Software 02.06.2000, 17:25 Uhr

Windows Millennium Edition wird zum Nachfolger von Windows 98

Mit Windows Millennium, dem kleinen „Bruder“ von Windows 2000 zielt Microsoft auf private Anwender. Sie erhalten mehr Spiele-Spaß, aber weniger Sicherheit, als beim Profi-Windows.

Auf private Käufer mit großem Interesse an Multimedia-Anwendungen und Spielen zielt Microsofts Win-98-Nachfolger Millennium-Edition (WME) ab. Hingegen ist Betriebs- und Datensicherheit hier – vor allem im Vergleich zum Profi-System Windows 2000 – als eher nachrangige Aufgabe behandelt worden.
Die Neuentwicklung, so verdeutlichte der zuständige Microsoft-Produkt-Manager Rainer Linder bei der Presse-Präsentation der Beta-3-Version, soll das alte Windows 98, mit dem es viel an Kern-Code und Funktionalität gemein hat, ersetzen. „Doch leider können wir bisher weder zum konkreten Erscheinungstag mehr sagen, als dass dieser noch in diesem Jahr liegen wird“ und auch zu den Preisen konnte Linder noch nichts sagen.
Während bei Windows 2000 vor allem Dinge wie Zuverlässigkeit und gute Verwaltbarkeit, erweiterte Sicherheit und hohe Leistung bei betrieblichem Einsatz im Vordergrund der Entwicklungs-Arbeit gestanden haben, werde WME jetzt auf einfache Handhabung und Vernetzung getrimmt. Wobei laut Linder selbst zwei Rechner und ein Drucker oder – später – der Rechner, der Kühlschrank und die Mikrowelle schon als kleines Heim-Netz angesehen werden. Das System soll ansonsten primär eine Plattform für digitale Unterhaltung werden, die für das Internet sowie für PC-Spiele, also generell für Multimedia-Anwendungen aller Art, optimiert wurde. Linder: „Dementsprechend wird es bei WME auch keinen DOS-Real-Modus mehr geben und auch die bekannten Systemdateien autoexec.bat und config.sys fallen fortan weg. So fährt der Rechner schneller hoch und außerdem haben die Kunden dies zugunsten einfacherer Handhabung so gewollt.“
Optisch kommt WME mit der schon bekannten Windows-2000-Benutzungsoberfläche daher. Heiterkeit erzielte Linder, als er „aussagekräftigere, einfachere Hilfe-Texte“ versprach und eher mit Skepsis dürfte manch ein Anwender darauf reagieren, dass im neuen Hilfe-System Online- und Offline-Quellen nahtlos miteinander verschränkt werden sollen: denn es ist sicher nicht jedermanns Sache, bei Problemen nahezu automatisch an die Web-Seite des Herstellers weitergereicht zu werden. Ähnlich zurückhaltend mag mancher außerdem auf die neuen Auto-Update-Funktionen reagieren, durch die der Rechner, wann immer er direkt am Internet hängt, im Hintergrund automatisch Aktualisierungs-Dateien zum Betriebssystem abruft und sich somit schrittweise verändert. Doch immerhin könne, so verspricht Linders Kollege Alfons Stärk, der Käufer selber entscheiden, ob er die Aktualisierungen installiert haben will oder nicht.
Dem zuverlässigen Betrieb gerade in der Hand von Laien soll ein neuartiger Schutz der System-Dateien dienen, der deren Löschen teils einfach verhindern und teils dafür sorgen soll, dass gelöschte Dateien gegebenenfalls automatisch wieder neu geladen werden. Und da man bei Windows-Produkten ja nicht selten erlebt, dass der Rechner nach Installieren neuer Programme oder Baugruppen nicht mehr korrekt funktioniert, verfügt WME über eine neue Systemwiederherstellungs-Funktion, durch die man z.B. den Zustand von gestern, 15 Uhr wieder einstellen kann: also jenen Zustand des Systems, in dem es noch korrekt gearbeitet hat.
Diese Systemwiederherstellungs-Funktion arbeitet laut Stärk so, dass alle Veränderungen des Systems, die durch einen Anwender oder durch Anwendungsprogramme erfolgen, vom Rechner automatisch-iterativ aufgezeichnet werden und man somit die Möglichkeit hat, das System auf den letzten, bewusst vom Käufer oder auch automatisch vom Rechner definierten Punkt zurück zu setzen.
Zahlreiche Funktionen für das Arbeiten und Spielen mit digitalen Photos, Tönen und Videos unterstreichen den Charakter von WME als Heim- und Unterhaltungs-System. So sei das Importieren von Bildern jetzt einfacher, der Bildaufbau gehe schneller über die Bühne, Klang-Dateien lassen sich von der CD über den PC leichter auf digitale Wiedergabegeräte übermitteln und per Movie-Maker sei es leicht, Videos zu schneiden, zu vertonen und auf dem Rechner abzuspielen. Wenn eine Klang-Datei erst einmal von der CD auf den PC und dann ein Abspielgerät übertragen worden ist, so erläutert Linder, dann erhalte sie vom System automatisch ein digitales Wasserzeichen, das ein zweites Kopieren auf einen Player oder CD-Brenner verhindert.
WME hinterließ bei der Presse-Vorführung einen durchaus ansprechenden Eindruck, wenngleich es zumindest beim demonstrieren der Vernetzungs-Technik noch deutlich klemmte. Doch scheint das neue System, ist es nur erst einmal hinreichend ausgereift, für Privatiers ein attraktives Angebot zu werden, während andererseits selbst Kleinbetriebe sich künftig wohl besser auf Windows 2000 oder gleich Linux einstellen sollten: dort nämlich werden Dinge wie Zuverlässigkeit und Sicherheit deutlich größer geschrieben. Und auch dem Datenschutz wird besser Rechnung getragen, können Zugriffsrechte beim Profi-Windows doch weitaus selektiver vergeben werden, wie Microsoft-Manager Stärk klar hervorhebt. EGON SCHMIDT
Den Microsoft-Produkten im Softwarehandel wird sich bald ein weiteres Paket zur Seite gesellen: Windows Millennium. Als Nachfolger von Windows 98 zögert es die Vereinigung der beiden Windows-Welten noch einmal hinaus.

Windows 2000 gegen Windows Millennium

Eigentlich sollte ja Windows 2000 schon die beiden Windows-Welten – hier Windows 95 und 98, dort Windows NT – zusammen führen. Nun wird Millennium als Nachfolger für Windows 98 die Doppel-Strategie fortsetzen. Für einen Umstieg finden Fachzeitschriften nach Test der Beta-Version kaum einen sinnvollen Grund. Allerdings wird das auch vom Preis abhängen, den Microsoft für sein neuestes Produkt verlangt. jdb

Ein Beitrag von:

  • Jens D. Billerbeck

    Jens D. Billerbeck

    Leiter Content Management im VDI Verlag. Studierte Elektrotechnik in Duisburg und arbeitet seit seiner Schulzeit jounalistisch. Nach Volontariat und Studienabschluss Redakteur der VDI nachrichten u. a. für Mikroelektronik, Hard- und Software, digitale Medien und mehr.

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