Internet 22.09.2000, 17:26 Uhr

Vorsicht vor dem Rat der „Experten“

Bereicherung auf Kosten anderer.

Die US-Bundespolizei FBI schaltete schnell. Knapp eine Woche nach dem manipulierten Kurseinbruch der Emulex-Aktie an der New Yorker Nasdaq klickten die Handschellen. Mark Simeon Jakob war den Ordnungshütern von Los Angeles ins Netz gegangen. Er wird verdächtigt, mit einer gefälschten Presseinformation zur Lage von Emulex im großen Stil Geld gescheffelt zu haben. Nach Angaben des FBI hat der Mitarbeiter des Nachrichtendienstes „Internet Wire“ umgerechnet fast 545 000 DM eingeheimst.
Seine fingierte Pressemitteilung schlug an der Wall Street ein wie eine Bombe. Verstärkt wurde die Wirkung dadurch, dass die beiden großen Nachrichtendienste Bloomberg und Dow Jones die „Neuigkeit“ in ihr Angebot aufnahmen. Schnell war überall zu lesen, dass Emulex ihr Quartalsergebnis von Gewinn auf Verlust revidiert habe und Chef Paul Folino zurückgetreten sei. Das Ergebnis: Der Emulex-Börsenwert stürzte zwischenzeitlich um mehr als 2 Mrd. Dollar ab. Die Aktie erholte sich erst nach einer Handelsaussetzung und dem wütenden Dementi des Unternehmens.
Anlegern, die zu stark fallenden Kursen ihre Anteile verkauft hatten, nutzte das nichts mehr. Viele hatten bereits beim Kauf der Papiere „Stop-Loss-Aufträge“ erteilt. In diesem Fall tritt ein Computer-Programm in Aktion und verkauft die Titel, sobald der Kurs unter einen bestimmten, vorher definierten Wert fällt. Grundgedanke dabei ist, Verluste auf diese Weise zu begrenzen. Nutznießer war Jakob. Nachdem sich der Wert der Emulex-Titel in den Keller verabschiedet hatte, kaufte er zu den niedrigen Einstiegskursen. Als sich Emulex nach dem Dementi des Vorstandes wieder erholte, konnte er einen stattlichen Gewinn verbuchen. Die Polizei sorgte aber dafür, dass die Freude des 23-jährigen nicht lange währte.
Sind solche Kursmanipulationen via Internet nur in den USA möglich? Keineswegs. Erst vor einigen Monaten gab es beim deutschen Discountbroker Consors Aufsehen. Ein Chat-Board-Mitglied hatte über die angeblich revolutionäre Lasertechnologie eines Unternehmens am Neuen Markt berichtet, das kurz vor der Einführung stehe und gigantische Gewinne verspreche. Der Autor bezeichnete sich selbst als Analyst bei der WestLB, der an einer Studie über das Unternehmen arbeite.
Alles Unsinn, wie sich glücklicherweise rasch herausstellte. Die Absicht des Cyber-Betrügers aber war eindeutig: Mit seinen erfundenen Informationen wollte er die Chat-Gemeinde im Internet von der goldenen Zukunft des betreffenden Unternehmens überzeugen, Investoren zum Kauf der Aktie animieren und auf diese Weise den Kurs in die Höhe treiben. Er selbst hatte sich vermutlich zuvor zu niedrigen Kursen mit den Titeln versehen und hätte – wenn alles nach Plan verlaufen wäre – satte Gewinne einstreichen können.
Dieses Vorgehen ist kein Internet-Spaß, sondern nach deutschem Recht schlicht kriminell. „Nach § 88 Nr. 2 des Börsengesetzes macht sich strafbar, wer zur Einwirkung auf einen Börsenpreis sonstige auf Täuschung berechnete Mittel anwendet“, erklärt Klaus-Dieter Benner, hessischer Staatskommissar für die Börsenaufsicht. Problem ist nur, dass es in Deutschland keine Legaldefinition des Begriffes „Kursmanipulation“ gibt und auch kaum Entscheidungen von Gerichten hierzu vorliegen. „Reine Empfehlungen oder Meinungsäußerungen sind grundsätzlich nicht strafbar“, heißt es bei der Börsenaufsicht. Wenn dies so wäre, würde dies den Aktienmarkt schlechthin in Frage stellen. Es vergeht kein Tag, an dem nicht wirkliche Finanzfachleute guten Gewissens und in bester Absicht ihre Meinungen zu Unternehmen veröffentlichen. Unfehlbar aber sind auch sie nicht. Selbst große Banken und Analystenhäuser liegen mit ihren Meinungen oft meilenweit auseinander, etwa wenn es um die zukünftige Entwicklung einschlägiger Börsenindizes geht. Dabei liegen ihren Entscheidungen oft die selben Rahmendaten zugrunde, nur kommen sie zu unterschiedlichen Interpretationen.

Strafverfolgungsbehörden auf Mithilfe der Bürger angewiesen

Sollten Anleger persönlich zu der Auffassung gelangen, es handele sich um eine Straftat, empfiehlt die hessische Börsenaufsicht den Gang zur Staatsanwaltschaft oder zum Bundeskriminalamt. Börsenexperten sind sich darüber im Klaren, dass das Internet aufgrund seiner spezifischen Gegebenheiten systematisch nur schwer kontrolliert werden kann. Aus diesem Grund sind die Strafverfolgungsbehörden wie so oft auf die Mithilfe der Bürger angewiesen. „Nach Möglichkeit sollten Angaben, wie die Wertpapierkennnummer des betroffenen Wertpapiers, das Board oder die News-Group etc., gemacht werden können“, empfiehlt die Börsenaufsicht. Informationen darüber, wann die Falschmeldung eingestellt wurde, sowie möglichst eine Kopie der Falschmeldung oder des betrügerischen Angebots mit Header erleichtern zusätzlich die Arbeit von Staatsanwaltschaft und Polizei.
Dennoch gibt es vor Manipulationen über das WWW keinen 100-prozentigen Schutz. Wer an Chat-Foren und Diskussionsrunden im Internet teilnimmt, muss wissen, dass er hier oft Meinungen von anderen Teilnehmern liest und keine neutralen Informationen aus gesicherter Quelle erhält. Wenn tatsächlich „neutrale Informationen“ geliefert werden, wie zum Beispiel Ad-hoc-Meldungen, so sollte man immer die Quelle überprüfen. Dies kann etwa die Deutsche Gesellschaft für Ad-hoc-Publizität mbH oder die Homepage des Emittenten sein. JÜRGEN ACKERMANN

Von Jürgen Ackermann
Von Jürgen Ackermann

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