Echter Mehltau 21.09.2016, 12:59 Uhr

Auch für Biobauern: Neuer Weizen wehrt sich gegen schlimmsten Schädling

Landwirte hassen ihn wie die Pest: den Mehltau. Bis zu einem Viertel der Weizenernte fällt ihm zum Opfer. Jetzt haben Aachener Forscher eine Getreidesorte entwickelt, die nur noch Bruchstücke eines bestimmten Proteins enthält, das der ungeliebte Pilz zur Ausbreitung benötigt. 

Professor Panstruga und Mitarbeiterin Anja Reinstädler untersuchen Weizen im Gewächshaus.

Professor Panstruga und Mitarbeiterin Anja Reinstädler untersuchen Weizen im Gewächshaus.

Foto: Peter Winandy/RWTH Aachen

Er ist der schlimmste Schädling bei Getreide: der Echte Mehltau. Er zerstöre bis zu 25 Prozent des Weizens auf den Feldern, heißt es auf dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Portal Pflanzenschutz.de. Der Schädling ähnelt einem weißen Film, der sich vermeintlich an der Oberfläche ansiedelt. Tatsächlich bohrt er die Körner an und saugt sie förmlich aus. Die Landwirte bekämpfen den Schädling mit großen Mengen an Fungiziden. Biobauern dürfen das nicht. Sie haben die größten Ernteausfälle. Künftig vielleicht nicht mehr.

Bewusster Verzicht auf Gentechnik

Zellbiologen an der Technischen Hochschule Aachen ist es gelungen, Weizen zu züchten, der Mehltau abwehrt. Auf gentechnische Tricks, mit denen chinesische Biologen Weizen resistent gegen Mehltau gemacht haben, verzichtete Professor Ralph Panstruga, der Chef des Wissenschaftlerteams. Denn die kommen in Deutschland gar nicht gut an. Durch klassische Kreuzungen war es anderen Teams zwar immer wieder gelungen, Weizen zu züchten, der gegen Mehltau immun war. Doch der Pilz passte sich schnell an und zerstörte weiterhin die Ernten.

Von Echtem Mehltau befallener Weizen.

Von Echtem Mehltau befallener Weizen.

Foto: BASF

Ausgangspunkt der erfolgreichen Arbeit der Aachener war die Erkenntnis, dass einige Pflanzen immun sind gegen den Schädling. Bestimmte Gerstensorten beispielsweise. Ihnen fehlt ein bestimmtes Protein im Erbgut, das der Mehltau braucht, um sich zu vermehren und seine zerstörerische Arbeit zu vollenden.

Nur beschädigt, nicht entfernt

Vom englischen Pflanzenforschungsinstitut in Rothamsted bei London erhielt das Panstrugas Team schließlich unterschiedliche Weizensaat. Die Pflanzen-Detektive suchten in den Körnern nach dem ungeliebten Protein. Mit dem Saatgut, dem es fehlte, arbeiteten sie weiter, bis sie Weizen gezüchtet hatten, der gegen Mehltau immun ist. „Wir haben durch die Zufallsmutationen das Protein nicht komplett abgeschaltet, sondern beschädigt”, erklärt der Aachener Zellbiologe. Was wie halbe Arbeit aussieht ergibt durchaus Sinn. Wenn das Protein fehlt altern die Pflanzen früher, was den Ertrag wieder mindert. Die bloße Beschädigung, hoffen die Biologen, wird zwar den Mehltau abhalten, das Wachstum aber nicht negativ beeinflussen.

Mehltau-infiziertes Gerstenblatt: Gersten-Mehltau bildet ein weißes, watteähnliches Pilzgeflecht auf den oberirdischen Pflanzenteilen, das sich später grau-braun verfärbt. Echter Mehltau kann die meiste Zeit auf sexuelle Fortpflanzung verzichten. Stark befallene Blätter vergilben schnell und fallen ab.

Mehltau-infiziertes Gerstenblatt: Gersten-Mehltau bildet ein weißes, watteähnliches Pilzgeflecht auf den oberirdischen Pflanzenteilen, das sich später grau-braun verfärbt. Echter Mehltau kann die meiste Zeit auf sexuelle Fortpflanzung verzichten. Stark befallene Blätter vergilben schnell und fallen ab.

Foto: MPI für Pflanzenzüchtungsforschung

Derzeit wird der resistente Weizen auf zwei Versuchsfeldern getestet. Eine spezielle Genehmigung war dazu nicht nötig, weil es sich nicht um gentechnisch verändertes Saatgut handelt. Panstruga will herausfinden, ob die Resistenz wirklich nachhaltig ist und der Ertrag gleich bleibt.

Mehltau schädigt auch Biowinzer

Der Aachener Zellbiologe hat noch weitere Pflanzen im Visier, die durch Mehltau zerstört werden. Dazu gehören Trauben.

Durch den Pilz Falscher Mehltau vertrocknete Weintrauben der Sorte Scheurebe hängen am 14. September 2016 in Rheinland-Pfalz in einem Bio-Weinberg. Schuld an dem starken Pilzbefall sind die zahlreichen Starkregenniederschläge in diesem Jahr. Vor allem die Bio-Winzer, die aufgrund einer EU-Klassifizierung das Spritzmittel Kaliumphosphonat nicht einsetzen dürfen, wurden in diesem Jahr von dem Pilz besonders stark getroffen. 

Durch den Pilz Falscher Mehltau vertrocknete Weintrauben der Sorte Scheurebe hängen am 14. September 2016 in Rheinland-Pfalz in einem Bio-Weinberg. Schuld an dem starken Pilzbefall sind die zahlreichen Starkregenniederschläge in diesem Jahr. Vor allem die Bio-Winzer, die aufgrund einer EU-Klassifizierung das Spritzmittel Kaliumphosphonat nicht einsetzen dürfen, wurden in diesem Jahr von dem Pilz besonders stark getroffen. 

Foto: Doreen Fiedler/dpa

Gerade erst klagten die deutschen Biowinzer, dass die Ernteausfälle in diesem Jahr bei 20 Prozent liegen.

Apropos Ernte: Wie eine Erntemaschine reifen von jungem Blumenkohl unterscheidet, beschreiben wir hier. Und wenn Sie sich für Pflanzenschutz ohne Gift interessieren, schauen Sie sich doch Roboter Bonirob auf dieser Seite an, wie er ferngesteuert Unkraut vernichtet.

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