Mobilfunk 03.08.2007, 19:29 Uhr

„Wir werden den Markt mit neuen Diensten überraschen“  

VDI nachrichten, Töging, 3. 8. 07, sta – Im Dezember 2006 hat die Bundesnetzagentur die Frequenzen für den breitbandigen drahtlosen Netzzugang in Deutschland für gut 56 Mio. € versteigert. Nur zwei der fünf Lizenznehmer sind bis heute aktiv in Erscheinung getreten. Die Televersa Online GmbH will den Südosten Bayerns mit Wimax versorgen. Die VDI nachrichten sprachen mit Geschäftsführer Jürgen Pfitzner.

Pfitzner: Diese Frage sollten Sie besser den jeweiligen Lizenzinhabern stellen. Zu deren Strategien kann ich keine Auskunft geben. Ich kann Ihnen nur sagen, was Televersa Online macht: Wir werden die Auflagen als Wimax-Lizenznehmer, also vor allem den Netzaufbau, schon deutlich früher erfüllen, als es die Regulierungsbehörde vorgegeben hat. Wir peilen Ende 2008 oder Anfang 2009 an – nicht erst 2011.

VDI nachrichten: Was hat sich für Televersa durch die Zuteilung der Lizenzen verändert?

Pfitzner: Durch die Zuteilung der Lizenzen und den damit verbundenen Netzaufbau erhöht sich die Flächendeckung unseres Netzes signifikant und somit auch die Zahl unserer potenziellen Kunden sowie die Palette an Produktmöglichkeiten. Als Bemessungsgrundlage für die Flächendeckung dienen uns dabei die Mobilfunknetze, die bekanntermaßen nach wie vor zahlreiche Versorgungslücken aufweisen – insbesondere in den ländlichen Gebieten.

VDI nachrichten: Wer sind die Anteilseigner von Televersa und wie erfolgt die Finanzierung des Netzausbaus?

Pfitzner: Die Anteilseigner der Televersa sind die Wochenblatt-Verlagsgruppe sowie Jürgen Pfitzner. Die Finanzierung des Netzaufbaus erfolgt schwerpunktmäßig durch eine hervorragende Eigenkapitalisierung. Eine solche Finanzierung sollte immer im Vorfeld sichergestellt sein. In unserem speziellen Fall wurde die Finanzierung im Zuge der Lizenzvergabe von der Bundesnetzagentur sogar überprüft.

VDI nachrichten: Die Preise für DSL-Komplett – also Grundgebühren plus Flatrates für den DSL- und Telefonanschluss – sind jüngst auf unter 30 € gefallen. Sie liegen mit 32,80 € etwas darüber. Werden Sie beim Preis nachgeben? Wo sehen Sie für die Festnetzanbieter langfristig die Preisuntergrenze?

Pfitzner: Preis und Preiswürdigkeit sind zwei Paar Schuhe. Für den Kunden wird es immer wichtiger zu wissen, welche Leistungen er zu einem bestimmten Preis erwarten darf. Wir werden sinnvolle Mehrwertdienste bieten, die nur auf einem Wimax-Netz darstellbar sind. Details möchte ich noch nicht verraten. Qualität und Kundenservice gehören selbstverständlich dazu. Einen ruinösen Preiskampf werden wir nicht mitmachen.

VDI nachrichten: Triple Play, also das gebündelte Angebot von Telefon, Internet und TV aus einer Hand, womöglich noch erweitert um eine Mobilfunk-Flatrate, gilt derzeit als das Nonplusultra in der Telekommunikationsbranche. Planen Sie ähnliche Angebote?

Pfitzner: Mobilfunk und Mehrwertdienste sind für uns wichtige Themen, die wir verfolgen. Auch IP-TV als Angebot mit regionalen Inhalten beschäftigt uns. Televersa Online wird in den nächsten Monaten mit einigen neuen, überraschenden Netzleistungen in den Markt gehen.

VDI nachrichten: In Ihrem Telefon-Tarifmodell ¿Sparen mit Partnern“ bieten Sie Ihren Kunden 25 % bis 30 % Nachlass. Wie lässt sich das wirtschaftlich darstellen?

Pfitzner: Die Höhe des Nachlasses orientiert sich an den Privatkundenpreisen der Deutschen Telekom. Televersa, unsere für klassische Telefonie zuständige Muttergesellschaft, kann diese günstigen Tarife anbieten dank des hohen Automatisierungsgrads, verbunden mit einer schmalen kundenorientierten Organisation. Hilfreich ist außerdem die Vertriebspartnerschaft mit Banken und Verlagen.

