Telekommunikation 07.07.2006, 19:22 Uhr

„Wir starten eine Revolution“  

„Wir werden weltweit die Ersten sein, die diese Technik einsetzen.“

Kittel: Der Ausbau unseres Highspeed-Netzes ist planmäßig verlaufen, wir sind im September 2005 gestartet und haben heute 10 000 km Glasfaser verlegt, um die aktiven Bauelemente VDSL 2 in die Verteilerkästen zu bringen. Dazu haben wir ca. 14 000 Verteilerkästen bereits in den zehn Großstädten, u. a. in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und München, aufgestellt.

VDI nachrichten: Die Menschen in diesen Städten wundern sich über große graue Kästen. Überbauen Sie dort die alte Technik mit der neuen?

Kittel: Genau: Die Verteilung, die heute im Kabelverzweiger geschieht, wird ja weiterhin wichtig sein für alle Kunden, die dort angeschlossen sind. Wir nehmen nur das Gehäuse ab und bauen quasi das größere Gehäuse darüber, um dann die aktiven Bauelemente, die für VDSL 2 notwendig sind, einzubringen, die so genannten DSLAMS.

VDI nachrichten: Was ist noch in den neuen Kästen drin?

Kittel: In so einem Kabelverteiler stecken die bestehende Verteilung, die Stromversorgung von verschiedenen Versorgern und die DSLAMs. Zur Verbesserung des Kundenservice werden wir zusätzlich noch etwas weltweit Einzigartiges installieren: den automatischen Schaltverteiler.

DSL-Kürzel

DSLAM
ist die Abkürzung für Digital Subscriber Line Access Multiplexer und regelt die DSL-Terminierung. Er sammelt und verteilt den DSL-Datenverkehr der Endkunden. Linecards und Netzwerk-Schnittstelle sind die wesentlichen Bestandteile des DSLAMs. Auf den Linecards werden die Ports für die Leitungen, die zu den Teilnehmern gehen, zusammengefasst. Ein Splitter übernimmt die Trennung von Daten- und Sprachsignalen.
ADSL 2+
lautet das Kürzel für Asymmetric Digital Subscriber Line. Die Weiterentwicklung von ADSL bietet mit 16 Mbit/s vor allem höhere Datenraten und macht damit z. B. Fernsehen über das Telefonkabel möglich. VDSL ist die Abkürzung für Very high bitrate Digital Subscriber Line. Diese zurzeit in Südkorea, Japan und China eingesetzte DSL-Technologie erlaubt Datenraten von bis zu 50 Mbit/s über die Telefonleitung, jedoch sinkt die nutzbare Bandbreite rapide mit der Länge der Leitung.

VDSL 2
ist die Weiterentwicklung von VDSL und wurde im Mai 2005 vom der ITU-T standardisiert. VDSL 2 bietet in der Konfiguration, wie sie im Netz der Deutschen Telekom zum Einsatz kommt, die hohen Datenraten bis zu 50 Mbit/s der VDSL-Technik über kurze Distanzen (ca. 300 m) in Empfangsrichtung und bis zu 5 Mbit/s in Senderichtung. Die VDSL-2-Technik ist in der Regel eng mit Ethernet-DSLAM sowie einer Ethernet Aggregation verbunden. Das neue Highspeed-Netz der Telekom mit Glasfaser bis zum Kabelverzweiger (Fiber to the node) soll hohe Datenraten flächendeckend anbieten können, weil die Glasfaserverbindungen so nah wie möglich zu einem kundennahen DSLAM gebracht wird. Außerdem sorgt die neue VDSL-2-Technik für die schnelle Verbindung auf dem letzten Kupferabschnitt zum Kunden sorgen. niwo/rb

Immer dann, wenn ein Kunde einen Auftrag erteilt und z. B. einen ISDN- oder DSL- und künftig einen VDSL-Anschluss wünscht, dann muss entsprechend die zweiadrige Kupferleitung so geschaltet werden, dass sie auch den Dienst übertragen kann. Das haben wir bisher durch Techniker vor Ort gemacht. Beim neuen VDSL-Netz geschieht das automatisch. Wir können so innerhalb kürzester Zeit Leitungen schalten, das Netz monitoren und so Störungen sofort aufspüren. Das bringt mehr Sicherheit und Qualität für die Kunden.

