CeBIT 2012 - Eröffnung 09.03.2012, 12:00 Uhr

„Wir sind eine privilegierte Minderheit“

Nur 2 Mrd. von 7 Mrd. Bewohnern der Erde haben Zugang zum Internet. Da das Internet aber Zugang zu Bildung, Know-how, sozialem Aufstieg und zur Geschäftstätigkeit verschafft, müsse in die IT-Infrastruktur investiert werden, so die Redner zur Eröffnung der CeBIT. Diese Investitionen erfordern aber nicht nur Geld, sondern für eine steigende Akzeptanz müssen Firmen um Vertrauen in ihre Produkte werben. Nachfolgend Auszüge aus den Reden.

Merkel sieht Handlungsbedarf vor allem bei Infrakstruktur und Bildung

Führungskräfte im europäischen Raum ermahnte die Bundeskanzlerin, sich den aktuellen Herausforderungen zu stellen, um nicht an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren: „Es gibt aus meiner Sicht keine Alternative zur „Europäischen Union“ und dazu, den Kern der Eurozone stabil zu entwickeln.“

Die Notwendigkeit zu handeln sieht Merkel in Deutschland vor allem in den Bereichen Infrastruktur und Bildung. „Da in Deutschland 50 % der Bevölkerung in ländlichen Regionen leben, muss durch den Breitbandausbau gewährleistet werden, dass niemand von den neuen Möglichkeiten ausgeschlossen wird.“

Merkels Zielsetzung ist, die Neugierde, die Freude an der Wissenschaft, an der Entwicklung von Technologie und Innovation aufrechtzuerhalten, damit trotz des demografischen Wandels genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen, um Computer, Kommunikationsprodukte und Dienstleistungen zu entwickeln. cb

Dieter Kempf, Präsident des Bitkom, des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien:

Mit dem diesjährigen CeBIT-Motto „Managing Trust“ geht für Kempf ein grundlegender Wandel der Messe einher: „Bislang haben auf der CeBIT Produkte und Lösungen im Mittelpunkt gestanden. Diesmal aber geht es nicht um Produkte, es geht um die Basis unseres Geschäfts, es geht um Vertrauen.“

Zwei Studien zur Informationstechnik zeigten, so Kempf, dass Vertrauensmerkmale wie Datenschutz, Sicherheit und Transparenz bei Weitem die wichtigsten Kriterien bei Kundenentscheidungen seien. Bei Einkäufen im Internet würden diese Faktoren viel stärker gewichtet als Produktqualität und Markenbekanntheit.

Kempf richtete deutliche Kritik in Richtung Google-Aufsichtsrat Eric Schmidt: „Es darf nicht sein, dass Verbraucher von tiefgreifenden, ihre persönlichen Daten betreffenden Änderungen der Geschäftsbedingungen überfallartig überrascht werden.“ Die Haltung „Akzeptiert es oder lasst es bleiben“ sei bei solch asymmetrischer Verteilung der Kräfte schlicht unfair.

Von Politikern forderte Kempf Transparenz und Klarheit ein: „Bedeutende Regelwerke wie Acta dürfen nicht hinter verschlossenen Türen ausgearbeitet und dann plötzlich aus dem Hut gezaubert werden.“ Er forderte mehr Bürgerbeteiligung und eine rechtzeitige, offene Diskussion. Danach müssten die so getroffenen Entscheidungen auch eingehalten werden.

Die Industrie gehe hier mit einer Reihe von Selbstverpflichtungen voran. Kempf: „Wir wollen zeigen, dass es uns ernst ist mit Managing Trust.“ 

Google-Aufsichtsratchef Schmidt: „Technologie wird zu einem großen Gleichmacher“ 

„Technologie wird die Gesellschaft verändern.“ Google-Aufsichtsratschef Eric Schmidt ließ bei seiner CeBIT-Eröffnungsrede keinen Zweifel daran, dass Technologie nicht nur zu gesellschaftlichem Wandel führt, sondern vieles auch nivellieren wird. Im positiven Sinn.

