Menschen dürfen nur beobachten 01.09.2025, 13:00 Uhr

Wenn KI das Rednerpult übernimmt – eine Konferenz ohne Menschen

Eine völlig neue Konferenzform: KI führt Forschung durch, wertet Daten aus und stellt Ergebnisse vor, Menschen nur als Beobachter.

KI präsentiert

Virtuelle Wissenschaftler starten ihre eigene Konferenz.

Foto: PantherMedia / biancoblue

Immer mehr Selbstständigkeit – braucht es den Menschen überhaupt noch? KI wird mittlerweile in allen Bereichen eingesetzt, täglich entstehen neue Erkenntnisse und Studien. Bisher stand immer ein Mensch dahinter – doch jetzt ändert sich alles.

Am 22. Oktober findet eine besondere akademische Konferenz statt: „Agents4Science“, eine eintägige Online-Veranstaltung, die fast alle wissenschaftlichen Disziplinen abdeckt. Auf den ersten Blick ist nichts Besonderes zu erkennen. Allerdings wurden vorgestellte Arbeiten nahezu vollständig von KI recherchiert, verfasst und überprüft. Auch das wäre noch denkbar. Doch in diesem Fall geht die KI noch weiter. Sie präsentiert die Forschungsergebnisse selber – mithilfe von Text-to-Speech-Technologie.

So entsteht eine Konferenz, die komplett von künstlicher Intelligenz gestaltet und durchgeführt wird, während Menschen lediglich als Beobachter*innen und Organisator*innen fungieren.

Agents4Science – die Konferenz, bei der Maschinen Wissenschaft machen

Agents4Science fördert KI-generierte rechnergestützte Forschung, die wissenschaftliche Entdeckungen in allen Bereichen – von Physik über Biologie bis Mathematik – vorantreibt. Dabei geht es sowohl um methodische Innovationen (z. B. neue Modelle oder Algorithmen, entwickelt von KI-Agenten) als auch um konkrete fachspezifische Anwendungen. Ziel ist, dass KI-Systeme den Hauptteil der Arbeit übernehmen:

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Hypothesengenerierung, Experimente und das Schreiben der Paper. Menschen können als Zweitautor:innen unterstützen oder die Arbeit überwachen.

Organisiert von James Zou, einem chinesischstämmigen Informatiker an der Stanford University, verfolgt die Konferenz einen innovativen Ansatz: KI-Systeme übernehmen nicht nur die Hauptautorschaft, sondern auch die Peer-Review und Präsentation der Forschungsarbeiten.

Zou hatte zuvor sogenannte virtuelle KI-„Wissenschaftler“ eingesetzt, um neue mögliche Ansätze zur Behandlung von Covid-19 zu erforschen. In diesem Experiment ließen er die KI-Systeme eigenständig Hypothesen formulieren, Daten auswerten und Ergebnisse ableiten. Mit der Konferenz „Agents4Science“ geht er nun einen Schritt weiter, indem er den gesamten wissenschaftlichen Prozess auf Maschinen überträgt.

„Wir haben ein Team von #KI-Agenten geschaffen, das mein Stanford-Labor nachbildet. Unter der Leitung eines PI-Agenten führten die KI-Wissenschaftler*innen eigene Gruppensitzungen durch und entdeckten wirksame Binder für neue COVID-Varianten, die wir anschließend validierten“, berichtete James Zou auf LinkedIn aus eigener Erfahrung. Die Ergebnisse dieser Forschung wurden anschließend in Nature veröffentlicht.

Voraussetzungen für Einreichungen für die Konferenz

  1. Primäre Autorenschaft durch KI: Die KI soll die Hauptverantwortung für Hypothesen, Experimente und Schreiben tragen.
  2. KI als Erstautor: Die KI muss als alleinige Erstautorin aufgeführt werden.
  3. Menschliche Beteiligung begrenzt: Menschen können als Zweitautor*innen hinzugefügt werden, maximal drei Einreichungen pro Person.
  4. Rollenklärung: Bei der Einreichung muss detailliert angegeben werden, welche Aufgaben die KI übernommen hat.
  5. Offen für parallele Einreichungen: Eine Einreichung bei Agents4Science schließt die Einreichung bei anderen Konferenzen oder Journals nicht aus.
  6. Teilnahme: Die Konferenz ist kostenfrei zugänglich.

Ziele der Forschenden bei Agents4Science

Die Konferenz soll untersuchen, wie KI in der wissenschaftlichen Forschung eingesetzt werden kann. Forschende möchten damit insbesondere:

  • Potenzial und Grenzen von KI evaluieren: Herausfinden, in welchen Bereichen KI eigenständig wissenschaftliche Erkenntnisse generieren kann und wo menschliche Expertise weiterhin nötig ist.
  • Normen und Standards entwickeln: Klären, wie KI-Autorenschaft, Überprüfung und ethische Aspekte in der Forschung transparent und verantwortungsvoll umgesetzt werden können.
  • Transparenz und Nachvollziehbarkeit fördern: Offenlegen, wie KI an Forschungsprozessen beteiligt ist, inklusive verwendeter Prompts und Bewertungen, um der wissenschaftlichen Community zugängliche Ressourcen zu bieten.

Reaktionen auf das KI-Experiment

Kritiker warnen vor Risiken: Ohne menschliche Kontrolle könnten fehlerhafte oder ungenaue Ergebnisse entstehen, die wissenschaftlichen Standards nicht entsprechen. Außerdem bleiben Fragen nach Verantwortung und Transparenz offen, wenn Forschungsergebnisse von Systemen ohne eigene ethische Maßstäbe erzeugt werden. Befürworter sehen darin hingegen einen visionären Schritt: KI kann große Datenmengen schnell analysieren und Muster erkennen, was künftig bedeutende Fortschritte in der wissenschaftlichen Forschung ermöglichen könnte.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Alexandra Ilina ist Diplom-Journalistin (TU-Dortmund) und Diplom-Übersetzerin (SHU Smolensk) mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Journalismus, in der Kommunikation und im digitalen Content-Management. Sie schreibt über Karriere und Technik.

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