IT/Elektronik 01.03.2013, 17:00 Uhr

Weltenbummler und Virenexperte im Frankenland

Es gibt Menschen, die sich gern in den Vordergrund drängen und mit ihrer Extrovertiertheit nerven. Diplom-Ingenieur (FH) Detlef Schnelle (59) gehört nicht dazu. Das nordische Understatement seiner ursprünglichen Heimat hat der sympathische Ingenieur verwoben mit einer Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit, wie sie im Frankenland zu finden ist. Bei der Datev in Nürnberg ist er Softwareentwickler im Bereich IT-Sicherheit. Eines seiner Leitmotive ist: „Technik ist die Anstrengung, Anstrengungen zu ersparen.“

Datev wurde 2013 zum zweit besten Arbeitgeber im IT-Bereich gekürt. Detlef Schnelle, der als Softwareentwickler für Datev arbeitet, weiß die Vorzüge des Unternehmens zu schätzen.

Datev wurde 2013 zum zweit besten Arbeitgeber im IT-Bereich gekürt. Detlef Schnelle, der als Softwareentwickler für Datev arbeitet, weiß die Vorzüge des Unternehmens zu schätzen.

Foto: DATEV eG

Am Südrand der Heide erblickte Detlef Schnelle im Februar 1954 das Licht der Welt. Hohne, so der Name des kleinen Ortes in der Nähe von Celle, war Erdölfördergebiet. „Im Deutschen Museu in München kann man sogar eine der Ölpumpen aus Hohne finden“, sagt Schnelle. Dass es letztendlich doch ein anderer „Stoff“, nämlich die Bits und Bytes wurden, die den zweifachen Vater in den Bann zogen, hat verschiedene Ursachen.

Schnelle machte nach der Realschule zunächst eine Ausbildung zum Elektromechaniker bei AEG-Telefunken in Hannover und war dort für die Entwicklung, Fertigung und Wartung von Prüfmitteln für die Fernsehproduktion zuständig. Zudem absolvierte er ein Studium am DAG-Technikum in Würzburg als staatlich geprüfter Techniker für Elektrotechnik und holte sein Fachabitur an der Fachoberschule in Celle nach. Aber Schnelle reichte das nicht. „Ich hatte immer das Gefühl, nicht genug zu wissen. Ich gehe den Dingen auf den Grund“, sagt er.

Schnelle entschloss sich daher, ein Studium aufzunehmen, um besser die beginnende Automation in der Fertigungs- und Prüfungstechnik nicht nur bei Telefunken zu verstehen. „Zunächst hatte ich mir eigentlich eine Perspektive als Hardware-Entwickler vorgestellt“, sagt Schnelle. Aber ein Aufenthalt in Salt Lake City in den USA gab den Impuls für eine andere Richtung.

Im Rahmen seines Studiums an der Georg-Simon-Ohm Fachhochschule in Nürnberg mit der Richtung Elektrotechnik/Datentechnik hatte Schnelle die Gelegenheit, über die Carl Duisberg Gesellschaft ein Praktikum bei der Norton Christensen MWD (Measurement While Drilling) in Salt Lake City zu machen. Dieses Unternehmen kannte Schnelle, weil es in Celle einen Standort hatte. Am Hauptstandort in Salt Lake City gab es eine Abteilung, die sich damit beschäftigte festzustellen, wo sich die Diamantbohrköpfe unter Tage befinden. „In Offshore-Plattformen wird ja nicht nur gerade heruntergebohrt, sondern es wird in die Breite gebohrt. Es werden tatsächlich Bögen gebohrt, um diese Ölfelder optimal zu erschließen“, erklärt Schnelle. Es sei natürlich dann wichtig zu wissen, wo sich das Bohrgestänge mit dem Bohrkopf befindet.

Deshalb habe die amerikanische Firma den Bohrköpfen Sonden nachgeschaltet. „Die haben dann über Magnetfeldmessungen und Lagemessungen herausgefunden, wo sich der Bohrkopf befindet, und diese Daten über Schwankungen im Druck des Schlammes nach oben gemeldet.“ Schnelle war davon fasziniert und zögerte nicht lange, als man ihm anbot, selbst ein kleines Programm zu diesem Zweck zu schreiben. „Das war dann der Schwenk von der Hard- zur Software.“ Er schrieb ein Testprogramm in Basic für ein Anzeigegerät, das die Position des Bohrkopfs unterhalb der Bohrplattform anzeigte.

Schon bei Telefunken kam Schnelle viel in der Welt herum, Japan, Syrien, Schottland und Mailand waren die ersten Stationen. Und seine erste Festanstellung nach dem Studium bei der Schering AG sollte ihn erneut nach Salt Lake City führen. Auftraggeber war ein taiwanisches Unternehmen, das eine Leiterplattenproduktion in den USA aufbauen wollte. Schnelle hatte keine Seminare zur interkulturellen Kompetenz, wie sie heute Mode sind. Er musste sich allein zurechtfinden. Angesprochen auf die Unterschiede, erklärt er, in den USA sei man schnell in Projekte integriert. Allerdings habe er erlebt, dass es dann schwierig werden könne und „unter dem Tisch getreten werde“.

Und da kommt auch die Datev ins Spiel. Schnelle schätzt die Kollegialität im Unternehmen, den Umgang mit Mitarbeitern, die „außergewöhnlich guten Weiterbildungschancen“. Seit 1998 ist er im Unternehmen, das den zweiten Platz als „Bester Arbeitgeber in der IT 2013“ von Great Place to Work bekommen hat. „Meine Lebenssituation hatte sich geändert, ich hatte Familie, ich wollte nicht mehr so viel unterwegs sein. Und auch meine Frau wollte berufstätig sein, das muss man dann vereinbaren können“, sagt Schnelle.

Seine Frau, die Technikredakteurin bei der Datev ist, hat ihn schließlich überzeugt, sich bei dem Nürnberger Unternehmen zu bewerben. Bereut hat er es nicht. Und obwohl die IT-Branche überspitzt gesagt den Ruf hat, nichts für Menschen ab 40 Jahren zu sein, hat sich Schnelle bei der Datev immer wohlgefühlt. Der Altersdurchschnitt bei der Genossenschaft liegt bei etwa 45 Jahren, entspricht also auch eher einem „normalen“ industriellen Unternehmen. „Softwareentwicklung ist eine Art Handwerk, man benötigt gewisse Grundfertigkeiten und Kenntnisse. Ich habe schon mit Softwareentwicklern zusammengearbeitet, die vorher Geologen waren“, sagt Schnelle.

Das Produkt, mit dem sich Schnelle und seine sechs anderen Teamkollegen beschäftigen, gehört nicht eigentlich zum Datev-Kerngeschäft. Sie arbeiten am Virenschutz/Zusatzpaket. Die Datev hat einen Vertrag mit einem amerikanischen Anbieter und Schnelle und Co. integrieren die Scannersoftware in die Datev-Landschaft. Er genießt dabei einen hohen Grad an Selbstständigkeit und die immer gegebenen Möglichkeiten sich weiterzubilden. „Mich interessiert, wie die Sachen funktionieren, das war immer die Triebfeder meiner Weiterbildung“, sagt Schnelle.   C. BURGER

Ein Beitrag von:

  • Claudia Burger

    Claudia Burger

    Redakteurin VDI nachrichten
    Fachthemen: Karriere, Management, Arbeitsmarkt, Bildung, Gesellschaft, Arbeitsrecht

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