Software 23.07.1999, 17:22 Uhr

„Wir suchen die geistigen Olympiasieger“

Mit einer offenen Unternehmenskultur, Erfolgsbeteiligungen und einer aktiven Personalentwicklung hat das IT-Unternehmen „sd&m“ keine Probleme bei der Suche nach Top-Mitarbeitern.

Rund 150 Informatiker und Ingenieure sucht das Münchner Softwarehaus „sd&m“ jährlich – und findet sie auch, trotz angeblichen Ingenieurmangels. Einsteiger werden vom ersten Tag an in Projekte eingebunden und kommen früh mit Kunden in Kontakt.
Eine paradoxe Situation: Unternehmen, besonders wenn sie in der IT-Branche zuhause sind, fällt es schwer, Ingenieure zu finden. Dennoch braucht das Münchner Software -Unternehmen sd&m bei Nachwuchskräften keine extrem hohen Gehälter zu bezahlen oder Abstriche bei den Qualifikationen zu machen. Firmengründer Ernst Denert: „Für sd&m sehe ich hier keinen Engpaß, qualifizierte und geeignete Bewerber zu finden.“
Dabei nehmen die Münchener längst nicht jeden Absolventen mit einem Diplom in Informatik, Ingenieurwissenschaften, Physik oder Mathematik. „Wir suchen die geistigen Olympiasieger“, sagt Denert selbstbewußt, auch mit dem Bewußtsein, daß sich manch geeigneter Bewerber damit vor den Kopf gestoßen fühlen könnte. Würde sich Denert, von Haus aus Elektrotechniker, heute mit seinen Abiturnoten zwischen „gut“ und „befriedigend“ bei sd&m bewerben, hätte er kaum eine Chance. Und auf Noten achtet er: „Sie sagen schon etwas über die Leistung eines Bewerbers aus, besonders wenn sie über die Jahre hinweg steigende Tendenz zeigen.“
Wie kommt nun die Münchner Softwareschmiede an gute Nachwuchskräfte? Denert pflegt den Kontakt zu Hochschulen. An der TU München hält er Vorlesungen, sein Buch (Thema: Software-Engineering) ist in Fachkreisen bekannt. Seine Studenten lädt er regelmäßig zu Exkursionen in seine Firma ein. In diesem Jahr hat das Unternehmen erstmals Stipendien für Informatik-Studenten ausgeschrieben. Außerdem sind Mitarbeiter von sd&m ständige Gäste bei Recruiting-Veranstaltungen oder Hochschul-Kontaktmessen. Zudem nutzt die Softwareschmiede auch die Presse, um sich bei den Youngsters ins Gedächtnis zu rufen.
Das Unternehmen – es gehört mittlerweile der Bayerischen Landesbank und der Unternehmensberatung Schitag, Ernst & Young – hat Ingenieuren einiges zu bieten. Mit 72 000 DM bis 75 000 DM, zuzüglich Erfolgsbeteiligung, insgesamt um die 80 000 DM, können Berufseinsteiger rechnen, Promovierte erreichen schnell 90 000 DM im Jahr. Ab 110 000 DM hängt ein Drittel des Jahresgehaltes vom Erfolg ab, bemessen nach dem Umsatz des eigenen Projekts und der Abteilung. So können selbst Fachkräfte ohne Führungsverantwortung ein Jahresgehalt von 150 000 DM bis 175 000 DM erzielen. Außerdem ist jeder Mitarbeiter am Erfolg des gesamten Unternehmens beteiligt, im Schnitt sind das noch einmal rund 7000 DM für jeden festangestellten Mitarbeiter.
Beteiligung am Erfolg heißt aber auch Beteiligung am Mißerfolg. Wird ein Festpreisauftrag mit höherem Aufwand abgewickelt als geplant, werden den verantwortlichen Managern bis zu 6 % – bezogen auf die Etatüberschreitung – von der vereinbarten Tantieme abgezogen. Entsteht umgekehrt weniger Aufwand, werden nur 3 % der Kostenunterschreitung als Vergütung gutgeschrieben. Firmenchef Denert: „Wir wollen keine Gewinnmaximierung zu Lasten des Personals oder gar der ausgelieferten Qualität. Wir wollen lediglich eine möglichst genaue Kalkulation erreichen.“
