AUCH BUNDESTAG BETROFFEN 08.01.2015, 10:44 Uhr

Webseite der Bundeskanzlerin sabotiert

Eine pro-russische Gruppe aus der Ukraine hat sich zu dem Angriff auf die Internetseiten des Bundestages und der Bundeskanzlerin bekannt. Mit einer gezielten Überflutung der Server wurden die Seiten lahmgelegt. Inzwischen sind sie wieder erreichbar.

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk und Bundeskanzlerin Angela Merkel im Mai 2014 bei einem Treffen im Bundeskanzleramt. Am heutigen Donnerstag ist erneut ein Gespräch vorgesehen – zum Ärger der pro-russischen Gruppe CyberBerkut. Sie hatte gestern die Webseite der Bundeskanzlerin und des Bundestages attackiert. 

Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk und Bundeskanzlerin Angela Merkel im Mai 2014 bei einem Treffen im Bundeskanzleramt. Am heutigen Donnerstag ist erneut ein Gespräch vorgesehen – zum Ärger der pro-russischen Gruppe CyberBerkut. Sie hatte gestern die Webseite der Bundeskanzlerin und des Bundestages attackiert. 

Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Die Aufmerksamkeit, die sie wollten, haben sie bekommen: Die Gruppe CyberBerkut, die pro-russisch ausgerichtet ist und die gewählte ukrainische Regierung bekämpft, hat es mit einer gezielten DDOS-Attacke geschafft, die Internetauftritte der Bundeskanzlerin und des Bundestages fast einen ganzen Tag lang lahmzulegen.

Die Methode war so einfach wie wirkungsvoll: Mit einer Unmenge Anfragen wurden die Server so lange bombardiert, bis sie völlig überlastet waren und den Dienst einstellten. Die in vielen Medien als „Hackerangriff“ bezeichnete Attacke war also in Wirklichkeit kein Vorstoß in die Systeme – aber eine massive und erfolgreiche Sabotageaktion.

BSI soll mehr Möglichkeiten bekommen

In jüngster Zeit häuften sich bereits Berichte über Angriffe auf Webseiten von Kanzleramt und Ministerien in Berlin. Erst im November hat das Bundesamt für Verfassungsschutz die Zahl von täglich 3000 Cyberangriffen auf die Bundesregierung genannt und vor erheblichen Gefahren gewarnt, die vor allem von ausländischen Geheimdiensten ausgingen. 

DDOS-Angriff: Mit einer Unmenge Anfragen wurden gestern die Server im Kanzleramt so lange bombardiert, bis sie völlig überlastet waren und den Dienst einstellten.

DDOS-Angriff: Mit einer Unmenge Anfragen wurden gestern die Server im Kanzleramt so lange bombardiert, bis sie völlig überlastet waren und den Dienst einstellten.

Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Nach der Aktion der ukrainischen Gruppe werden nun wieder Forderungen nach mehr Sicherheitsmaßnahmen laut. Gegen gezielte Überlastungsaktionen ist allerdings kaum ein Kraut gewachsen, weil die Kapazitätsgrenzen der Server einfach irgendwann erreicht sind. Was hilft, ist nur das schnelle Aufdecken des Angriffs. Nachdem das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) über die Attacke auf die Seiten von Kanzlerin und Bundestag informiert war, dauerte es denn auch nur wenige Stunden, bis die Server wieder liefen. Politiker fordern nun, die technischen und personellen Möglichkeiten der Behörde weiter auszubauen.

Deutschland gewährt Ukraine Kreditgarantien

Die Gruppe CyberBerkut bekannte sich sofort zu dem Angriff. Die Aktion soll ein Protest sein gegen die finanzielle Unterstützung, die Deutschland der ukrainischen Regierung gewährt. Ministerpräsident Arseni Jazenjuk habe einen blutigen Bürgerkrieg ausgelöst, der bereits tausende Menschenleben gekostet habe, heißt es auf der Webseite der Gruppe.

Jazenjuk hatte am Mittwoch bei Bundespräsident Joachim Gauck um weitere finanzielle Unterstützung geworben und trifft sich heute in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Rahmen des Besuchs wurde im Bundeswirtschaftsministerium eine Vereinbarung unterzeichnet, die der Ukraine neue Kreditgarantien über 500 Millionen Euro gibt. Sie sollen in Aufbauprojekte in der Ostukraine fließen. Pro-russische Kräfte sehen darin eine direkte Unterstützung des militärischen Kampfes gegen die Separatisten in der Region.

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