Mobilfunk 30.06.2000, 17:25 Uhr

Weltweit erstes GPRS-Netz startet in Deutschland

Im September 2000 beginnt die Vermarktung von GPRS bei T-Mobil. In weiten Teilen der Bundesrepublik funktioniert das weltweit erste Netz dieser Art schon. Doch passende Handys sind noch rar.

Schneller als erwartet hielt T-Mobil Wort: Das GPRS-Netz von D1 ist seit dem 23. Juni nach internen Tests für „freundliche Nutzer“ freigegeben. „Etwa zwei Drittel der Fläche ist bereits versorgt, in wenigen Wochen ist GPRS flächendeckend verfügbar“, betont Bernd Jaensch, Projektleiter GPRS bei der Bonner T-Mobil. Ab Juli werden die ersten Nutzer – Großkunden, Journalisten und potentielle Zielgruppen – zum Test eingeladen und nach ihren Erfahrungen und Meinungen befragt. Erst dann wird die Telekom-Tochter ihre Preise veröffentlichen und mit der Vermarktung der neuen mobilen Datenübertragung nach Art des Internets beginnen.
Erstmals in der Mobilfunktechnik werden mit General Paket Radio Service (GPRS) Datenübertragungen nicht mehr wie bei einer Wählverbindung geschaltet, sondern wie im Internet in kleinen Datenpaketen gesendet. Ein Overlay-Net, neue Software und teilweise neue Hardware in den Basisstationen, mussten für rund 300 Mio. DM im D1-Netz installiert werden. Auf die Sprachkommunikation im Mobilfunk wirkt sich die GPRS-Technik nicht aus. Noch auf lange Sicht, weit über 2010 hinaus, wird Sprache über die heutige GSM-Mobilfunktechnik übertragen werden.
Für die Datenübertragung ist GPRS jedoch der erste große Sprung in Richtung UMTS, denn die Übertragungsgeschwindigkeit geht erstmals über die üblichen 9,6 kbit/s hinaus. Blütenträume von über 170 kbit/s zerstört T-Mobil-Mann Jaensch aber mit Nachdruck: „Das sind die rein theoretisch maximal erzielbaren Geschwindigkeiten, wenn man unverschlüsselt und ohne Fehlerkorrektur sendet!“ Beim von D1 benutzten Coding-Sceme CS2 liegt die effektive Datenrate mit maximal vier nutzbaren Kanälen bei 53,6 kbit/s im Downlink. Nicht so schnell ist der Uplink, also der Datenversand: Hier stehen im Jahr 2000 nur 13,4 kbit/s zur Verfügung.
Nach Abzug der Datenmengen, die für Header und Signalisierung erforderlich sind, rechnet T-Mobil mit Datenraten von 40 kbit/s. „Es gibt keine absolute Wahrheit“, gesteht Jaensch. Wie im Internet, wird sich auch die Belastung der Server auswirken. Erst später sollen Datenraten von 100 kbit/s erreichbar sein.
Noch beschränkt ist auch die Leistungsfähigkeit der ersten GPRS-Handys, die Motorola liefern wird. Die Timeport-Modelle, die äußerlich den bekannten Triband-Handys gleichen, können im Downlink nur 26,8 kbit/s abrufen. Schon im vierten Quartal 2000 wird es aber Endgeräte mit doppelter Leistung geben, kündigte T-Mobil an. Die ersten Handys für die friendly user kommen um ein Software-Upgrade beim Hersteller nicht herum.
GPRS bringt neue Möglichkeiten für die Tarifierung von Datendiensten mit sich. Vor allem WAP wird davon profitieren, denn zum ersten Mal zählt nicht mehr die Zeit, die man beim Warten auf die Antwort des WAP-Servers verbringt, sondern die abgerufene Datenmenge.
„Eine typische WAP-Session wird mit GPRS deutlich günstiger“, verspricht GPRS-Projektleiter Jaensch. Die Preise sind offenbar noch nicht festgelegt, wie hartnäckiges Fragen zu Tage förderte. Immerhin dürfen D1-Kunden voraussichtlich mit drei Tarifmodellen rechnen: In einer monatlichen Pauschale ist die übertragene Datenmenge bereits enthalten – eine mobile Flatrate also. Denkbar ist auch ein Tarif, in dem nur die Datenmengen berechnet werden. Oder eine Always-on-Funktion, in der die Daten nur in geringer Geschwindigkeit ins Handy bzw. das angeschlossene Notebook reisen, wenn das Mobilfunknetz freie Kapazitäten hat. Wer sich einmal einschaltet, kann so tagelang online bleiben – wenn der Akku mitmacht.

„Die typische WAP-Session wird mit GPRS deutlich günstiger“

Auch wenn GPRS gern als ständige Online-Verbindung apostrophiert wird: Always on“ ist das Endgerät nicht zwangsläufig. Wie bei WAP oder einer Datenübertragung muss die Verbindung hergestellt werden. Im Gegensatz zu der heutigen Mobilfunktechnik dauert diese Prozedur aber nur noch zwei bis drei statt 20 s bis 30 s. Wird die Verbindung – etwa bei der Fahrt durch einen Tunnel – kurzfristig unterbrochen, baut sie sich selbständig wieder auf. Der E-Mail-Server und das Mobilfunknetz wachen darüber, dass auf dem Funkweg keine Daten verloren gehen. Das gilt auch, wenn ein Gespräch die Datenübertragung unterbricht. Da Sprache und Daten noch nicht parallel gefunkt werden können, wird der Datenkanal nach dem beendeten Gespräch wieder geöffnet.
Nach dem Handy Timeport P7389i plant Motorola weitere interessante GPRS-Geräte: Eventuell schon Ende 2000, spätestens aber im ersten Quartal 2001 kommt das Modell A.002 auf den Markt. „Das ein Organizer mit Tastatur, Farbbildschirm und einer Freisprecheinrichtung“, beschreibt GPRS-Marketing-Manager Rainer Lischetzki von Motorola das Triband-Gerät.
Anfang 2001 kommt die zweite Generation von GPRS-Handys auf den Markt. Das P270 ist für die schnelleren Datenraten ausgelegt und glänzt mit RS232-Schnittschnelle, Universal Serial Bus und Infrarot-Zelle. Es kann mit einem Bluetooth-Modul zum schnellen Anschluss von Notebooks und anderen Geräten aufgerüstet werden. Zwei weitere Handys mit Triband-Technik für 900 MHz, 1800 MHz und 1900 MHz sollen die Handy-Palette abrunden. FRIEDHELM WEIDELICH
Monopoly via Handy: Interactives Spielen und Lernen sind nur zwei von vielen datenintensiven Anwendungen, die mit GPRS-Technik möglich werden.
Langsam größere Geschwindigkeiten: Wo heute noch von Handys aus mit müden 9,6 kbit/s gefunkt wird, sollen es in wenigen Monaten immerhin 53,6 kbit/s im Downlink und 13,4 kbit/s im Uplink sein.

Ein Beitrag von:

  • Friedhelm Weidelich

    Technikjournalist Friedhelm Weidelich schreibt seit vielen Jahren über Verkehrsinfrastruktur, Eisenbahnen und Fahrzeugbau für verschiedene überregionale Zeitungen, Online-Medien und Fachmagazine.

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