Internet 29.09.2000, 17:26 Uhr

Zoll verdirbt Spaß am Cyber-Shopping

Jeans sind in den USA, Fotokameras in Japan deutlich billiger als in der EU. Doch beim Internetshopping in aller Welt erlebt man schnell, dass dem freien Handel enge Grenzen gesetzt sind. Die meisten Einkäufe bleiben darum Euro-regional.

Da machte Stephanie Braune große Augen. Anstelle des Paketes mit den billigen Jeans brachte der Postbote nur einen blassgelben Zettel für die Studentin aus Kreuzberg. „Bitte holen Sie Ihre Sendung am Zollamt Berlin-Tegel ab“, stand da drauf. „Zollamt?“, fragte sie sich. „Wieso Zollamt?“
Weil das Internet zwar eine grenzenlose Einkaufswelt ist, aber sobald Waren exportiert werden, müssen Bücher, Videorekorder oder Fahrräder hohe Hürden überwinden: Importzoll, Mehrwertsteuer und Lieferkosten werden fällig. Der Auslandseinkauf lohnt dann kaum noch.
Zum Beispiel Stephanie Braunes Jeans: Unter den Stichwörtern „Jeans“, „Levis“ und „Shop“ werfen amerikanische Suchmaschinen wie Altavista.com mehrere Millionen Ergebnisse aus. Und direkt der erste Eintrag „www.americanjeans.com“ bietet die altbewährte Levis 501 für 38 Dollar an – etwa 80 DM. Klingt gut, schließlich kostet die Jeans hier im Laden bis zu 150 DM.
Der Einkauf ist verlockend einfach. Americanjeans bietet Kreditkartenzahlung und weltweiten Lieferservice. Doch die Lieferung ist teuer: 20 Dollar oder 40 DM pro Jeans verlangt der United States Parcel Service. Mit 120 DM ist die Jeans zwar nicht mehr so billig wie erhofft, aber 30 DM lassen sich immer noch einsparen. Also hat Stephanie bestellt.
Doch nun liegt die Hose in den Regalen des Zollamtes Berlin-Tegel und die Beamten rücken die Jeans nur dann raus, wenn Stephanie zahlt: Auf Jeanspreis und Lieferkosten müssen die Beamten noch Zoll (12,8 % = 15 DM) und 16 % Mehrwertsteuer (= 22 DM) aufschlagen. In Berlin angelangt ist der Jeanspreis so auf 157 DM angewachsen. Das selbe, was Stephanie in jeder Boutique hätte zahlen müssen.
„Die Verbraucher müssen sich bei Einkäufen außerhalb der EU intensiv über die Zollbestimmungen erkundigen“, warnt darum Bernd Ruschnzik, Internetfachmann bei der Verbraucherzentrale Berlin. Am besten direkt beim nächsten Zollamt. Die Telefonnummer der Zollauskunft findet man im Internet unter www.Zollamt.de/adressen/index.htm. Denn das internationale Zoll- und Steuerrecht ist so kompliziert, dass Verbraucher sich in dem Wirrwarr nicht alleine zurecht finden können.

Im Wust der Einzelregelungen verlieren Käufer den Überblick

Insgesamt gibt es Tausende von Tarifen: Jede Ware hat eine eigene Codenummer, die bei vielen Waren noch einmal heruntergebrochen wird. Bei Autos unterscheiden die Zollbeamten zusätzlich nach den Kubikzentimetern des Motors bei Fotoapparaten werden Spiegelreflexkameras gründlich von Kompaktknipsern getrennt.
3,5 % für Musik-CDs, 14 % Zoll auf einen Videorekorder: Die Europäische Gemeinschaft schützt ihre Wirtschaft vor der Konkurrenz aus dem Ausland, indem sie auf viele Importe Einfuhrsteuern erhebt. Wie bei Musik-CDs oder Videorekordern wird meist ein bestimmter Prozentsatz des Wertes erhoben, aber für Waren wie Zigaretten (22 Pfennig pro Stück), Zigarren (jeweils 1,15 DM) oder Wein (64 Pfennige pro Liter) kassiert die EU auch schon mal einen festen Betrag für jede Einheit.
Als wäre das nicht kompliziert genug, wollen die Zollbeamten wissen, von wo die Ware kommt: Andere Industriestaaten wie USA oder Japan gelten als sogenannte Drittstaaten. Auf Importe von dort werden die höchsten Zollsätze aufgeschlagen. Bei Entwicklungsländern wie China, Indien oder Russland ist der Zollsatz dagegen reduziert. Das selbe gilt für die EU-Beitrittskandidaten Polen, Tschechien, Ungarn und Slowenien. Durchgehend zollfrei sind nur die Importe aus anderen Ländern der EU und alle Sendungen, die weniger wert sind als 50 DM.
Auch mit dem Strafgesetzbuch sollte man sich auskennen. Wer Waren bestellt, die in Deutschland verboten sind, muss mit Geldbußen rechnen. Dazu gehören etwa Tigerfelle, Nashorn-Pulver oder andere Teile von Tieren, die vom Aussterben bedroht sind. Wer Rauschgift bestellt, muss mit Gefängnisstrafen rechnen.
Eine böse Überraschung kann man selbst dann erleben, wenn man legale und scheinbar steuerfreie Waren einführt. Wer sich dazu verleiten lässt, billige Disketten in den USA zu bestellen, sollte keine japanischen Produkte wählen. Während die Datenträger von amerikanische Firmen wie TDK frei sind, fallen bei japanischen Varianten von Sony oder Fuji 44 % Antidumpingabgaben an. Bei Produkten wie Corned Beef ist grundsätzlich nur die Einfuhr einer begrenzten Mengen erlaubt. Ab einem Wert von 250 DM muss man sich eine Einfuhrlizenz ausstellen lassen. Kann man die nicht vorweisen, vernichtet der Zoll die aussortierten Waren.
Die Folge des Durcheinanders: „Die Leute benutzen das Internet kaum, um außerhalb Deutschlands einzukaufen“, sagt Verbraucherschützer Ruschnzik. Denn zu den hohen Kosten kommen rechtliche Unsicherheiten hinzu: Einkäufe aus dem nicht-EU Ausland kann man meist kaum zurückgeben. 14 Tage Umtauschrecht und kostenlose Rücksendung von Waren über 80 DM räumt nur das deutsche Fernabsatzgesetz ein. Ruschnziks Einschätzung bestätigen auch die Verbraucherforscher der GfK Gruppe in Nürnberg: 1999 waren 15 Mio. Deutsche online. Amerikanische Seiten wie Yahoo.com, Microsoft.com oder aol.com werden regelmäßig genutzt – für kostenlose Dienstleistungen von Suchmaschinen und um E-Mails abzurufen. Rund 11 Mio. deutsche Surfer haben das Internet auch zum Shoppen genutzt. Aber bei Einkäufen bleiben sie lieber im Lande: Das vermeintliche Einkaufsparadies USA, so ergab eine Untersuchung 1999, hat nur jeder zehnte Internaut genutzt. In Asien, Afrika oder Australien kauft nicht einmal jeder fünfzigste. MARCUS FRANKEN

Von Marcus Franken
Von Marcus Franken

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