Internet 19.04.2002, 17:33 Uhr

Web-Telefonie via Breitbandkabel

Telefonieren über das Internet – das war mit ISDN eine ruckelige Angelegenheit. Mit den Breitbandkabel-Diensten, die zugleich TV, Internet und Telefonie anbieten, ändert sich das. „Europaweit als Erster“, so meldete der Magdeburger City-Carrier MDCC, biete er Telefonie via Internet auch für Privatkunden an.

MDCC versorgt in Magdeburg 25 000 Haushalte mit Breitbandkabel-Anschluss. Auch ish, ehemals „Kabel NRW“, bietet seinen Kunden Telefonie via Internet – zumindest theoretisch. Jüngst musste ish Probleme beim Netzwerkausbau einräumen und hat eingestanden, dass es gerade bei der Einrichtung von Voice over IP hinter dem Zeitplan herhinkt.
Voice over Internet-Protocol, kurz VoIP genannt, hat durchaus seine Tücken, denn das Internet versendet Daten als Päckchen und ist nicht für eine kontinuierliche Übertragung ausgerichtet. Folge: Im Gespräch entstehen durch die zeitversetzte Übermittlung Lücken. Die technischen Probleme können zwar inzwischen größtenteils als gelöst betrachtet werden – auf der Messe ANGA Cable vom 23. bis 25. April in Köln wird es Beispiele geben – aber noch hat sich kein System in einer breiten Anwendung unter Alltagsbedingungen bewähren können.
VoIP hat echte Kostenvorteile, besonders bei Ferngesprächen: So fallen nur die Gebühren bis zum Internet-Einwahlknoten des Providers an, in der Regel also Ortstarife. Das lohnt sich, selbst wenn man die Zugangsgebühren des Providers hinzurechnet.
Größtes Hindernis für VoIP ist allerdings, dass der Ausbau der 20 Jahre alten TV-Breitbandkabel aus Kupfer für Internet- und Telefon-Nutzung seit dem Scheitern des Liberty-Geschäftes stagniert – manche Fachleute fürchten, es komme nie dazu. Um die entsprechende Rückkanal-Fähigkeit und das nötige Tempo ins Kabel zu bringen, muss deren Kapazität von 450 MHz auf 862 MHz gesteigert werden. Ish hat das in mehreren Ballungsräumen NRWs bereits getan, so in Düsseldorf, Neuss, Teilen von Köln und Bochum in Baden-Württemberg wird das Kabel bis zum Sommer zunächst in Ludwigsburg aufgerüstet. In den neuen Bundesländern, wo MDCC als Anbieter auftritt, sind nach der Wende ohnehin moderne Glasfaserkabel verlegt worden.
John Malones US-Firma Liberty Media hatte bekanntlich den Großteil der übrigen Telekom-TV-Kabelnetze kaufen, aber zunächst nicht in die Aufrüstung der alten Kabel investieren wollen. Die Regulierungsbehörde ihrerseits wollte den Kauf nur gestatten, wenn die Konzentration auf dem TV-Kabelmarkt auf der anderen Seite das Beinah-Marktmonopol der Telekom bei der Festnetztelefonie durchbrochen hätte. Johannes Janssen von ish Baden-Württemberg schätzt, dass VoIP via Breitbandkabel der Telekom 10 % bis 20 % des Festnetz-Marktes abnehmen könnte und dass von den breitbandverkabelten Haushalten jeder dritte auf VoIP umsteigen werde. Doch Liberty weigerte sich, die Kabel telefoniefähig zu machen der Kabel-Deal scheiterte.
Callahan, die U.S.-Firma, die hinter ish steht, hat anders als Liberty beim Erwerb von Breitbandkabelnetzen in Europa von vornherein darauf gesetzt, neben dem Fernsehen auch Telefonie und Internet möglich zu machen. Bei ONO, wie Callahan in Spanien heißt, nutzen laut Firmenangaben sieben von zehn Kunden neben TV mindestens einen der weiteren Breitband-Dienste.
Wo VoIP via Breitbandkabel wirklich funktioniert, müssen sich Kunden zum Telefonieren natürlich nicht an den Computer begeben. Sie können ihre analogen oder digitalen Telefone weiterverwenden, und erst der Provider schaltet, unbemerkt vom Kunden, das Gespräch auf sein IP-Netzwerk.
Überzeugungsarbeit leisten die Kabel-Carrier bei ihren potentiellen Kunden mit dem Kostenargument. MDCC geht zum Beispiel voran mit einem Grundpreis von monatlich 11,50 # und einem Tarif, der im günstigsten Fall – nämlich innerhalb des MDCC-Netzes – bei null Cent liegt. Ish lockt mit Grundgebühren von 12,30 # und Gesprächstarifen ab einem Cent.
  THOMAS FINKEMEIER

Von Thomas Finkemeier
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