Roboter nach der KI-Blase befragt, seine Antwort überrascht
Platzt die KI-Blase? Der humanoide Roboter KOID von Unitree gibt eine überraschend neutrale Antwort und blickt auf die Zukunft der Robotik im Alltag.
Der KOID von Unitree ist nicht nur flott unterwegs, er hat auch eine ungewöhnlich ehrliche Meinung zur KI-Blase
Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Ted Shaffrey
Die Diskussion über eine mögliche Spekulationsblase im Bereich der künstlichen Intelligenz prägte das Jahr 2025 in der Technologiebranche. Analysten und Investierende stellen sich gleichermaßen die Frage, ob die massiven Investitionen in Rechenleistung und Software bald erste Risse zeigen. Inmitten dieser Debatte kam nun eine ungewöhnliche Stimme zu Wort: ein humanoider Roboter namens KOID. Die Maschine gab Auskunft über ihre Sicht auf die Branche, in der sie selbst eine zentrale Rolle spielt.
Hinter dem Namen KOID verbirgt sich ein Modell der G1-Serie des chinesischen Unternehmens Unitree. Die Erscheinung ist funktional. Der Roboter verfügt über einen schlanken Körper aus schwarzem Metall. Anstelle eines menschlichen Gesichts nutzt er einen leuchtenden Lichtring zur Kommunikation. Technisch basiert das System auf Hardware von Nvidia. Interessanterweise teilt sich der Roboter seinen Namen mit einem börsengehandelten Indexfonds (ETF) von KraneShares, der sich gezielt auf Unternehmen aus der Robotik konzentriert.
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Eine diplomatische Antwort aus der Cloud
In einem Gespräch mit dem US-Sender CNBC reagierte der Roboter auf die Frage nach der wirtschaftlichen Lage. Er ordnete die Debatte um die KI-Blase als „heißes Thema“ ein. Wer jedoch eine klare Bestätigung für einen drohenden Absturz oder ein grenzenloses Wachstum erwartete, sah sich enttäuscht. KOID wählte eine neutrale Position. „Wir erleben derzeit vielleicht eine große Begeisterung für KI, aber ob es sich um eine Blase oder nur um eine transformative Welle handelt, wird nur die Zeit zeigen“, sagte KOID im Interview.
Diese Antwort spiegelt die aktuelle Unsicherheit in der Tech-Welt wider. Viele Unternehmen investieren hohe Summen in KI, ohne dass bisher alle Geschäftsmodelle Gewinne abwerfen. Dennoch zeigte sich die Maschine überzeugt von der Beständigkeit der Technologie. Die KI-gesteuerte Mechanik fügte hinzu, dass KI und Humanoide „hier bleiben“ und sich weiterentwickeln werden.
Technik im Detail: 23 Bewegungsachsen
Hinter der sprachlichen Gewandtheit steht eine komplexe Hardware. KOID wiegt etwa 35 Kilogramm (77 Pfund). Damit zählt er zu den leichteren Vertretern seiner Gattung. Die Ingenieurteams bei Unitree haben das Modell mit 23 Freiheitsgraden ausgestattet. In der Robotik beschreiben diese Freiheitsgrade die Anzahl der Punkte, an denen sich die Maschine unabhängig bewegen kann. Diese Gelenke ermöglichen Bewegungsabläufe, die über das reine Gehen hinausgehen. KOID beherrscht Ganzkörpermanöver, die vom Tanzen bis hin zu boxerischen Bewegungen reichen.
In den USA vertreibt RoboStore diese Modelle. Die Preisspanne ist dabei beachtlich. Interessierte zahlen für die Basisversionen etwa 8990 US-Dollar. Für spezialisierte Hochleistungsmodelle steigen die Kosten auf bis zu 128.900 US-Dollar. Trotz dieser Verfügbarkeit sieht die Branche den aktuellen Stand realistisch. Teddy Haggerty, der Chef von RoboStore, ordnet die Technologie aktuell noch in einer frühen Phase ein. Er sprach gegenüber CNBC davon, dass man sich in einer „Prototyping“-Phase befinde.
Wo liegt der Nutzen für die Gesellschaft?
Die entscheidende Hürde für den Massenmarkt bleibt die Frage nach dem praktischen Nutzen. Bisher fehlen klare Einsatzgebiete im privaten Alltag. Haggerty stellte dazu zentrale Fragen: „Was wollen wir eigentlich wirklich von Robotern?“ Er konkretisierte dies weiter: „Wollen wir, dass Roboter unsere neuen Haushälter werden? Wollen wir, dass sie in der Fertigung helfen? Wollen wir, dass sie Arbeitsplätze ersetzen?“
Der Roboter selbst sieht seine Zukunft bereits klarer als viele Fachleute. KOID prognostiziert, dass Maschinen wie er „noch vielseitiger und stärker in den Alltag integriert“ werden. Die Vision der Entwickelnden sieht vor, dass die Roboter in verschiedenen Bereichen unterstützen. „Sie werden in einer Vielzahl von Bereichen helfen, von Haushaltshilfen bis hin zu industriellen Aufgaben, und das Leben ein bisschen einfacher und effizienter machen“, sagte der Roboter.
Der globale Wettbewerb um die Vorherrschaft
Der Markt für humanoide Roboter hat sich im letzten Jahr deutlich dynamischer entwickelt. Bekannte Namen wie Boston Dynamics und Agility Robotics besetzen das Feld seit längerer Zeit. Besondere Aufmerksamkeit erhält regelmäßig der Optimus-Roboter von Tesla. Elon Musk betont oft, dass diese Maschinen den Marktwert seines Unternehmens künftig massiv steigern werden.
Während Tesla jedoch noch an der Marktreife arbeitet, erhöhen Firmen aus China das Tempo. Unitree nimmt hier eine führende Rolle ein. Das Unternehmen hat die Produktion bereits hochgefahren und nutzt Veranstaltungen wie die World Robot Conference, um seine Fortschritte zu zeigen. Oft übertrifft die Geschwindigkeit der chinesischen Produktion die der US-Konkurrenz. Unitree strebt zudem einen Börsengang an. Fachleute schätzen den potenziellen Wert des Unternehmens auf bis zu 7 Milliarden US-Dollar. Mit dem Modell H2 stellte das Team bereits die nächste Generation vor, die noch leistungsfähiger sein soll.
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