Ausspähen vorprogrammiert 04.08.2015, 06:33 Uhr

Windows 10: Datenschützer kritisieren Microsofts Datensammelwut

Kaum ist Windows 10 inklusive neuen Datenschutzbestimmungen auf dem Markt, warnen Datenschützer: Die neue Version des Betriebssystems von Microsoft neigt zum Ausspähen des Nutzers. Doch die User können sich schützen. 

Oberfläche von Windows 10: Kritisch beäugen Datenschützer den Microsoft-Account, der ständig Userdaten an die Microsoft-Server schickt. 

Oberfläche von Windows 10: Kritisch beäugen Datenschützer den Microsoft-Account, der ständig Userdaten an die Microsoft-Server schickt. 

Foto: Microsoft Deutschland/dpa

Mit der Einführung von Windows 10 hat Microsoft die Datenschutzbestimmungen geändert. Ein Schritt, den die European Digital Rights (EDRi) kritisch sieht. Die internationale Vereinigung von Bürgerrechtsorganisationen schreibt: „Man kann sagen, dass Microsoft sich im Grunde sehr weitgehende Rechte einräumt, alles einzusammeln, was Sie mit und auf ihren Geräten tun, sagen und schreiben, um damit mehr zielgerichtete Werbung zu verkaufen oder ihre Daten an Dritte zu verkaufen.“ 

Microsoft-Account als Einfallstor in die Privatsphäre

Ein Einfallstor in die Privatsphäre der rund 14 Millionen User weltweit ist der Microsoft-Account. Sobald sich der User in Windows 10 anmeldet, synchronisiert das Betriebssystem automatisch Einstellungen und Daten mit den Microsoft-Servern. Zu diesen zählen laut Datenschutzbestimmungen der Standort des Gerätes, Favoriten und geöffnete Webseiten, der Webbrowserverlauf sowie Personifizierungseinstellungen wie Hintergrund und Mauseinstellungen.

Windows 10 generiert mit diesen Daten eine sogenannte Werbe-ID. Werbenetzwerke und App-Entwickler können sie nutzen, um Werbung gezielter anzubieten.

User können Datensammeln über Einstellungen verhindern

Microsoft gewährt dem Nutzer aber die Möglichkeit, sich gegen die permanente Datenübertragung zu schützen. Wie, das verrät das Onlinemagazin Chip.de. User sollten erst gar kein Microsoft-Account anlegen, sondern sich über ein lokales Konto anmelden, das Daten nicht nach außen funkt. Bei der Installation von Windows 10 gilt es dann noch, alle Schieberegler in der Privatsphäre auf Aus zu stellen. In der Standardeinstellung sind sie an.

Suchassistent Cortana ist ebenfalls fleißiger Datensammler

Ein zweiter kritischer Punkt ist Cortana: Der digitale Suchassistent kann zwar Fragen wie „Wann fährt der nächste Bus nach Pusemuckel“ beantworten, hat dafür aber auch beachtlichen Datenhunger. Er sammelt Informationen über Kontakte, Standorte, Browserverläufe, Kalendereinträge, SMS und E-Mails.

Terry Myerson, Chef der Microsoft Betriebssystem-Abteilung, bei der Präsentation von Windows 10: Die neue Version ist enger mit Microsoft-Servern verknüpft und ruft Datenschützer auf den Plan. 

Terry Myerson, Chef der Microsoft Betriebssystem-Abteilung, bei der Präsentation von Windows 10: Die neue Version ist enger mit Microsoft-Servern verknüpft und ruft Datenschützer auf den Plan. 

Foto: Microsoft/dpa

Und er beobachtet, was der User sich ansieht und kauft. Für Werbezwecke würden die Daten allerdings nicht genutzt, betont Microsoft. Anders als beim Microsoft-Account ist die Datenübertragung via Cortana auch keine Standardeinstellung. Der User muss sie bewusst aktivieren.

Eher am Rande erwähnen Experten Edge. Der neue Microsoftbrowser sammelt ebenfalls Daten wie Standorte und Suchverläufe, lässt sich aber genau wie Cortana unter den erweiterten Einstellungen relativ einfach zähmen. Zu erwähnen bliebe noch der sogenannte Bitlocker-Wiederherstellungsschlüssel für die Verschlüsselung von Festplatten. Er landet laut neuen Datenschutzbestimmungen automatisch auf dem OneDrive-Konto und somit in der Cloud von Microsoft.

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