Telekommunikation 25.01.2008, 19:32 Uhr

Wo die Glasfaser vergraben liegt  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 25. 01. 08, pek – Um einige weiße Flecken bei der Breitbandversorgung schließen zu können, müsste man erst einmal wissen, wo überall schon zukunftsträchtige Glasfaserstrecken liegen. Doch die großen Netzbetreiber mauern und spielen auf Zeit. Ein Förderprogramm der Landesregierung Baden-Württemberg kommt deshalb nicht voran, weil insbesondere die Deutsche Telekom nicht recht mit der Sprache rausrücken möchte, wo genau ihre Leitungen liegen.

Mit 20 Mio. € sollen in den kommenden zwei Jahren einige weiße Flecken bei der Breitbandversorgung in Baden-Württemberg geschlossen werden. Dazu hat die baden-württembergische Landesregierung ein entsprechendes Förderprogramm aufgelegt. Allerdings hätte man in Stuttgart auch zu gerne gewusst, wo überall im Ländle schon zukunftsträchtige Glasfaserstrecken liegen. Das will insbesondere die Deutsche Telekom aber nicht preisgeben. Bei der Landesanstalt für Kommunikation in Baden-Württemberg (LfK) stockt daher die Arbeit am geplanten Glasfaseratlas.

Im Prinzip ist der Aufbau der schnellen Datenautobahn ein Allokationsproblem, sagt Heiner Scheffold vom Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum. Überall im Land gibt es Auffahrten ins Netz und mancherorts ist man auch schon gerüstet für die nächste Generation schneller Datenverbindungen. Doch im Schwarzwald, in einigen Regionen der Schwäbischen Alb und im Nordosten des Landes hapert es mit der Verbindung – wie generell im ländlichen Raum in Deutschland. Auch im Randbereich mancher größeren Stadt kann der breitbandige Anschluss fehlen, heißt es bei der Deutschen Telekom.

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Gleich in mehreren Bundesländern, darunter auch in Schleswig-Holstein, in Bayern oder in Brandenburg, laufen ähnliche Förderprojekte oder sind geplant. Baden-Württemberg hat sich bei der Europäischen Union eigens grünes Licht für die Maßnahme geholt, die nicht wettbewerbsverzerrend sein darf.

Seit die Landesregierung ihre Breitbandförderinitiative offiziell ankündigte und im Dezember den Startschuss gab, kann man sich in Stuttgart vor Anfragen kaum retten. Bis zu 75 000 € können die Gemeinden an Zuschüssen beantragen, wenn ihr Gemeindegebiet zu weit vom nächsten Hauptverteiler entfernt liegt und, vor allem, sich auch kein Netzbetreiber bereit erklärt, die Gemeinde in absehbarer Zeit an sein jeweiliges Netz anzuschließen.

„Eine Markterkundung ist Voraussetzung für einen Antrag“, so Scheffold. Nur wenn kein Netzbetreiber erschließen will, darf laut EU-Vorgaben die öffentliche Beihilfe fließen.

Die Kommunen können dann die Arbeiten ausschreiben und dem Betreiber mit dem günstigsten Angebot den Zuschlag geben. Mitnahmeeffekte könnten sicherlich nicht ganz ausgeschlossen werden, meint Scheffold. Allerdings reicht das Geld ohnehin nicht aus, um das Breitbandnetz komplett zu schließen.

Im Milliardenbereich liegen die dafür notwendigen Investitionen. Darüber sind sich der Minister für den Ländlichen Raum Peter Hauk und die Anbieter, etwa auch die im Land starke Kabel Baden-Württemberg, einig. Weder reicht dafür die ausgelobte Fördersumme, noch wären die Investitionen in ein solches Projekt für ein Unternehmen wirtschaftlich refinanzierbar, wie man bei Kabel BW betont.

„In diesen Fällen kann nur in einer konzertierten Aktion aller relevanten Player eine individuelle Lösung eventuell in Kombination verschiedener Techniken und Infrastrukturen eine Verbesserungen bringen“, teilte Martin Herkommer von Kabel BW auf Anfrage mit. Die in Baden-Württemberg aktive Clearingstelle Neue Medien im Ländlichen Raum sei dafür ein kompetenter Partner.

Bei der konzertierten Aktion hapert es allerdings doch noch etwas. Denn während man im Landtag und im Ministerium gerne einmal eine genaue Karte davon gehabt hätte, wo überall Glasfaser vergraben ist, sieht man diese Information bei den Netzbetreibern als Geschäftsgeheimnis. „Einige der großen Netzbetreiber wollen dies nicht, da sie vermeiden wollen, Wettbewerbern diese Infrastruktur zur Verfügung stellen zu müssen“, so Herkommer.

Bei der Telekom heißt es ganz unverblümt: Die für den Atlas vorgesehenen Angaben zu den bestehenden Glasfaserstrecken seien „nicht aktuell und nicht präzise“. Glasfaser in einem Teilort etwa könne im vorgesehenen Atlas nicht korrekt abgebildet werden. Man befürchte, dass man anschließend zu viele Nachfragen bekomme. „Wir vertrauen darauf, dass die Gemeinden auf uns zukommen und wir direkt Nägel mit Köpfen machen können“, sagt ein Telekom-Sprecher.

Bei Kabel BW ist man für einen Kompromiss. Ein Abgleich über eine neutrale Institution, wie die Clearingstelle Medien im Ländlichen Raum, würde Vorteile für alle Beteiligten bringen, heißt es. Damit würde es keine Offenlegung von Firmendaten zwischen Wettbewerbern geben und trotzdem könnten gezielt über diese Institution Lösungen im Einzelfall gesucht werden.

Auch einer solchen Lösung gegenüber ist man allerdings bei der Telekom gegenüber noch skeptisch. Die Vorsicht reicht so weit, dass man nicht einmal die Liste der Hauptverteiler auf Anfragen der LfK herausrücken will. Die ließ sich anderweitig beschaffen. Im Prinzip könnten auch die Informationen über die vergrabenen Glasfaserstrecken durch Abfragen bei den Gemeinden zusammengetragen werden, mit ungleich größerem Aufwand, heißt es bei den Behörden. Ob die LfK nun die Informationen, die von kleineren und alternativen Netzanbietern veröffentlichen werden, ist fraglich. Nach Ansicht der Experten macht das wenig Sinn, auch wenn gerade solche Alternativen manchmal den großen Sprung nach vorn für eine kleine Gemeinde bedeutet haben. MONIKA ERMERT

 

 

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