Quantenfelder im Gitter 26.01.2026, 09:25 Uhr

Künstliche Intelligenz löst altes Rätsel der Teilchenphysik

Ein neues KI-Modell macht Computersimulationen in der Teilchenphysik stabiler und reduziert den Rechenaufwand deutlich

Teilchenphysik

KI hilft, Quantenfeldtheorien effizienter zu simulieren und ein jahrzehntealtes Rechenproblem zu lösen.

Foto: Smarterpix / rolffimages

Quantenfeldtheorien sind das Arbeitswerkzeug der modernen Teilchenphysik. Mit ihnen beschreiben Forschende, wie Elementarteilchen entstehen, sich bewegen und miteinander wechselwirken. Auf dem Papier funktioniert das erstaunlich gut. In der Realität sind die Rechnungen jedoch oft so komplex, dass nur noch der Computer hilft. Genau dort lag seit Jahrzehnten ein grundlegendes Problem – und genau dort bringt künstliche Intelligenz nun Bewegung hinein.

Ein internationales Team unter Beteiligung der Technische Universität Wien zeigt, wie KI dabei helfen kann, Quantenfeldtheorien so auf dem Computer darzustellen, dass Simulationen stabiler, schneller und verlässlicher werden. Ein theoretisches Dauerproblem bekommt damit eine praktische Lösung.

Warum Teilchenphysik digital grob werden muss

Computer kennen keine kontinuierliche Welt. Alles, was sie berechnen, zerlegen sie in kleine Einheiten. Bilder bestehen aus Pixeln, Bewegungen aus Zeitschritten. In der Teilchenphysik ist das nicht anders. Wer Quantenfeldtheorien simulieren will, muss Raum und Zeit auf ein Gitter legen – mit drei Raumdimensionen und einer Zeitachse.

„Wenn wir mit Quantenfeldtheorien am Computer arbeiten wollen, müssen wir sie diskretisieren. Das ist eigentlich nichts Ungewöhnliches“, sagt David Müller vom Institut für Theoretische Physik der TU Wien.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
ista SE-Firmenlogo
Projektingenieur - Technische Gebäudeausrüstung und Energiedienstleistungen (m/w/d) ista SE
Region Hamburg, Berlin oder Düsseldorf / Köln (West) Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Prozessingenieur (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
HYDAC Group-Firmenlogo
Qualitätsingenieur Luft- und Raumfahrt (w/m/d) HYDAC Group
Sulzbach/Saar Zum Job 
GOLDBECK SOLAR GmbH-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) PV-Dachanlagen GOLDBECK SOLAR GmbH
deutschlandweit Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Vertriebsingenieur Maschinenbau & Elektrotechnik (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den konstruktiven Ingenieurbau im Geschäftsbereich 3 "Erhaltung, Kompetenzzentrum Brücken" Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Rendsburg, Lübeck, Kiel, Itzehoe, Flensburg Zum Job 
BEC GmbH-Firmenlogo
Projektmanager Automatisierung und Sondermaschinenbau (Mensch) BEC GmbH
Pfullingen Zum Job 
Stadtwerke Leipzig GmbH-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) Elektrotechnik Stadtwerke Leipzig GmbH
Leipzig Zum Job 
TenneT TSO GmbH-Firmenlogo
Lead Asset Management & Engineering (m/w/d) TenneT TSO GmbH
Lehrte, Bayreuth Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Straßenplanung / Verkehrsplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Hochschule Merseburg-Firmenlogo
Professur (W2): Automatisierungstechnik Hochschule Merseburg
Merseburg Zum Job 
High-Tech Park Sachsen-Anhalt GmbH-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Bauingenieurwesen / Bauliche Projektentwicklung / Straßenbau / Infrastruktur / Stadt- und Regionalplanung / Verkehrswesen High-Tech Park Sachsen-Anhalt GmbH
Magdeburg Zum Job 
BERICAP GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Automation & Process Innovation Engineer (m/w/d) BERICAP GmbH & Co. KG
Budenheim Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den konstruktiven Ingenieurbau Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Rendsburg, Lübeck, Kiel, Itzehoe, Flensburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau, Lärmschutzbauwerke Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
TUTOGEN Medical GmbH-Firmenlogo
Leitung Qualitätsmanagement international / Sachkundige Person (m/w/d) TUTOGEN Medical GmbH
Neunkirchen am Brand Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Fachingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
DFS Deutsche Flugsicherung-Firmenlogo
Produktmanager (w/m/d) für Systementwicklung iCAS DFS Deutsche Flugsicherung
Langen bei Frankfurt Zum Job 
WBS TRAINING AG-Firmenlogo
Schweißlehrer:in für WIG, MIG/MAG und E-Hand (m/w/d) WBS TRAINING AG
Dresden Zum Job 