Gehaltsanpassungen finden über regelmäßige Bewertungen statt. Vorstandsvorsitzender Denert: „Dabei kommen zwei Karten mit jeweils einem Namen auf den Tisch, und dann wird diskutiert, wer der bessere ist. Wir sprechen dabei wirklich über alles. Danach folgt eine weitere Karte usw. Schließlich zeigt sich eine Rangfolge, und wir wissen, wie die Reihenfolge auf der Gehaltsliste sein soll und wen wir befördern müssen.“
Neue Mitarbeiter bei sd&m erleben den Chef schon in den ersten Tagen persönlich. Schließlich soll die gesamte Einstellung zur Arbeit, zum Kunden und zum Team „von Mitarbeiter zu Mitarbeiter vererbt“ werden. Wachstum durch Zellteilung nennt der Gründer das.
Vom ersten Tag an müssen neue Mitarbeiter „schwimmen lernen“. Sie werden sofort in laufende Projekte integriert, auch der Kontakt zu Kunden läßt nicht lange auf sich warten. Das oberste Gebot: sich schnell in das Team einfügen und zeigen, was man kann. Denn die Teams betreuen ein Projekt von Anfang bis Ende des Auftrages eigenverantwortlich – von der Konzeption über die Entwicklung bis zur Einführung.
Zur Projektarbeit gehört auch die kontinuierliche Qualifizierung und Entwicklung der Mitarbeiter durch „Training on the Job“. Fachvorträge, umfangreiche Workshops sowie eine alle zwei Jahre stattfindende Mitarbeiterkonferenz gehören zu den regelmäßig durchgeführten internen Maßnahmen der Personalentwicklung, externe sind Teilnahme an Tagungen, Seminaren, Kongressen und Messen. Einen Betriebsrat gibt es für die 670 Beschäftigten nicht. Wohl aber einen Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der AG, in die sd&m kürzlich umgewandelt wurde. – Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter ist seit Jahren mit 32 Jahren niedrig – was in der Softwarebranche durchaus üblich ist. „Viele wechseln zu Unternehmen, die später unsere Kunden werden“, schmunzelt Denert. Und ein paar Firmengründungen von ehemaligen Mitarbeitern gibt es auch.
„Ich habe mich allerdings auch schon gefragt, wie man in dieser Branche alt wird“, gibt Denert zu, der 1968 in Berlin Elektrotechnik studierte und manche Idee aus der damaligen Aufbruchstimmung verinnerlicht hat. Eine Antwort hat er allerdings nicht parat. Auch nicht darauf, warum es in Deutschland etwa 56 000 arbeitslose Ingenieure gibt, denen angeblich 75 000 unbesetzte Arbeitsplätze in der Informationstechnik gegenüberstehen.
Denert wird nachdenklich: „Wie würde sich der 45jährige Maschinenbauingenieur wohl innerhalb unserer Mannschaft fühlen, die von Kunden schon mal als Studententruppe bezeichnet wird?“ Aber wenn der Bewerber gut programmieren könne, würde man sich seine Unterlagen natürlich genau ansehen.
Trotz der vielen Einstellungen jedes Jahr ,hat das Softwarehaus sd&m keine Personalabteilung. Im vierköpfigen Vorstand kümmert sich jetzt Dirk Taubner um zentrale Aufgaben. Generell gilt: Wer Mitarbeiter braucht, soll sie auch selbst aussuchen. Schließlich müssen die Beschäftigten vor Ort mit den Neuen zusammenarbeiten.
Hochschulabsolventen wissen die Arbeitsbedingungen bei sd&m offenbar zu schätzen. Nach einer Umfrage von German Career Service gehört das Münchner Softwarehaus zu den zehn beliebtesten Arbeitgebern der deutschen IT-Branche.
Vorstandschef Denert: „Wir haben genaue Vorstellungen, wie die Zusammenarbeit und die Projektabwicklung aussehen soll. Diese Ideen, von anderen Unternehmenskultur genannt, tragen wir nach draußen. Das macht uns offensichtlich attraktiv.“
Rus/has
Ernst Denert: „Wir bieten auch Stipendien für Informatik-Studenten an.“
Wachstumsmarkt Informationsbranche: Mittlerweile arbeiten über 1,7 Mio. Frauen und Männer in den Bereichen Hardware, Software, Service und bei den Medien. Die Signale stehen weiter auf Wachstum. Größter Arbeitgeber ist zur Zeit das Druckgewerbe.

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