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Ein Spiel komplett mit KI und die Community rastet aus

05. Januar 2026

Eine junge Frau sitzt vor dem Fernseher und spielt Videospiele inklusive Kopfhörer und Controller
Codex Mortis gilt als das erste fast vollständig KI-erstellte Steam-Spiele. Wie es gebaut wurde und warum es einen Streit in der Community auslöst.
Foto: picture alliance / Westend61 | ANTHONY PHOTOGRAPHY
Ein neues Spiel auf der Online-Plattform “Steam“ sorgt derzeit für Aufsehen und Diskussionen. Codex Mortis bewirbts sich offensiv als „100 Prozent KI-entwickelt“ und behauptet, dass Code, Texte, Grafiken, Sounds und Musik vollständig KI-generiert sein.
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Ein auf Steam veröffentlichtes Spiel namens Codex Mortis sorgt derzeit vor allem wegen seiner Entstehungsgeschichte für Gesprächsstoff. Das offensichtlich an dem Erfolgsspiel Vampire Survivors angelehnte Spiel stammt komplett aus der KI.

Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet 100 % KI in der Praxis?

Der Einzelentwickler, der unter dem Pseudonym Grolaf arbeitet, hat das Spiel eigenen Angaben nach in nur drei Monaten als Hobbyprojekt umgesetzt. Sein Ziel ist dabei nicht, damit ganz viel Geld zu verdienen, sondern herauszufinden, wie weit er mit sogenanntem Vibe-Coding kommt. Beim Vibe-Coding wird der Code nicht klassisch programmiert, sondern der Nutzer beschreibt in natürlicher Sprache, was er sich wünscht, und ein KI-Modell übersetzt diese Anweisungen anschließend in ausführbaren Code.

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Auch die restlichen Elemente kommen nicht aus menschlicher Feder:

  • Grafik: Alle visuellen Elemente wurden mit ChatGPT erstellt.
  • Animationen: Da die KI Probleme damit hatte, Charakter-Animationen zu erstellen, ließ der Entwickler einen Shader schreiben, der die Bewegungen simuliert.
  • Musik: Soundeffekte sowie die komplette Musik stammen aus der KI. Der Entwickler gab hier keine genauen Angaben, welche KI verwendet worden ist.

Provokantes Marketing: AI-Antis als Gegner

Auch das Marketing des Spiels setzt voll auf die KI-Karte und schreckt vor gezielter Provokation nicht zurück. Der Trailer zum Spiel zeigt eine Szene, in der ein Zauberer einen Gegner mit dem Namen „AI-Antis“ (also KI-Gegner) zerstört. Eine klare Botschaft an Kritiker der Technologie.

Der Titel kann insgesamt weniger als Spiel und mehr als These interpretiert werden – Was passiert, wenn man die Produktion nahezu vollständig an generative Systeme delegiert und wie reagiert die Community darauf?

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Optik, Spielgefühl und Mechaniken

Optisch wirkt das Spiel eher zweckmäßig. Der Stil erinnert an typische KI-Bilder: teilweise „matschig“, teilweise inkonsistent. Trotzdem ist Codex Mortis ein spielbares, funktionierendes Action-Roguelike mit den klassischen Genre-Mechaniken: Bewegen, Angreifen, Gegnerwelle und Level-ups.

Technisch zeigt das Projekt, dass mit KI-gestützter Entwicklung in kurzer Zeit ein komplettes Spiel entstehen kann. Kreativ bleibt es dagegen bewusst generisch, laut Entwickler sogar mit Absicht. Es solle auf den ersten Blick als das erkannt werden, was es ist: Ein KI-Produkt.

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Harte Kritik aus der Gaming-Community

Die Reaktionen in Teilen der Community fallen harsch aus. Viele Spieler kritisieren, das Spiel sehe billig aus und wirke wie ein dreister Klon. In den Diskussionsforen auf Steam häufen sich entsprechende Kommentare. Mehrere Threads tragen Titel wie „Garbage AI slop“ (Müll-KI-Matsche) oder warnen sogar vor einer “gefährlichen Entwicklung“.