VDI nachrichten: Wann ist es so weit? Und wer liefert diesen automatischen Schaltverteiler?

Kittel: Die Technik ist ab dem vierten Quartal 2006 verfügbar. Das ist eine ganz neue Entwicklung. Wir haben dazu u. a. mit Siemens und ADC Krone die ersten Verträge abgeschlossen. Aber auch Ericsson und Lucent bieten die Technik an.

VDI nachrichten: Können Sie damit auch klare Auskunft darüber erteilen, ob auftretende Fehler bei der T-Com oder einem privaten Anbieter liegen?

Kittel: Wir können sagen, ob die Leitungsqualität bis zum Kunden gut ist oder nicht. Was der Kunde hinter unserem Netz nutzt, ist für uns nicht immer erkennbar. Aber wir können eine klare Aussage treffen und das ist entscheidend. Wir werden weltweit die Ersten sein, die diese Technik einsetzen.

VDI nachrichten: Und wie sieht das bei der VDSL-2-Technik aus?

Kittel: Auch dort sind wir weltweit die Ersten, die die neuen Chips der VDSL-2-Technik einsetzen. Wenn wir die zehn Städte versorgt haben, werden wir 90 % der dort erreichbaren Anschlüsse versorgt haben. Die hohe Erreichbarkeit erzielen wir, weil die Technik direkt in den Kabelverteilern sitzt. Von dort aus erzielen wir bei einer durchschnittlichen Entfernung zum Kunden von 300 m rund 50 Mbit/s. Das kann keine andere Technologie. Wir starten damit in Sachen Abdeckung eine Revolution mit einer hohen Bandbreite. Die Telekom treibt diese Technik und hat dafür eng mit Siemens, ECI und Chipherstellern zusammengearbeitet.

VDI nachrichten: Welche Dienste werden Ihnen künftig Geld bringen?

Kittel: Zunächst einmal werden wir Triple-Play-Angebote machen, also Sprache kombiniert mit Datendiensten und Internetfernsehen. Die hohe Bandbreite brauchen wir, um hochauflösende Fernsehsignale liefern zu können. Bei der heutigen Kodierung brauchen wir für einen HDTV-Stream bis zu 8 Mbit/s. Wenn ein Kunde mit mehreren Geräten drei Kanäle nutzt – also z. B. zwei zum aktiven Fernsehschauen und einen für die Aufnahme – dann sind schon 24 Mbit/s nötig.

Und, wir wollen weitergehen. Ich kann mir attraktive 3-D-Übertragungen vorstellen. Die Technik ist schon sehr weit – da ergeben sich faszinierende Welten. Zu einem Entwicklungsschub wird das Highspeed-Netz im Gesundheitswesen, beim E-Learning oder Entertainment führen. Dort braucht man Bandbreiten.

VDI nachrichten: Sind denn die Kunden in ein paar Jahren bereit für HDTV und 3-D Geld zu bezahlen?

Kittel: Dazu wurden Marktstudien von T-Online gemacht. Es werden entsprechende Angebotspakete geschnürt. Von der technischen Seite her kann ich nur sagen: 3-D wird es in diesem Jahr noch nicht geben, aber unser Ziel ist es, möglichst schnell hochauflösende Qualität anzubieten. Wir werden HDTV bei immer mehr Sendern sehen. Schließlich wurde ja schon die gesamte Fußball-WM hochauflösend aufgezeichnet.

VDI nachrichten: Und HDTV ist mit ADSL 2+, der Technik, die ihre Konkurrenten anbieten und die 16 Mbit/s liefert, nicht möglich?