An jedem Gitterpunkt speichert der Computer Informationen über Felder und Teilchen. Die Theorie gibt vor, wie diese Punkte miteinander wechselwirken. So lassen sich Prozesse nachstellen, die experimentell kaum zugänglich sind – etwa extreme Teilchenkollisionen am CERN oder der Zustand des Universums kurz nach dem Urknall.

Gleiche Physik, sehr unterschiedliche Rechnungen

Das eigentliche Problem liegt im Detail. Eine Quantenfeldtheorie lässt sich auf viele Arten auf ein Gitter übertragen. Theoretisch führen all diese Varianten zur gleichen Physik. Rechnerisch tun sie das nicht.

Manche Formulierungen sind ungenau oder extrem langsam. Andere liefern schon mit überschaubarem Rechenaufwand brauchbare Ergebnisse. Wer die falsche Variante wählt, riskiert, dass die Simulation festläuft oder nie zu einem verlässlichen Resultat kommt. Seit Jahrzehnten suchen Physikerinnen und Physiker deshalb nach der „richtigen“ Gitterformulierung.

Fixpunkte als Anker im Rechenchaos

Ein entscheidender Ansatz sind sogenannte Fixpunkte. Dabei geht es um Gitterformulierungen, bei denen bestimmte physikalische Eigenschaften stabil bleiben – selbst wenn man das Gitter gröber oder feiner macht.

„Es gibt bestimmte Formulierungen der Quantenfeldtheorie auf einem Gitter, die eine ganz besonders schöne Eigenschaft haben“, erklärt Urs Wenger von der Universität Bern. „Sie sorgen dafür, dass gewisse Eigenschaften gleichbleiben, auch wenn wir das Gitter gröber oder feiner machen.“

Der Vergleich mit Landkarten hilft: Ob Weltkarte oder Stadtplan – welche Länder aneinandergrenzen, ändert sich nicht mit dem Maßstab. Solche maßstabsunabhängigen Eigenschaften gelten auch in der Physik als besonders zuverlässig.

Das Problem: Diese Fixpunkt-Theorien hängen von extrem vielen Parametern ab. Hunderttausende Stellschrauben müssten richtig eingestellt werden. Für Menschen ist das kaum zu bewältigen.

Warum KI jetzt den Unterschied macht

Schon vor rund 30 Jahren gab es Ideen, diese Fixpunkt-Ansätze systematisch zu nutzen. Damals scheiterte das Vorhaben an der Realität der Rechenleistung und an der schieren Komplexität.

„Viele haben bereits vor drei Jahrzehnten begonnen, diese Konzepte zu untersuchen, aber damals fehlten uns schlicht die technischen Möglichkeiten“, sagt Kieran Holland von der University of the Pacific.

Heute sieht das anders aus. Das Team entwickelte eine speziell zugeschnittene künstliche Intelligenz. Keine Standardlösung, sondern ein neuronales Netz, das von Anfang an physikalische Grundregeln einhält. Die KI probiert nicht wahllos aus, sondern sucht gezielt nach Gitterformulierungen, die physikalisch sinnvoll und numerisch stabil sind.

Weniger Rechenaufwand, verlässlichere Ergebnisse

Schauen wir uns das Ergebnis genauer an: Die sogenannte Wirkung, eine zentrale Größe in der Quantenfeldtheorie, lässt sich mit Hilfe der KI so einstellen, dass selbst grobe Gitter nur kleine Fehler erzeugen.

„Wir konnten zeigen, dass dieser Ansatz einen völlig neuen Weg eröffnet, komplizierte Quantenfeldtheorien mit überschaubarem numerischem Aufwand zu simulieren“, sagt Andreas Ipp von der TU Wien.

Für die Teilchenphysik bedeutet das: Simulationen werden effizienter. Sie benötigen weniger Rechenzeit und liefern dennoch stabile Ergebnisse. Davon könnten langfristig viele Bereiche profitieren – von der Grundlagenforschung bis zur Modellierung neuer Materialien oder früher kosmischer Zustände.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.