Internet 12.10.2001, 17:31 Uhr

Von der Parkbank ins Internet

Die Wireless-LAN-Technologie schickt sich an, den Internet-Zugang für Reisende so einfach zu machen wie im Büro oder zu Hause. Die Telekom-Provider wittern eine neue Rendite-Quelle.

Viele Manager verbringen während der Arbeitszeit mehr Stunden in Verkehrsmitteln, in Wartesälen oder in Hotels als an ihrem Schreibtisch. Doch wegen ihrer Arbeitsbelastung können sie diese Stunden nicht ungenutzt verstreichen lassen. Der Geschäftsführer, der auf dem Laptop an einer Präsentation feilt, während er auf einen Anschlussflug wartet, ist schon ein vertrautes Bild. An E-Mail und Informationen aus dem Internet zu kommen, gestaltete sich bislang schwierig. Zwar gibt es in den Lounges vereinzelt Arbeitsplätze, die es erlauben, den eigenen Rechner einzustecken, doch insgesamt ist die Ausstattung eher rudimentär.

Das könnte sich rasch ändern. Denn mittlerweile hat die Wireless-LAN- (WLAN-) Technologie das Stadium des Ausprobierens hinter sich. Weil lizenzfrei, relativ breitbandig und billiger als mögliche Alternativen, bietet sie sich als Vernetzungsalternative für Orte an, wo ohne Bindung an einen Arbeitsplatz gesurft werden soll. Für die Bluetooth-Technologie dagegen gibt es noch zu wenige Endgeräte. Dem zum Trotz arbeiten der Bluetooth-Spezialist Red-M und BT Ignite an einer Bluetooth-Lösung für die britischen Bahnen.

Potentielle Standorte für Wireless Hotspots gibt es viele: Ob Innenstädte, Hotelhallen oder Wartesäle auf Flughäfen. Tatsächlich laufen in allen diesen Bereichen erste Aktivitäten. So arbeitet die Aachener Firma Elsa mit Accom, dem Aachener Stadtnetzprovider zusammen. Entstehen soll ein WLAN im Aachener Stadtzentrum. René Nitzinger, Marketing Manager WLAN bei Elsa: „Wir haben eine Lösung entwickelt, die Authentisierung, Billing und Accounting so abwickelt, wie es für solche Anwendungen ideal ist.“ Startet der Anwender seinen Browser, muss er sich erst mit Benutzername und Passwort beim Betreiber anmelden, bevor er ins Web kann. Die Elsa-Software interagiert dann mit dem Accounting- und Billing-System des Betreibers. Für die Sicherheit garantiert ein Radius-Server.

Nokia, zusammen mit Sonera in Sachen WLAN auf finnischen Flughäfen aktiv, liefert den Kunden des Providers, die den WLAN-Dienst beanspruchen wollen, eine spezielle PCMCIA-WLAN-Karte. Sie enthält einen SIM-Chip mit derselben Kennung, die auch der SIM-Baustein im Mobiltelefon des Anwenders trägt. Loggt er sich im WLAN ein, wird diese Nutzung automatisch über die Telefonrechnung abgerechnet.

Andere Anbieter, die sich besonders auf Flughäfen konzentrieren, sind die schweizerische Monzoon und 3Com. Monzoon hat sich viel vorgenommen. „Wir verwenden einen selbst entwickelten Access Point mit einem integrierten Unix-Server und wickeln den Datenverkehr zum Teil über ein eigenes Netz ab“, erklärt Jens Brandes, Chief Operating Officer des Unternehmens, die Philosophie seiner Firma. Allerdings überzeugt sie nicht allenthalben. So konnte 3Com mit seinen komplett standardbasierten Produkten den Flughafen Genf gewinnen. „Dort will man keine proprietäre Variante“, sagt Claus Winhard, Senior Network Consultant Business Development.

Mittlerweile sind auch einige zukünftige UMTS-Provider ins Rennen um den Wireless-Hotspot-Markt eingestiegen: Mobilcom betreibt einen Pilotversuch, will aber nicht sagen, wo und mit welchem Equipment. Wahrscheinlich stammt es von Cisco, da der Hersteller auch sonst mit der Firma zusammenarbeitet. Telefonica hat Iobox gegründet, ein Unternehmen, das sein Geld mit neuartigen drahtlosen Diensten verdienen will, aber auch Hotspots einrichtet, zum Beispiel im Münchner Vierjahreszeiten oder im Hamburger Hotel Steigenberger. Nach Meinung des Marktforschungsunternehmens Datacomm tun die Provider damit das Richtige. Denn Wireless Hotspots seien eine signifikante, schnell verfügbare Einkommensquelle, da sich dort viele Intensiv-Surfer aufhielten, die große Datenmengen herunterladen. Zudem bildeten sie eine ideale Ergänzung zu den überregionalen 3G-Netzen, denn Wireless LANs sind wegen ihrer Technik nicht geeignet, ganze Landstriche auszuleuchten. ARIANE RÜDIGER

UMTS, WLAN und Bluetooth im Vergleich

Alternative Hotspot-Techniken

UMTS: Mobilfunknetz der 3. Generation, derzeit beginnt der Aufbau. Endgeräte noch nicht verfügbar. Lizenzpflichtig, zellbasierend, gedacht als Nachfolger heutiger Mobilnetze. Für die Integration in Innenräume voraussichtlich zu teuer. Funkt im Bereich 1900 bis 1980 MHz (Uplink) und 2110 bis 2180 MHz (Downlink). Unbegrenzt Roaming-fähig. Überträgt Sprache und Daten. Bandbreiten: nominell bis 2 Mbit/s, real 384 bis 128 kbit/s. Anwender teilen sich die Bandbreite einer Zelle.

WLAN: Wireless LAN nach IEEE 802.11b. Drahtlose Variante heutiger Ethernet-LANs und damit kompatibel. Frequenz: 2,4 GHz, lizenzfrei. Geschwindigkeit 11 Mbit/s nominell, real 4 bis 5 Mbit/s. Roaming begrenzt. Eine neue Standardvariante (802.11a, 54 Mbit/s, 5-GHz-Frequenzband) kommt in Europa evtl. schon im nächsten Jahr auf den Markt. Infrastruktur: Access Points und Steckkarten für PCs/Laptops. Weitere Endgeräte nicht erforderlich. Praktisch erprobt und relativ preisgünstig. Schwache Punkte: Sicherheit, keine Dienstgüte-Mechanismen implementiert, für Sprachübertragung sind Zusatzlösungen nötig.

Bluetooth: Kurzstrecken-Übertragungsstandard (bis 10 m), Frequenz: 2,4 GHz, Geschwindigkeit: 723 kbit/s down- und 57,6 kbit/s upstream. Bis zu acht Geräte (ein Master, bis sieben Slaves) bilden ein Piconet. Verschiedene Profile, die unterschiedliche Dienste erlauben, u. a. auch Sprache über bis zu drei ISDN-Kanäle. Wenig Endgeräte verfügbar, Chips sind teuer (30 Dollar/Stück). Vorteil: Sicherheit. ar

Von Ariane Rüdiger
Von Ariane Rüdiger

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