stuttgart
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Vaihingen an der Enz
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Öhringen
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Crailsheim
TÜV SÜD Gruppe-Firmenlogo
TÜV SÜD Gruppe Kfz-Prüfingenieur zur Qualifikation zum Sachverständigen (w/m/d) Schwäbisch Hall
Presswerk Krefeld GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Presswerk Krefeld GmbH & Co. KG Konstrukteur Kaltmassivumformung (m/w/d) Krefeld
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke München GmbH Leitung Betrieb Schiene (m/w/d) München
Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG Spezialist (m/w/d) Display-Systeme Weissach
Hochschule Bremerhaven-Firmenlogo
Hochschule Bremerhaven Professur (W2) (w/m/d) für das Fachgebiet Anlagen- und Schiffsbetriebstechnik Bremerhaven
Lauer & Weiss GmbH-Firmenlogo
Lauer & Weiss GmbH Entwicklungsingenieur (m/w/d) modellbasierte Softwareentwicklung Fellbach bei Stuttgart

Alle Fahrzeugtechnik Jobs

Top 5 Landtechni…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.