Telekommunikation 12.06.2009, 19:41 Uhr

„Wir werden trotz Krise weiter wachsen“  

Der chinesische Netzausrüster ZTE will in Deutschland und Europa expandieren. Cheng Lin, Präsident für Westeuropa, rechnet noch 2009 mit einem großen Netzwerkvertrag in Europa. Aber die Chinesen wissen auch, dass es Zeit braucht, um Vertrauen aufzubauen. Zeit und Menschen. Peihong Hou, Cheftechnologe von ZTE Deutschland: „Wir suchen Vertriebskollegen und Ingenieure.“ VDI nachrichten, Düsseldorf, 12. 6. 09, rb

Hou: Wir haben ein breiteres Spektrum als viele unserer Konkurrenten. Wir bieten Festnetz-, Mobilfunknetzkomponenten, Services und Endgeräte an. In unserem Portfolio finden sich Handys ebenso wie Glasfasertechniken. Daher ist das schwer zu vergleichen.

Lin: Marktstudien zufolge nehmen wir im Equipmentmarkt zurzeit mit rund 5 % den weltweit sechsten Platz ein. Allerdings sind wir z. B. bei Datenkarten bereits heute die Nr. 2 weltweit.

Wie sieht es bei Handys aus?

Lin: Wir haben gerade eine breite Palette von Handys vorgestellt – auch unser Solarhandy. Wir liefern bereits Smart- phones an Mobilfunkbetreiber in Europa. Unser Ziel ist klar: In den nächsten fünf Jahren wollen wir zur Nr. 3 im internationalen Handymarkt aufsteigen.

Es ist selbstverständlich auch ein gewaltiger Vorteil, ein chinesisches Unternehmen mit einem riesigen Markt wie China zu sein …

Lin: Auf jeden Fall. Allein unser Kunde China Unicom, der drittgrößte chinesische Betreiber, verfügt mit mehr als 100 000 Basisstationen über fast 20 % der weltweit installierten Basisstationen. Da es sich dabei um UMTS-Technik handelt, profitieren auch unsere Geschäfte in anderen Märkte davon. Wir haben schon im letzten Jahr über 60 % unseres Umsatzes nicht in China, sondern in 140 anderen Ländern der Welt gemacht, vor allem in Afrika und im asiatisch-pazifischem Raum.

.. und diese Geschäfte wollen Sie weiter ausbauen?

Lin: Ja, dabei hilft auch unsere solide finanzielle Situation. Führende Banken in China haben uns für fünf Jahre einen 15-Mrd.-$-Kredit eingeräumt, mit dem wir unseren Kunden, den Netzbetreibern, helfen können in aktuelle und kommende Techniken zu investieren. Zum Vergleich: Ein UMTS-Netz, das ganz Deutschland abdeckt, würde rund 1 Mrd. $ bis 2 Mrd. $ kosten.

Chinesischen Unternehmen haftet der Ruf an, technisch ganz gut, aber vor allem billig zu sein. Stimmt das?

Hou: Die Konkurrenz im Telekommunikationsmarkt steigt ständig. Der Preisdruck ist auch bei unseren Kunden sehr hoch und wird an uns weitergegeben. Da entscheidet neben Technologie, Qualität und Innovation auch immer der Preis. Aber Kunden wie die Deutsche Telekom oder Vodafone achten sehr genau auf Qualität.

Lin: Die chinesischen Ausrüster sind die preisgünstigsten Anbieter in der Branche. Aber manchmal liegen unsere internationalen Konkurrenten preislich auch noch unter uns.

Wann wird man die beiden großen chinesischen Anbieter Huawei und ZTE in Deutschland ebenso kennen wie Ericsson, NSN oder Alcatel-Lucent?

Hou: Huawei hat in Deutschland etwa zwei, drei Jahre Vorsprung, was die Bekanntheit angeht. Für Huawei arbeiten hier einige Hundert Mitarbeiter, bei ZTE sind heute 80 Mitarbeiter beschäftigt. Aber wir wachsen schnell und stellen weiter kräftig ein. Und dann werden wir sicher auch bekannter.

