Indien hatte abgelehnt 10.10.2016, 13:39 Uhr

Zensiertes Internetangebot von Facebook bald auch in den USA?

Facebook will seinen kostenlosen, dafür aber beschränkten Internetzugang auch in den USA etablieren. Der Service, den es bereits in 49 Ländern gibt, hat jedoch einen Haken: Was kostenlos ist, bestimmt der Anbieter. Indien und Ägypten haben den Dienst bereits dankend abgelehnt und verboten.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg (m.) läutet die Glocke beim Börsengang an der Nasdaq: Jetzt will Zuckerberg auch in den USA sein kostenloses, aber stark eingeschränktes Internet einführen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg (m.) läutet die Glocke beim Börsengang an der Nasdaq: Jetzt will Zuckerberg auch in den USA sein kostenloses, aber stark eingeschränktes Internet einführen.

Foto: Facebook

Es klang nach einer sozialen Tat, als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ankündigte, freies Internet in armen Ländern zur Verfügung zu stellen. Tatsächlich stellte sich heraus, dass diese „Basic“-Versorgung nur bestimmte Seiten umfasst. Die sucht Facebook aus beziehungsweise Partner, die, so darf man vermuten, dafür an Facebook zahlen. Es geht also stets um Geld, um eine Erhöhung der Werbeeinnahmen. Je größer die Reichweite, desto mehr müssen die Kunden berappen.

Invasion in den größten Werbemarkt der Welt?

Den letzten Beweis dafür, dass es nicht um ein soziales Engagement geht, liefert Zuckerberg jetzt selbst. Jetzt will er den größten Werbemarkt der Welt mit seinem Basic-Angebot aufrollen, die USA. Dort gibt es noch viele Millionen Menschen, die entweder kein Geld für einen Internetzugang haben, oder aber keine Möglichkeit dazu, etwa auf dem platten Land. Allemal fehlt es an Breitbandanschlüssen. Da will Zuckerberg einspringen.

Er lässt immer mehr Satelliten in eine Erdumlaufbahn bringen, die einen Kontinent nach dem anderen mit Internet versorgen sollen. Kostenlos ist stets nur die eingeschränkte Basisvariante, wer mehr will, muss zahlen. Doch das ist in Ländern schon ein großer Fortschritt, in denen es noch kein Internet gibt. Gerade in armen Ländern lohnt sich oft die Investition in eine Verkabelung des Landes kaum.

Sorge um die Neutzneutralität

Ob es Zuckerberg gelingt, das umstrittene Angebot auch in seinem Heimatland flächendeckend zu verbreiten, ist allerdings fraglich. Da er nur einen begrenzten, zudem zensierten Zugang zum Internet anbietet, ist die Netzneutralität nicht gewahrt, auf die zumindest demokratisch regierte Länder Wert legen. Allerdings hatten sich die USA erst vor zwei Jahren faktisch von der Netzneutralität verabschiedet. Die US-Regulierungsbehörde FCC erlaubt amerikanischen Internet-Providern, Kunden gegen Geld eine schnellere Datenübertragung anzubieten.

In Indien und Ägypten musste Facebook sein Angebot bereits zurückziehen. Beide Länder sind interessante Werbemärkte, weil sie überproportional wachsen. Die Aufsichtsbehörden haben das Facebook-Internet mittlerweile gestoppt.

Beim kostenlosen Internet von Facebook werden nur bestimmte Angebote eingespeist, wie beispielsweise das Facebook-eigene Portal Instagram.

Beim kostenlosen Internet von Facebook werden nur bestimmte Angebote eingespeist, wie beispielsweise das Facebook-eigene Portal Instagram.

Foto: Facebook

Das Geschäftsmodell sieht im übrigen vor, dass auch andere Seiten aufrufbar sein sollten, aber gegen an Facebook zu zahlende Gebühren. Berechnet wird nach Datenvolumen, wobei die Nutzer auf den von Facebook ausgesuchten Seiten, etwa Facebook selbst und das zum gleichen Konzern gehörende Netzwerk Instagram, nach Herzenslust und kostenfrei stöbern dürfen.

US-Behörden prüfen Zuckerbergs Vorstoß

Derzeit prüfen die US-Regulierungsbehörden, ob die „Zero Rating“ genannte Praxis gesetzeskonform ist. Das geht möglicherweise für Zuckerberg nicht gut aus. Es gibt bereits Mobilfunkanbieter, die bestimmte Inhalte zusätzlich kostenfrei anbieten, etwa AT&T. Auch Inhalte, für die an AT&T Abgaben gezahlt werden, sind kostenlos nutzbar. Diese Praxis wird derzeit untersucht. Das freie Internet mit beschränktem Zugang wird im Augenblick in 49 Ländern angeboten. Partner sind jeweils nationale Anbieter.

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