Bei Televersa Online können wir hochattraktive Tarife anbieten, weil wir das Telekommunikationsnetz und die Teilnehmeranschlüsse selber bauen und damit nicht auf die Netzinfrastruktur der Telekom angewiesen sind.

VDI nachrichten: Wie groß ist Ihr Netz?

Pfitzner: Unser Hochgeschwindigkeits-Backbone umfasst in der Region zwischen Freising und Passau inzwischen beachtliche 1000 Netzkilometer. Mit unserer auf Internettechnologie basierenden drahtlosen Anschlusstechnik sind wir heute schon da, wo die Telekom bis 2015 noch hin will. Wir sind schon jetzt wesentlich flexibler und kostengünstiger bei der Bereitstellung von Telekommunikationsdienstleistungen.

VDI nachrichten: Müssen Sie als stark regionalisierter Anbieter ihren Kunden gegenüber ehrlicher sein als Ihre großen, bundesweiten Konkurrenten Telekom, Arcor, 1&1 oder Freenet?

Pfitzner: Absolut, ja. Wenngleich Ehrlichkeit und Fairness unabhängig vom Geschäftsmodell eine Pflichtleistung für jedes Unternehmen sein sollte. So sehr die große Kundennähe unser Vorteil gegenüber den Konkurrenten ist, so sehr erfordert sie aber auch ein größeres Maß an Transparenz im geschäftlichen Umgang.

VDI nachrichten: Sie liegen mit Ihrem Einzugsbereich nahe an München und nahe an der tschechischen Grenze. Wäre eine Ausweitung Ihrer Angebote auf diese Gebiete für Sie denkbar?

Pfitzner: Wir haben keine Wimax-Lizenz für München ersteigert und werden uns sicher erst einmal weiter auf den Netzausbau in unseren angestammten Regionen konzentrieren. Damit will ich aber nicht sagen, dass diese Nachbarschaftsregionen für uns nicht grundsätzlich interessant wären.

VDI nachrichten: Intel hat inzwischen einen Universalchip für die verschiedenen Funktechnologien Bluetooth, WLAN und Wimax angekündigt. Wann rechnen Sie mit den ersten Wimax-Laptops und wann spätestens mit einem Wimax-Funkchip in jedem Laptop?

Pfitzner: Nokia hat bereits für Ende dieses Jahres ein Wimax-fähiges Handy angekündigt. Entsprechend rechnen wir mit den ersten marktfähigen Geräten etwa Anfang bis Mitte 2008.

VDI nachrichten: Wie sind die aktuellen Kundenzahlen und Marktanteile von Televersa?

Pfitzner: Televersa Online hat in den letzten sechs Monaten über 5000 Kunden gewonnen, worauf wir sehr stolz sind. Diese positive Entwicklung unterstreicht eindrucksvoll die Richtigkeit unseres Netzaufbaus. Der Marktanteil der Televersa Online ist damit bezogen auf den Gesamtmarkt in Südost Bayern zwar noch nicht gravierend – wir befinden uns aber auf einem guten Weg. Durch unsere Aktivitäten haben wir in den vergangenen neun Monaten in der Region direkt und indirekt immerhin rund 300 Arbeitsplätze geschaffen. Mit einer Investitionssumme von 60 Mio. € bis 80 Mio. € in den nächsten ein bis zwei Jahren sind wir hier einer der größten Mittelstandsinvestoren.

VDI nachrichten: Wimax gilt als preisgünstige Technik, um Kunden auch in schlecht mit Festnetz versorgten Gebieten mit breitbandigem Internet auszustatten. Trotzdem setzen derzeit nur wenige Netzbetreiber die Technik ein. Bewegt sich da langsam etwas?

Pfitzner: Wir rechnen schon in nächster Zeit mit dem Wimax-Rollout auch von großen Wimax-Wettbewerbern in Deutschland.

VDI nachrichten: Beunruhigt Sie das?

Pfitzner: Nein. Fairer Wettbewerb ist grundsätzlich positiv. Losgelöst davon haben wir durch unseren Netzausbau sicherlich einen Wettbewerbsvorsprung von etwa einem Jahr, den wir nutzen werden. GEORG STANOSSEK

  • Georg Stanossek

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