Mobilfunk 17.02.2006, 18:42 Uhr

Wenn das Handy Schnupfen bekommt  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 17. 2. 06, jdb – Nicht nur auf PCs treiben Viren, Würmer und Trojaner ihr Unwesen. Auch Handys sind inzwischen betroffen. Während die Antiviren-Anbieter in Anbetracht der Gefahr warnend den Zeigefinger heben, verharmlosen die Handyhersteller das Problem. Besonders die Luftschnittstelle Bluetooth gilt als Einfallstor für die digitalen Plagegeister.

Sie heißen Cabir, Skudoo, Cadmesk und Doomed. Was klingt wie Mittel gegen Rheuma, verursacht bei den Betroffenen eher starke Kopfschmerzen. Das bekamen bei der letzten Leichtathletik-WM in Helsinki auch Handynutzer zu spüren, deren Telefone vom Cabir-Virus per Nahfunk Bluetooth infiziert worden waren. 200 bis 300 Geräte waren betroffen. Gleiches Pech widerfuhr auch schon Besuchern von Live-Konzerten und Fußball-Champions- League-Spielen. Das Unangenehme dabei: Handyviren können das Betriebssystem eines Smartphones lahm legen, wie von Geisterhand Telefonbucheinträge löschen oder unbemerkt teure Verbindungen nach Übersee herstellen.

Via Bluetooth können sich die Schädlinge von Mobiltelefon zu Mobiltelefon verbreiten, wie ein Schnupfen. Deswegen rechnen Experten während der kommenden Fußball-WM mit Epidemien in großem Stil. Antiviren-Spezialist McAfee zählte Ende letzten Jahres 100 verschiedene Handyvirenfamilien, die ihr Unwesen trieben. Die Zahl soll sich in diesem Jahr verdreifachen – immer noch wenig im Vergleich zu den rund 150 000 PC-Viren. Der Grund: Lange Zeit waren Handys geschützt vor Virenbefall, weil sie geschlossene Systeme bildeten. Man konnte mit ihnen lediglich telefonieren oder per SMS kommunizieren.

Erst mit den Smartphones, die E-Mail, Messaging, Spiele und Logos zum Download sowie Bluetooth bieten, kamen die ersten Probleme auf. Dass sich die Verbreitung noch in Grenzen hält, hängt damit zusammen, dass sich die Bedrohungen meist nur durch aktives Zutun des Nutzers weiterverbreiten. Candid Wüest, Sicherheitsexperte im Symantec-Virenforschungszentrum in Dublin: „Insbesondere Anwender, die die Bluetooth-Funktionalität ihrer Handys nutzen, sollten keine ihnen unbekannten Dateien herunterladen“, rät er. Um die Risiken so gering wie möglich zu halten, empfiehlt er Bluetooth nur dann zu aktivieren, wenn es tatsächlich gebraucht wird. Außerdem ist Vorsicht bei Spielen aus Tauschbörsen geboten. Besonders gefährdet sind zudem die Gerätetypen, deren Software Development Kits (SDK) frei zur Verfügung stehen – das sind nicht wenige. Denn mit dieser Art Programmierbaukasten kann jeder, der über entsprechende Grundkenntnisse verfügt, neue Programme für diese Geräte entwerfen – Spiele oder eben auch Viren.

„Auch wenn die Virensituation für Handys derzeit noch nicht kritisch ist, wissen wir aus Erfahrung, dass jedes populäre, verbreitete Betriebssystem eine potenzielle Zielscheibe für Virenschreiber ist“, so Antti Vihavainen, Vizepräsident Mobile Security bei F-Secure. „Wir wollen dafür sorgen, dass der mobile Bereich auch künftig virenfrei bleibt“, so Vihavainen weiter. Niemand würde heutzutage ohne entsprechenden Schutz durch eine Firewall mit einem Laptop im Internet surfen. Diese Regel sollte auch für die neue Generation von Smartphones gelten, die in vielerlei Hinsicht nichts anderes als winzige PCs sind, so Vihavainen. Freilich nicht ganz uneigennützig heben die Antivirenanbieter warnend den Zeigefinger, während die Handyhersteller das Problem eher verharmlosen. „Bei uns sind Handyviren noch kein Thema“, heißt es bei Samsung. Das eigene Betriebssystem sei für Hacker uninteressant. Auch Sony Ericsson winkt ab: „Unsere Modelle P900/910 sind nicht betroffen“, so Stefan Grosch. Das neue P990 verfügt sogar über einen eingebauten Virenschutz.

Mobilfunkunternehmen denken hingegen darüber nach, Trojaner, Viren und Würmer schon in ihrem Netz zu erkennen und deren Verbreitung abzublocken. Die Technik dafür ist schon da: Mit „Lasso“ hat NetOptics eine Lösung entwickelt, die den gesamten Netzwerkverkehr hardwarebasiert überwachen kann. Dabei werden im laufenden Datenverkehr bis zu 1000 Virensignaturen geprüft und gegebenenfalls mit dem elektronischen „Lasso“ eingefangen. Der US-Sicherheitsanbieter Fortinet hat durch die Installation eines ähnlichen Filtersystems bei einem großen deutschen Mobilfunkbetreiber herausgefunden, dass etwa 5 % aller MMS von dem Virus Commwarrior befallen waren.

Antivirenspezialist F-Secure bietet mit Mobile Anti-Virus einen Schutz für Smartphones mit Symbian-Serie-60- sowie Windows-Mobile-Betriebssystem und Konkurrent Symantec eine Kombination aus Virenschutz und Firewall an. Kenner der Szene geben sich eher skeptisch: „Die wollen ja nur ihre tollen Virenscanner verkaufen.“ Denn an der Firmware der Handys könnten die digitalen Plagegeister nichts kaputt machen, da sie nur per Datenkabel geändert werden kann. EDGAR LANGE

Von Edgar Lange
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