Parallel wird auch über die Urheberrechte und die Verantwortung der Plattformen, welche die Spiele veröffentlichen, diskutiert. Es taucht häufig die Frage auf, ob ein KI-generiertes Spiel überhaupt urheberrechtlich schützbar ist und welche Rolle Plattformen wie Steam künftig bei der Kennzeichnung von KI generierten Inhalten übernehmen sollen.

Die Plattform selbst verlangt zwar bereits eine Offenlegung, doch die Debatte geht darüber hinaus: Reicht Transparenz? Oder müssen Stores künftig stärker prüfen, wie Inhalte entstanden sind, etwa auch mit Blick auf Rechte Dritter?

Der Ton der Diskussionen zeigt: Das Problem ist nicht nur die technische Qualität, sondern mindestens genauso Vertrauen und Akzeptanz in die Künstliche Intelligenz. Selbst wenn ein KI-Spiel spielbar ist, ist die Wahrnehmung „KI = billig“ in vielen Köpfen der Gamerinnen und Gamer verankert.

So entstand das KI-Spiel

Grolaf berichtet auf der Plattform Reddit, er habe zunächst nur einen Prototypen gebaut, um zu testen, ob das Projekt überhaupt machbar sei. Aus dem Experiment sei schrittweise ein spielbares Game geworden. Das oft beschworene Prinzip „ein Prompt und fertig“ taugte seiner Meinung nach nur fürs Prototyping, nicht für echte Entwicklung. Erst als klar gewesen sei, dass es grundsätzlich funktioniert, habe er begonnen, das Spiel „richtig“ zu bauen.

Technisch setzte er auf ein Entity-Component-System (ECS) statt auf klassische objektorientierte Programmierung (OOP). OOP organisiert Code in Klassen und Objekten, die Daten und Funktionen bündeln (z. B. „Gegner“-Objekt mit Verhalten). ECS trennt dagegen Daten und Logik stärker untereinander.

Gerade am Anfang sei das schwierig gewesen, weil KI-Modelle mit ECS-Strukturen schlechter zurechtkämen. Erst als der Codeumfang größer wurde, hielten sich die Modelle besser an die gewünschten Muster. Trotzdem sei Vibe-Coding in ECS deutlich mühsamer als in OOP.

Probleme bei der Entwicklung

Für die Grafiken wurde ChatGPT verwendet, doch einen einheitlichen Stil zu halten, sei zunächst schwierig gewesen. Mit zunehmender Menge an generierten Bildern habe sich das System jedoch besser an die gewünschte Optik „erinnert“.

Wie zuvor erwähnt, musste der Entwickler bei den Animationen Kompromisse machen. Die Charakteranimationen liefen nicht stabil, daher setzte er auf shaderbasiertes „Wobbling“, dessen Code Grolaf von Claude schreiben lies.

Zusätzlich war es sein erstes Projekt ohne klassische Game-Engine und auch die Steam-Integration über Electron sei deutlich sperriger gewesen als in den ursprünglichen Engines Unity oder Unreal.

Trotz der aufgekommenen Probleme zieht der Entwickler Grolaf ein klares Fazit: Im Vergleich zur herkömmlichen App-Entwicklung sei das Vorgehen mit KI-Unterstützung geistig deutlich entspannter.

„Das erste KI-Spiel der Welt“? Schwer belegbar

Die Aussage des Entwicklers, er habe das „weltweit erste“ vollständig KI-generierte Spiel geschaffen, lässt sich nur schwer nachprüfen. Es gibt bereits Browser-Projekte wie „Doomscrolling“ von David Friedman, die ebenfalls mithilfe von ChatGPT entstanden sind.

Codex Mortis gehört jedoch vermutlich zu den ersten nahezu komplett KI-erstellten Spielen, die es bis auf Steam geschafft haben, inklusive der zusätzlichen technischen sowie regulatorischen Herausforderungen.

 

 



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