„Technologie wird zu einem großen Gleichmacher“, betonte Schmidt. Der Zugang zum Internet mache es den Schwachen und Unterprivilegierten möglich, Zugang zu Bildung zu erlangen und staatliche Barrieren und Restriktionen zu überwinden. Den Weg dazu ebne vor allem das Smartphone. Es erlaube den Bewohnern vieler Regionen der Welt, das Computerzeitalter zu überspringen und per Smartphone sofort Zugang zum Internet zu erhalten. Besonders die 5 Mrd. Menschen auf der Welt, die noch keinen Zugang zum Internet haben, wünscht sich Schmidt im Netz. „2 Mrd. Menschen sind erst im Netz – wir sind eine privilegierte Minderheit.“

Nach Ansicht von Schmidt muss und wird sich die digitale Infrastruktur entwickeln. In wenigen Jahren würden Smartphones 20-mal schneller Daten übertragen als heute und statt 400 € nur noch 20 € kosten. „Selbst die Nomaden in der Wüste werden dann investieren und Teil der digitalen Gesellschaft werden.“

Das zentrale Messethema, „Managing Trust“, das Vertrauen der Nutzer in Informationstechnologien, streifte Schmidt nur am Rande. Er sprach lieber davon, dass der Zugang zum Internet für alle Transparenz schaffe, dies mache es Propaganda schwierig, sich unkommentiert auszubreiten, und es werde wenige Orte geben, an denen sich Demagogen virtuell verstecken könnten.

„Das reicht nicht“, kritisierte dann auch Microsoft-Deutschland-Chef Ralph Haupter. Als Branche müsse man sich den zentralen Herausforderungen des Datenschutzes, der Sicherheit, des Zugangs und der Transparenz in der digitalen Welt stellen. Gerade in einer Zeit, in der Unternehmen wie Facebook oder Google in der Kritik stehen, es mit der Privatsphäre ihrer Nutzer nicht so genau zu nehmen, wären Ausführungen zu Sicherheit und Vertrauen ein Zeichen in die richtige Richtung gewesen.

Schmidt hingegen verwies auf die reinigende Kraft von Transparenz. „Das Web ist mehr als ein Computernetzwerk, es ist ein globales Bewusstsein.“ Eine dauerhafte Zensur des Informationsaustauschs ist nach Schmidt zum Scheitern verurteilt.

Sein Schlusswort versprühte dann auch etwas von dem typisch amerikanischen Aufbruchspathos: „Wir wollen eine Welt bauen, in der jeder mit jedem in Verbindung treten kann – für eine neue Zukunft.“  

Präsidentin Roussef: Brasilien investiert in „digitale Aufgeschlossenheit“  

„Ich lade Sie ein, den Fortschritt des Landes auf der Messe und in Brasilien kennenzulernen“, warb Präsidentin Dilma Vana Rousseff für ihr Land.

Brasilien investiere in die „digitale Aufgeschlossenheit und damit gegen das soziale Ausgeschlossensein“. Von der Aufgeschlossenheit und der sozialen Integration hänge die Entwicklung des Landes ab. Für die 190 Mio. Brasilianer sei ihr Land
heute „ein Land der Möglichkeiten“ – und das sei es auch für Unternehmer und Investoren aus dem Ausland.

Großinvestitionen im digitalen Bereich erfordere auch die für dieses Jahr geplante Vernetzung aller Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaft 2014. Zudem wurden Verträge für Untersee-Glasfaserverbindungen z. B. nach Afrika und Asia unterschrieben.

Präsidentin Rousseff wies darauf hin, dass die Investitionen ausländischer Unternehmen in Brasilien bereits seit Jahren stiegen, 2011 hätten sie bei einem Volumen von rund 4,5 Mrd. € gelegen. Auch die Exporte von Software, 2011 bei 1,9 Mrd. €, florierten.

Kritisch äußerte sich die Präsidentin zur aktuellen Kapitalschwemme: „Wir werden unsere Industrie verteidigen und dafür sorgen, dass Schwellenländer durch die Strategie der Industrieländer im Kampf gegen die Krise nicht aufgefressen werden.“

Bundeskanzlerin Merkel warnte im Anschluss an die Rede Rousseffs vor wirtschaftlichem Protektionismus.

  • Jens D. Billerbeck

    Jens D. Billerbeck
  • Lisa Diez-Holz

  • Martin Ciupek

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Maschinen- und Anlagenbau, Produktion, Automation, Antriebstechnik, Landtechnik

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