Kittel: Man könnte auch über ADSL2+ HDTV empfangen, aber eben nicht bei größerer Entfernung zum Kabelverteiler und nicht in der Flächenabdeckung. Hinzu kommt, dass die VDSL-2-Technik auch im Uplink mehr zu bieten hat. Bei ADSL 2+ können Sie rund 1 Mbit/s senden, bei VDSL 3 Mbit/s bis 5 Mbit/s. Denken Sie dann an all die Menschen, die ihre Fotos und Videos zu Services im Internet hochladen. Junge Menschen agieren heute interaktiv im Netz in Communities – da sind Uplink-Raten wichtig.

VDI nachrichten: Gibt es ähnliche Entwicklungen in den USA und Asien?

Kittel: AT&T will ein ähnliches Modell fahren und rüstet auch sein Netz bis zum Kabelverteiler auf. Südkorea nutzt die VDSL-Technik, aber eben nicht VDSL 2. Die Chipsätze sind ja gerade erst entwickelt worden – auch mit unserer Unterstützung.

VDI nachrichten: Ab wann gehen Sie in die Vermarktung rein?

Kittel: Nachdem wir die Tests abgeschlossen haben, den Zeitpunkt werden wir noch bekannt geben. Die Tests mit mehreren hundert Testkunden zeigen gute Ergebnisse. Wir wollen unseren Kunden schnellstmöglich die entsprechenden Produkte zur Verfügung stellen. Ein Angebot könnte dann ein DSL-Anschluss mit Telefonie, einer Flatrate und entsprechenden TV-Angeboten obendrauf sein.

VDI nachrichten: Wie viele potenzielle Kunden erreichen Sie momentan? Wie viele werden es zum Jahresende sein?

Kittel: Mittlerweile haben wir in zehn Städten zirka 50 % ausgebaut. Bis Jahresende werden wir in diesen Städten 90 % der Bevölkerung erreichen. Wir erreichen mit unserem Ausbau dann rund 6 Mio. Haushalte.

VDI nachrichten: Können Nutzer über dieses Angebot dann ab 11. August Bundesliga schauen?

Kittel: Das ist der Plan.

VDI nachrichten: Nach Aussagen des T-Com-Chefs Walter Raizner, aber auch des Telekom-Chefs Kai-Uwe Ricke wird man das VDSL-Netz nicht weiter ausbauen, wenn es nicht eine Entlassung aus der Regulierung gibt. Stimmen Sie solche Aussagen nicht traurig?

Kittel: Als Technikchef von T-Com ist es mein Auftrag, die Infrastruktur in hoher Qualität zur Verfügung zu stellen. Das mache ich gerne. Und natürlich wäre es ungeschickt, wenn wir die Technik nicht weiter ausbauen. Wir haben aber von Anfang an gesagt, dass wir für den Ausbau von 50 Städten Planungssicherheit und geeignete regulatorische Rahmenbedigungen benötigen. Hier ist der Gesetzgeber gefordert.

Roland Kittel
ist Chief Technical Officer (CTO) der Telekom-Festnetztochter T-Com. Der 52-Jährige startete seine berufliche Karriere 1976 bei IBM in Düsseldorf, übernahm dort zunehmend verantwortlichere Positionen in verschiedenen Bereichen der Informationstechnologie, u. a. auch in Austin/Texas. 1987 wechselte er zu Lockhead Martins IT-Unternehmen CalComp, wo er später zwei Jahre von Amsterdam aus einen europäischen Telemarketing-Direktvertrieb für CAD-Produkte aufbaute und leitete. 1997 wechselte Kittel zur Deutschen Telekom. Im Oktober 2001 erhielt Kittel als CTO die Verantwortung für die gesamte Festnetzinfrastruktur von T-Com und für das Geschäftsergebnis des Bereiches Technik.

 

Von Nikola Wohllaib/Regine Bönsch

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