Mobilfunk 16.11.2007, 19:31 Uhr

„Wir werden alle Wimax-Endgeräte haben“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 16. 11. 07, swe – Wim te Niet ist seit rund einem Jahr President Central Europe bei Nortel. Davor betreute der 41-jährige Niederländer beim kanadischen Netzwerkausrüster über 10 Jahren Netzbetreiber und Unternehmen. Wim te Niet ist der festen Überzeugung, dass die vierte Mobilfunkgeneration mit den Technologien Wimax oder Long Term Evolution, kurz LTE, dem jetzigen UMTS weit überlegen ist. Der Betriebswirt geht davon aus, dass Wimax bereits im nächsten Jahr kommerziell startet, LTE folgt dann im Jahr 2010. Weil Nortel viele Patente bei beiden Nachfolgetechnologien hat, hält sich te Niet im Wettbewerb bestens gerüstet.

Te Niet: In unserem Geschäft kann man nur mitspielen, wenn man um die 20 % Marktanteil hat. Liegt er darunter, kann man zu wenig in Forschung und Entwicklung investieren und ist dann nicht wettbewerbsfähig. Bei den UMTS-Zugangstechniken hatten wir zwischen 6 % und 7 % Marktanteil. Deshalb haben wir an Alcatel-Lucent verkauft. Dazu kommt, dass UMTS weder für die Netzbetreiber noch die Ausrüster ein großer wirtschaftlicher Erfolg war. Das liegt auch daran, dass die Netzbetreiber Riesensummen für die Lizenzen zahlen mussten.

VDI nachrichten: Trotzdem, ist es nicht gefährlich, sich aus einer solchen Kerntechnologie zu verabschieden?

Te Niet: Nein, wir machen immer noch das intelligente Herz der UMTS-Netze. Die Philosophie dahinter lautet: Es wird sehr viele verschiedene Zugangstechnologien geben – drahtgebundene, drahtlose, Glasfaser bis nach Hause oder Long Term Evolution, kurz LTE, dazu VDSL oder Wimax. Alles endet im gleichen Netz und da ist es wichtig dabei zu sein.

VDI nachrichten: Das heißt, Sie investieren jetzt Ihre Forschungsmillionen anderweitig?

Te Niet: Wir hatten vorher 100 Mio. $ im Jahr in die Entwicklung der dritten Generation gesteckt. Dieses Geld und noch mehr haben wir jetzt in die vierte Generation eingebracht. Dadurch können wir jetzt vorne mitspielen. Das lässt sich zurzeit in solch einem frühen Stadium zwar noch nicht in Marktanteilen rechnen, aber in Patenten. Und da sind wir führend.

VDI nachrichten: In welchen Bereichen sind Sie führend? Was heißt das?

Te Niet: Die intelligente Antennentechnologie Multiple Input Multiple Output, kurz Mimo, wurde von Nortel mitentwickelt. Viele Patente des Modulationsverfahren Orthogonal Frequency Division Multiplexing, kurz OFDM, sind von Nortel. Das sind Kerntechnologien für die vierte Mobilfunkgeneration – ob das nun LTE oder Wimax ist.

VDI nachrichten: Was verstehen Sie unter der vierten Generation oder 4 G?

Te Niet: 4 G ist die nächste Generation an Technologien, die auf UMTS folgen und die Wimax oder LTE heißen. Beide haben mit OFDM eine andere bessere Funktechnologie als die dritte Mobilfunkgeneration.

Wimax ist jetzt schon marktreif. In Tests haben wir bereits mehr als 20 Mbit/s beim Herunterladen und beim Hochladen von Daten im 5-MHz-Kanal erreicht.

VDI nachrichten: Wie sieht Ihr Zeitplan für Wimax und LTE aus?

Te Niet: Wimax wird bereits Anfang bis Mitte nächsten Jahres kommerziell verfügbar sein und die Betreiber müssen ihren Vorsprung von eineinhalb bis drei Jahren nutzen, um Kunden zu gewinnen. LTE wird 2009 in die Testphase kommen und kommerziell 2010 verfügbar sein.

VDI nachrichten: Wer wird Wimax vorantreiben?

Te Niet: Treiber ist ganz klar Chiphersteller Intel, der ab nächsten Jahr Wimax-Chipsätze auf den Markt bringt. Dann haben wir alle Wimax-Endgeräte, weil Millionen Notebooks auf dem Markt sind, die Wimax an Bord haben.

Im Endgerätebereich werden Wimax und UMTS wahrscheinlich schon nebeneinander existieren, das muss auch so sein, weil ein Wimax-Gerät auch in einem 3-G-Netz funktionieren muss. Wir haben jetzt auch kombinierte Endgeräte mit Wifi und GSM an Bord. Aber es bleiben getrennte Netze.

Wir sind davon überzeugt, dass die 4-G-Netze den bisherigen so überlegen sind, dass die 3-G-Betreiber nicht lange standhalten können und ebenfalls in 4-G-Technologien investieren werden.

VDI nachrichten: Haben Sie schon Verträge mit Netzbetreibern?

Te Niet: In Europa haben wir schon einige Verträge, darunter zum Beispiel mit dem griechischen Betreiber Craig Wireless. Zu Deutschland können wir noch nichts sagen, weil die neuen Betreiber hier noch in der Startphase sind, aber die großen Entscheidungen werden Ende dieses bzw. Anfang nächsten Jahres fallen.

VDI nachrichten: Wie viele Entwickler forschen bei Ihnen an Wimax und LTE?

Te Niet: 7500 Mitarbeiter sind in unseren Forschungslaboren in Kanada, den USA, China und Südkorea tätig. In Südkorea liegt über das Joint Venture mit Handyhersteller LG auch unser Know-how im Bereich Endgeräte, da arbeiten wir kräftig an unserem Wimax-Portfolio. R. BÖNSCH/N. WOHLLAIB

Ein Beitrag von:

  • Nikola Wohllaib

    Freie Journalistin in Berlin. Scherpunktthemen: Telekommunikation, Medien, Medienpolitik.

  • Regine Bönsch

    Regine Bönsch

    Redakteurin VDI nachrichten
    Fachthemen: Telekommunikation, Mobilfunk, Automobilelektronik, autonomes Fahren, E-Mobilität, Smart Home, KI, Datenschutz/IT-Sicherheit, Reportagen

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