Internet 28.01.2000, 17:24 Uhr

Zehn Pfennig für Ihre Meinung

Drei deutsche Start-Ups eifern der amerikanischen Einkaufshilfe Epinions nach. Mutig verpulvern sie Millionen im Kampf um Surfer und Industriepartner. Doch nur einer wird gewinnen.

Gleich drei Unternehmen bieten seit Ende 1999 einen neuen Internetservice: Sowohl Dooyoo in Berlin, Ciao in München als auch Amiro in Köln wollen sich mit einer virtuellen Einkaufshilfe profilieren. Egal ob Snowboard, Filme, Bücher oder Reisen: Zu allem sammeln die jungen Internet-Unternehmen Meinungen von Nutzern für Neugierige und potenzielle Kunden: „Nicht kaufen!“, warnt etwa Marcel Schaefer bei ciao.com vor der „veralteten“ Spracherkennung „IBM – Via Voice Pro“. Eine neue Version sei längst zum gleichen Preis im Handel. Über den VW Polo schreibt ein Amiro-Autor: „Er hält lange und ist nicht teuer – empfehlenswert.“ Bei Dooyoo rät jemand allen Berlin-Besuchern, einen Halt am „schönen“ Schloss Charlottenburg einzuplanen. In Rubriken wie Autos, Reisen, Computer und Sport finden sich Tausende Ratschläge, Tipps und Warnungen zu allem, was die Konsumwelt bietet.
Die Unterschiede zwischen den drei Diensten muss man mit der Lupe suchen. Denn alle drei Firmen haben ihre Geschäftsidee bei der amerikanischen Internetfirma Epinions geklaut – auch wenn das natürlich niemand so direkt sagt – und dann nach dem selben Muster in Deutschland umgesetzt. Ciao wurde Mitte 1999 gegründet, konnte 10 Mio. DM von risikofreudigen Investoren akquirieren und ging im November ins Netz. Dooyoo (5 Mio. DM) und Amiro (knapp 10 Mio. DM) folgten auf dem Fuß. Sogar personell ähneln sich die Teams mit sechs bis acht Gründern: Es sind berufserfahrene junge Männer um die 30 Jahre, die davon überzeugt sind, einen großen Coup im Internet landen zu können.
Die gemeinsame Vision: Bevor Kunden sich etwa für einen neuen Computer entscheiden, klicken sie sich auf die Seiten der deutschen Epinions-Nachfolger und sehen nach, welche Erfahrungen andere Kunden mit dem Gerät gemacht haben. Das Angebot ist attraktiv: Denn Werbefachleute wissen, dass für Kunden nichts wichtiger ist als der Erfahrungsbericht eines Nachbarn, Freundes oder eben Internetbekannten.
Damit die Seiten nicht zu einem Friedhof wertloser Informationen verkommen, werden die Beiträge von den Besuchern der Seiten bewertet: Sie geben Noten von hilfreich bis nutzlos und Dooyoo, Ciao und Amiro ordnen die Beiträge in Hitlisten. Nutzloses wird vom Server genommen. Dazu überwachen Mitarbeiter die einzelnen Sparten. Neue Betreuer werden von den schnell wachsenden Unternehmen dringend gesucht. Notwendige Qualifikation: Interesse. Denn bei Dooyoo gilt genau wie bei den Konkurrenten von Amiro: „Uns ist es egal, was Du für einen Hintergrund hast. Wichtig ist, dass Du eigenverantwortlich arbeiten möchtest und ein Interessengebiet sehr intensiv verfolgst.“
Damit die Autoren der Meinungsbeiträge sich möglichst viel Mühe geben mit ihren Texten, zahlen Ciao, Amiro und Dooyoo kleine Honorare: Wann immer jemand einen Beitrag anklickt, erntet der Autor 10 Pfennig pro Aufruf bei Ciao und Amiro. Auch Dooyoo will sein Provisionssystem von Prämien auf Bargeld umstellen.
Anders als Epinions, die in den USA den Markt der Meinungsmacher praktisch allein besetzen, müssen die drei deutschen Firmen nicht nur ein neues Geschäft aufbauen, sondern sich gleichzeitig mit ihren beiden Konkurrenten auseinander setzen: Denn wahrscheinlich kann nur eines der Unternehmen im Netz wirklich groß werden. Die anderen werden gekauft oder müssen sich eine Nische suchen.
Darum gilt für Rudert im Moment nur eines: „Wachsen, wachsen, wachsen.“ Das Geld der Investoren hinter Dooyoo fließt in Marketing, Kooperationsverträge mit andern Unternehmen und in die Software-Technologie für den Internet-Auftritt. Was macht welchen Anteil an den Investitionen aus? Marcus Rudert lacht und weicht aus: „Dazu möchte ich lieber nichts genaues sagen.“ Aus den Investitionen könnte die Konkurrenz die Unternehmensstrategie ablesen. Und in der heiklen Anfangsphase darf Dooyoo keinen Zentimeter verschenken.
Doch die entscheidende Frage ist bei allen drei Start-Ups noch offen: Wie sollen sich die Investitionen bezahlt machen? Zwar steigt die Zahl der Seitenaufrufe ständig – Amiro gab Anfang Januar an, 70 000 Besucher pro Tag zu verzeichnen und im Schnitt um 15 % pro Monat zu wachsen. Doch Ciao & Co wollen nur zu einem kleinen Teil von Internetwerbung profitieren. „Es gibt verschiedene Möglichkeiten“, orakelt Rudert.
Egal wie die Refinanzierung im Detail aussieht: Letztlich müssen die jungen Unternehmen vom Verkauf der Waren profitieren, die auf ihren Seiten besprochen werden. Sie müssen mit den Computerfirmen, Buchverlagen und Reiseveranstaltern Provisionen aushandeln für den Fall, dass jemand von ihren Seiten auf ein Produkt aufmerksam gemacht wird und es kauft.
Und wenn die Warenanbieter erkennen, dass der Marktplatz der Meinungen ein wichtiger Teil der Kaufentscheidung ist, könnten sie Links von ihren Adressen legen. In den USA ist diese Form, Transparenz zu schaffen, bei Unternehmen akzeptiert. Der Hardware-Anbieter Cisco etwa hat auf der eigenen Homepage ein Forum eingerichtet, in dem auch die schlechten Erfahrungen von Kunden mit Cisco-Produkten widergegeben werden. „In Deutschland ist diese Art von Kundenservice noch nicht so ausgeprägt“, meint Alexander Raulfs, Geschäftsführer der Unternehmensberatung ComCult Research, Berlin, und dämpft so überfliegende Erwartungen auf Kooperationen mit der Industrie. „Die Industrie braucht noch Zeit um zu erkennen, dass ihnen auch eine offene Diskussion im Verkauf nutzt.“ Bis dahin müssen die Start-Ups immer wieder mutige Geldgeber finden, die ihre Anlaufphase finanzieren. M. FRANKEN

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