Welche Netzbetreiber sind für Sie in Deutschland besonders spannend?

Hou: Alle großen Netzbetreiber, City-Carriers, Serviceprovider und Systemintegratoren. Zwei Beispiele: Vodafone ist für uns seit zwei Jahren ein großer Kunde bei mobilen Endgeräten. Im Netzwerkbereich sind wir an einem zukunftsweisenden Test beteiligt. Und mit der Deutschen Telekom arbeiten wir an sehr vielen Themen. Das geht von Handys über UMTS-Datensticks bis hin zum mobilen Netz der nächsten Generation, LTE. Mit der T-Mobile haben wir Ende letzten Jahres ein Rahmenabkommen über mobile Endgeräte unterzeichnet und im März wurde das erste Mobiltelefon für T-Mobile gelauncht.

Das heißt, Sie sind auch an Zukunftstechnologien beteiligt?

Hou: Ja, und wir haben z. B. bei T-Mobile sehr positives Feedback erhalten. Allerdings brauchen wir bei vielen Dingen noch Zeit, um Vertrauen aufzubauen. Nicht bei Handys und Datenkarten, aber bei Netzwerktechniken, wo Projekte über Jahre laufen.

Lin: … bezogen auf Europa kann ich Ihnen verraten, dass wir noch in diesem Jahr mit einem ersten großen Netzwerk-Vertrag rechnen. Und zum Thema Zukunftstechnologien: Wir sind sehr stolz auf unsere 1400 internationalen Patente. LTE, die nächste Mobilfunkgeneration, werden wir in der ersten Jahreshälfte 2010 kommerziell anbieten können.

Wenn Sie in Deutschland so wachsen wollen, suchen Sie dann Ingenieure?

Hou: Auf jeden Fall, wir brauchen sowohl deutsche Mitarbeiter als auch Experten aus China. Wir müssen vor Ort sein, vor allem bei Service und Wartung. Wir suchen im Moment Vertriebskollegen und Ingenieure, aber es ist nicht einfach, erfahrene Ingenieure zu finden.

Gibt es kulturelle Probleme – ist es schwer multinational zusammenzuarbeiten?

Hou: Es ist nicht einfach, aber wir kriegen das schon hin. Unsere Arbeitssprache ist Englisch, wie in jedem internationalen Unternehmen. Gutes Englisch ist eine Voraussetzung, um bei uns zu arbeiten. Dann sind unsere Projektteams immer multinational, das fördert das kulturelle Verständnis. Außerdem gibt es bei uns einige „Brückenbauer“, die dreisprachig sind. Insgesamt fördern wir nach Kräften den Austausch zwischen den chinesischen und deutschen Kolleginnen und Kollegen.

In ein paar Jahren kommen auf einen frisch ausgebildeten deutschen Ingenieur 8000 chinesische. Muss uns das Angst machen?

Hou: Qualifizierte Ingenieure sucht man auf der ganzen Welt. Sie werden es kaum glauben, aber auch in China haben wir Probleme, gute Mitarbeiter zu finden – trotz der vielen Studenten und der Größe des Landes. Die richtig Guten haben selbst in Krisenzeiten kein Problem einen Job zu finden.

Apropos Krise: Was merken Sie von der Krise?

Hou: ZTE und die gesamte Telekommunikationsindustrie sind weniger betroffen als Autoindustrie oder Maschinenbau. Es besteht immer Bedarf für Kommunikationsausrüstung, denken Sie nur an den Breitbandzugang für jeden. Unsere Kunden investieren weiter, sogar noch von Regierungen gefördert. ZTE steht wirklich gut da – auch in Zeiten der Krise. So haben wir im 1. Quartal 2009 bereits ein Umsatzplus von 30 % gegenüber dem Vorjahr erwirtschaftet.

Lin: Wir wissen alle nicht, wie sich 2009 entwickelt, aber ich bin davon überzeugt: Wir werden trotz Krise weiter wachsen. N. WOHLLAIB/R. BÖNSCH

Von N. Wohllaib/R. Bönsch
Von N. Wohllaib/R. Bönsch

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