Informationstechnologie 04.12.1998, 17:20 Uhr

Vom Hausnotruf zum virtuellen Altenheim

Deutschland bietet rein technisch die besten Voraussetzungen, damit ältere und behinderte Menschen ein selbständiges Leben führen können. Moderne Kommunikationsinfrastruktur nebst Diensten machen s möglich.

Der wachsende Anteil älterer und alleinstehender Menschen an der Gesamtbevölkerung, der Wegfall von Familienstrukturen sowie der Wunsch nach Selbständigkeit und Unabhängigkeit in der eigenen Wohnung sprechen für die Einführung von TeleCare-Diensten, die auf leistungsfähigen Telekommunikationsnetzen basieren. Was ist unter TeleCare zu verstehen? Thomas Erkert von empirica, Gesellschaft für Kommunikations- und Technologieforschung mbH, definiert TeleCare als die Unterstützung durch multimedia-basierte Dienste, die älteren und behinderten Menschen ein selbständiges Leben ermöglichen. Die Projekte und Vorschläge reichen vom Hausnotruf über den Haus-Tele-Dienst bis zum virtuellen Altenheim.
Für künftige TeleCare-Anwendungen bietet die kommunikationstechnische Infrastruktur in Deutschland beste Voraussetzungen. Diese Ansicht vertritt der ZVEI, der zu einem TeleCare-Seminar in München eingeladen hatte. So bilden ISDN-Anschlüsse die Basis für Video-Telefon-Anwendungen auch außerhalb von Ballungsräumen. Meldungen des Hausnotrufs erreichen die Leitstellen über analoge oder digitale Verbindungen, über Festnetze oder via Mobilfunk. Auch das Internet mit ADSL-Anschluß könnte für TeleCare-Dienste herangezogen werden. Dazu laufen zur Zeit in Deutschland zahlreiche Projekte von Haus-Tele-Dienste über das virtuelle Altenheim bis hin zum Intelligenten Haus.
Hausnotrufdienste werden seit etwa zehn Jahren angeboten. In der Regel hat die Leitzentrale die persönlichen Daten der Teilnehmer gespeichert und ruft sie beim Eingang einer Meldung ab. Wer sich dazu entschließt, die Risiken des Alleinlebens auf sich zu nehmen, kann sich mit diesem Dienst teilweise absichern. 1994 gab es in Nordrhein-Westfalen mehr als 50 Hausnotrufdienste, an die fast 10 000 Menschen angeschlossen waren. Nach Clemens Adam von der Universität Dortmund dürfte sich diese Zahl bis heute verdoppelt haben. Allerdings seien nur rund 3 % aller eingehenden Signale medizinische oder durch einen Unfall bedingte Notrufe. Die überwiegende Zahl der täglich in den Zentralen eingehenden Rufe sei dagegen der Kategorie „soziale Notrufe“, also dem Wunsch nach Gesprächs- und Kontaktmöglichkeiten, zuzuordnen. Adam folgert daraus, daß die Hausnotrufdienste ihr Leistungsspektrum erweitern müssen.
Haus-Tele-Dienste (HTD) – bildbasierte soziale Unterstützungsdienste auf Basis einer Anbindung der allein lebenden Personen – sind ein erster Schritt in diese Richtung und werden in einem Frankfurter Pilotprojekt untersucht. Die Fortführung dieser Konzeption, allerdings mit mehreren Anbietern, ist das virtuelle Altenheim. Ziel ist eine Vernetzung der Leistungen und ein auf die persönliche Situation abgestimmtes Dienstleistungspaket von Notruf-, Service- und Pflegediensten in der häuslichen Umgebung. Für Karin Scharfenorth vom Institut Arbeit und Technik (IAT) in Gelsenkirchen steht fest: „Das virtuelle Altenheim soll eine Unterstützungsinfrastruktur bieten, die einem gut geführten Altenheim in nichts nachsteht.“
Ein Beispiel für die Umsetzung eines solchen Konzeptes ist der Pilotversuch Tess (Teleservice für Senioren), den die Deutsche Telekom Berkom gemeinsam mit dem Evangelischen Johanneswerk in Bielefeld durchführt. Die technische Ausrüstung ist auf das ISDN-Netz abgestimmt. In einem Koordinations- und Kommunikationszentrum stehen PC-gestützte Videokonferenzsysteme, über die der Kontakt mit dem Bildtelefon der Teilnehmer aufgenommen wird. In einem solchen System kann der zentrale Betreiber eigene Leistungen zur Verfügung stellen und Fremdleistungen, z. B. die Vermittlung von Fußpflegediensten, Friseurterminen, Taxifahrten oder Theaterkarten, koordinieren. Die ersten Erfahrungen des bis Ende dieses Jahres laufenden Projektes seien äußerst positiv. Wie es künftig weitergehen soll, ist nicht zuletzt eine Frage der nicht unerheblichen Geräte- und Personalkosten.
Viele Mio. DM hätten öffentliche Hand und Industrie bisher in Pilotprojekte investiert, doch die meisten Vorhaben seien nicht fortgeführt worden. Dies berichtet Bernd Grohs von der Managementberatung Berger & Partner, der im Auftrag des BMBF ein Gutachten über die Telematik im Gesundheitswesen angefertigt hat. Grund für das Scheitern von Projekten seien überwiegend ökonomische Gründe. Wegen der mangelnden Interoperabilität der Systeme ließ sich kein Nachweis der Gesamtwirtschaftlichkeit erbringen. Nach Meinung von Grohs wird TeleCare erst dann wirtschaftlich, wenn weitere Synergiepotentiale wie elektronische Dokumentation und mehr Diensteanbieter eingebunden werden.
KRISTIN MIERZOWSKI

Von Kristin Mierzowski
Von Kristin Mierzowski

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