Mobilfunk 01.02.2008, 19:32 Uhr

Zahlen im Vorübergehen  

Mastercard bringt seine mobile Kreditkarte PayPass auf den deutschen Markt, und das Handy wird zur Fahrkarte und Geldbörse. Die Kombination von NFC und der SIM-Karte soll Sicherheit bringen, das zeigt in eineinhalb Wochen auch die „Mobile World“ (11. bis 14. 2.) in Barcelona.

Die Karte an das Lesegerät halten – piep – das war“s. Brezel bezahlt. Mit der neuen Lufthansa Miles & More Kreditkarte sollen Reisende an den Flughäfen Frankfurt, Berlin und Düsseldorf ihre Brezeln ab Mitte Februar 2008 kontaktlos bezahlen können – weitere Akzeptanzstellen sind geplant. Derzeit läuft der Rollout von 420 000 Karten. Sie tragen die kontaktlose Kreditkarte PayPass von Mastercard, mit der man Beträge bis zu 25 € ohne PIN oder Unterschrift mithilfe der drahtlosen Funktechnologie NFC bezahlen kann.

Weltweit hat Mastercard 20 Mio. Karten mit der PayPass-Funktion ausgegeben. In 20 Ländern gibt es insgesamt 80 000 Akzeptanzstellen, vor allem in den USA.

Hierzulande hatte es in der Vergangenheit schon mehrere Versuche für mobile Bezahldienste gegeben, geklappt hat bisher noch keiner. Hoffnungsträgerin ist nun die drahtlose Funktechnologie Near Field Communication (NFC), die im Frequenzbereich von 13,56 MHz funkt und damit für geringe Reichweiten geeignet ist. „Die NFC-Technologie wird dem kontaktlosen Bezahlen einen wichtigen Schub geben“, betonte Andreas Räschmeier von Giesecke & Devrient in seinem Vortrag auf dem Chipkarten-Kongress Omnicard Mitte Januar in Berlin, an dem 460 Fachbesucher teilnahmen.

Dabei muss der NFC-Tag nicht unbedingt auf einer Chipkarte liegen. Vor allem das Handy soll die Kartenvielfalt in den Portemonnaies reduzieren und mehrere Anwendungen in einem Gerät vereinen.

„Die SIM-Karte ist die Konvergenz-Lösung für mobile kontaktlose Dienste“, sagte Jacques Seneca, Chairman von Eurosmart, in seiner Keynote. Als großen Vorteil hat man damit sowohl Karte als auch Lesegerät

Als Lesegerät dient das NFC-Handy derzeit in dem Pilottest der Deutschen Bahn „Touch & Travel“ auf der Fernverkehrsstrecke zwischen Berlin und Hannover sowie im Nah- und Regionalverkehr in Potsdam. Das Handy des Reisenden liest an überall im Bahnhof platzierten Plakaten – so genannten Touchpoints – den Ein- bzw. Ausstiegs- ort, die Abrechnung erfolgt per Rechnung. Lange Wartezeiten am Schalter oder am Automaten sollen damit der Vergangenheit angehören.

Aufs Handy bringen will auch Mastercard seine mobile Kreditkarte, die dann als PayPass-Applet auf einer NFC-fähigen SIM-Karte von Giesecke & Devrient liegt. Diese Verbindung von SIM-Karte und NFC-Technologie, „Secure NFC“, soll die hohen Sicherheitsanforderungen an Bezahlsysteme gewährleisten.

Ein Pilottest wurde Mitte Januar in der Türkei gestartet. Projektpartner sind hier neben Mobilfunkbetreiber Turkcell und der Garantie Bank auch Venyon, ein von Giesecke & Devrient und Nokia gegründetes Joint Venture mit Sitz in Helsinki. Venyon lädt die Applikation als Third Party „over the Air“ (OTA) auf die SIM-Karten der Kundenhandys und verwaltet sie dort, spielt Updates auf oder sperrt die Karte beim Verlust des Handys.

„OTA ist ein Ökosystem, das nicht technik-, sondern servicegetrieben ist“, so Jukka Yliuntinen, Trusted Service Manager bei Venyon, in seinem Vortrag auf der Messe Omnicard. „Payment und Ticketing werden die ersten Anwendungen sein, andere werden folgen“, sagte er. Projekte werden in solchen Städten starten, in denen es eine existierende Infrastruktur für kontaktlose Smartcards gibt, so seine Einschätzung.

Venyon stellt seine OTA-Service-Plattform als „hosted Service“ zur Verfügung. Dieses Konzept eines dreigliedrigen „NFC-Ökosystems“ ist auch für Vodafone D2 attraktiv, ergänzte Nikolai Strasding von Vodafone D2. Ein Markterfolg der drahtlosen Funktechnologie wird aber nicht automatisch eintreten. Dafür müssen Serviceprovider, Mobilfunkunternehmen und eine Trusted Third Party zusammenarbeiten. „Der Erfolg wird davon abhängen, ob die Zusammenarbeit aller Parteien durch Kooperation geprägt ist“, so Strasding. „Nur so ist eine ausreichende Penetration an erreichbaren Kunden und vorbereiteten Point of Sales zu errechnen.“

  • Barbara Lange

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