Mobilfunk 28.09.2007, 19:30 Uhr

Wenn die Heizung zweimal klingelt  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 28. 9. 07, rb – Auto-Wegfahrsperren, selbst ablesende Heizkörper und Geldautomaten, die eigenständig Füllstände ablesen, sind hierzulande noch Mangelware. Doch schon bis Ende 2010 soll die Anzahl über Mobilfunk vernetzter Objekte die der menschlichen Handynutzer übersteigen. Ein neuer Milliardenmarkt entsteht.

Robin Duke-Wooley, Analyst des Londoner Marktforschungsinstituts Harbor Research, sagt bis 2010 ein weltweites Umsatzpotenzial für vernetzte Produkte von rund 160 Mrd. $ voraus. In der Prognose berücksichtigt sind neben sämtlichen kommunizierenden Geräten von Chips und Sensoren bis zu Servern und Smartphones auch Netzwerkservices, Applikationssoftware und Mehrwertdienste.

Schon heute stehen Alarmanlagen, Verkaufsautomaten, Energiezähler oder Lkw in ständigem Kontakt mit Servern, die entsprechende Steuerungen und Auswertungen vornehmen und an Leitsysteme weitergeben.

Die RFID-Funkchips für die Nahbereichskommunikation hinzugenommen, könnte nach Aussagen von Georg Steimel, Vorstand der Anfang 2007 gegründeten M2M Alliance, tatsächlich so etwas wie das „Internet der Dinge“ entstehen: „Die Rationalisierung von Geschäftsprozessen und die damit verbundenen Kosteneinsparungen bilden für die Industrie und auch für die Gesellschaft ein riesiges Potenzial. Dementsprechend kann auch das Serviceniveau in Deutschland nachhaltig verbessert werden.“

Die M2M Alliance (Machine-to-Machine) mit Sitz in Aachen ist eine offene Initiative für Anbieter und Anwender von Maschine-zu-Maschine-Lösungen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die unterschiedlichen Interessen der Marktteilnehmer zu bündeln, um das viel versprechende Marktpotenzial zu erschließen und die Marktentwicklung voranzutreiben. Dirk Seul, zweiter Vorstand der M2M Alliance, dazu: „Vorrangiges Ziel der Allianz ist es, die Verbreitung der unterschiedlichen M2M-Technologien zu fördern und die zahlreichen Einsatzmöglichkeiten zu kommunizieren.“

Darüber hinaus soll die technische Harmonisierung für M2M-Anwendungen forciert werden. Der Arbeitskreis Technik richtet sich in erster Linie an die Teilnehmer aus der Wertschöpfungskette der mobilen Maschinenkommunikation und treibt die Standardisierung auf Herstellerseite voran.

Steimel positioniert M2M nicht nur als neue Technologie, sondern als Basis für neue Dienstleistungen. Insgesamt werde ein neuer Dienstleistungssektor entstehen: Application Service Providing für Maschinenkommunikation.

Entsprechende Anbieter würden schon in naher Zukunft die M2M-Komponenten zu neuen Anwendungen schnüren. Diese könnten dann beispielsweise im Bereich Energiemanagement Services wie Zählerdatenfernabfrage, Auftragsmanagement, Abwicklung von elektronischem Zahlungsverkehr oder Überwachung von Umweltzuständen komplett aus einer Hand anbieten. „Unternehmen wie Device Insight aus München, die IC3S aus Tangstedt, der Tomtom-Ableger Tomtom Works aus Leipzig oder Itenos aus Bonn sind in diesem Bereich bereits massiv unterwegs“, so Steimel.

Doch bis der M2M-Verkehr frei fließe, sei noch eine ganze Reihe von Hindernissen aus dem Weg zu räumen. Dazu gehören Seul zufolge fehlende Standards und proprietäre Systeme. Beides führe zu fehlender Investitionssicherheit und der Tatsache, dass entsprechende Hardware nicht in Massenproduktion herstellbar sei.

Hinzu komme hoher Integrationsaufwand und damit hohe Preise beim Aufbau von M2M-Applikationen. Demzufolge herrsche noch viel Unkenntnis über die gewinnbringenden Nutzungsmöglichkeiten seitens potenzieller Bedarfsträger, akzeptierte Geschäftsmodelle würden sich nur langsam entwickeln.

Dennoch sind Steimel und Seul zuversichtlich, dass die Nutzenaspekte überzeugen. Erfolgreiche Anwendungen in der Praxis, wenn auch teilweise erst aus den europäischen Nachbarländern, sprächen für sich. So wird in Dänemark heute kein einziges Auto mehr versichert, das nicht mit mit einer Funkplakette für schnelle Ortung ausgestattet ist. Hierzulande wurden im Jahr 2005 rund 42 000 Autos gestohlen, durchschnittlicher Schaden: 285 Mio. €. Aber Automobilindustrie und Versicherungswirtschaft hätten sich bis heute nicht auf ein gemeinsames Vorgehen bezüglich M2M-Lösungen geeinigt.

Wolfgang Steinhardt, Deutschland-Geschäftsführer des Kanadischen Anbieters von M2M-Lösungen für Flottenmanagement Imetrik, kann über Hunderte bestehender Anwendungen z. B. in Großbritannien, Dänemark, Kanada und den USA berichten.

In Deutschland dagegen kämpfe er mit dem Henne-Ei-Problem: „Jeder verlangt vom anderen, dass er den ersten Schritt macht. Darum bleiben Lösungen wie beispielsweise die Imetrik-Lösung Geofence hierzulande immer noch ungenutzt.“

Mittels eines „Geographischen Zauns“ ließe sich genau festlegen, in welchem Radius sich ein Mietwagen bewegen und welche Grenzen er überfahren dürfe. Wenn sich ein Mieter nicht daran hält, wird der Wagen beim nächsten Stopp kaltgestellt, geortet und abgeholt. Mit Einbausätzen zu Preisen zwischen 70 € und 100 €, einmaligen Kosten von 320 € bis 390 € und geringen Folgekosten von 1 € pro Ortung oder 2 € pro Abschaltung könnten Versicherer oder Vermieter manche Fehlnutzung stoppen, so Steinhardt.

Um die Nutzung der Maschinenkommunikation weiter anzukurbeln, bauen die Aachener derzeit eine M2M-Produktdatenbank auf. Das für alle Anbieter offene Informationsmedium soll ab November über die Webseite der Allianz erreichbar sein.

 

Von Konrad Buck

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