Telekommunikation 04.03.2005, 18:37 Uhr

Voice over IP schleicht sich in die Unternehmen  

Das Telefonieren und der Datenaustausch über ein Computernetzwerk auf Grundlage des Internet Protokolls – kurz Voice over IP (VoIP) – wird langsam erwachsen. Der erste Hype endete noch an zu hohen Erwartungen und gleichzeitig unausgereifter Technik. Nun scheint die Zeit endlich reif für vorsichtigen Optimismus.

Technisch und preislich sind Voice-over-IP(VoIP)-Systeme in Regionen angelangt, die das Interesse der Wirtschaft erregen. Das Telefonieren über ein Computernetzwerk auf der Grundlage des Internet Protokolls wird erfüllt langsam die Versprechen der Vergangenheit.

Gestartet als reiner Kostenkiller hat es auf dem Privatkundensektor zwar an Schwung verloren, weil der Wettbewerb im Festnetz zu enormen Preissenkungen geführt hat. Ein anderer Grund ist, dass kostenlose IP-Gespräche immer nur innerhalb der jeweiligen Anbieternetze eingeräumt und bei Terminierungen ins POTS (Plain Old Telephone System) Gebühren berechnet werden. „Damit sinkt der Reiz, zumindest für Endkunden, in das nach wie vor mit etwas Aufwand verbundene VoIP einzusteigen“, räumt Harald Summa, Chef des eco-Verbandes der deutschen Internetwirtschaft ein.

Ganz anders die Geschäftskunden. Sie haben die Vorteile, die sich durch die Nutzung nur einer Infrastruktur für Sprache und Daten ergeben, erkannt und sparen durch verminderte Aufwände für Verbindungskosten, Gebühren, Ausrüstung, Wartung und Netzwerkadministration bis zu 30 % ihres ursprünglichen Telefonie-Etats ein. Doch nicht nur das: Viele Unternehmen steckten Jahre lang im Investitionsstau und schoben Investitionen z. B. in neue Telefonsysteme und -anlagen vor sich her. Das funktioniert eine Zeit lang, aber irgendwann muss einfach eine neue Anlage her – und die IP-basierte Variante erscheint im Vergleich zur traditionellen Anlage einfach zukunftsträchtiger.

Für den Privatanwender erhält VoIP neue Attraktivität durch die Breitbandtechnik. Wer einen DSL-Anschluss hat, kann VoIP als preiswerte bis kostenlose Dreingabe nutzen. Doch nach wie vor dominiert die Telekom den DSL-Markt zu über 85 %. Schon im März wird die Telekom ein eigenes VoIP-Produkt vermarkten, wahrscheinlich über ihre zum Jahreswechsel lancierte DSL-Marke Congster.

Um dem Monopoldruck der Telekom zu entgehen, treiben die Aktionen der Wettbewerber mitunter seltsame Blüten. So hatten in den letzten Monaten die vier alternativen IP-Telefonie-Anbieter Nikotel, Sipgate, Web.de und Freenet ihre Netze zusammengeschaltet, um einen möglichst großen internen, sprich kostenlosen Telefonie-Raum zu bilden. 1&1 plant sogar, städteweise eigene Netze für VoIP aufzubauen, um der Vormachtstellung und damit dem Preisdiktat der Telekom zu entgehen. „Wir haben mit rund 1 Mio. Kunden die notwendige Größe“, erklärt Vorstandschef Ralph Dommermuth diesen Schritt.

Unisono erhoffen sich alle Telekom-Wettbewerber, dass die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) für die bessere Erschließung des Breitbandmarktes wenigstens der Telekom vorschreibt, ihren Wettbewerbern den so genannten Bitstream-Zugang auf das Breitbandnetz zu ermöglichen. Bei dieser Vorleistung müsste der Bonner Carrier den Wettbewerbern einen DSL-Zugang zum Kunden ohne Zwangskopplung mit einem Telefonanschluss anbieten.

So befindet sich die Colt Telecom GmbH bereits seit längerem in direkten Verhandlungen mit der Deutschen Telekom, die aber nach wie vor sehr schleppend verlaufen. Colt-Chef Wolfgang Essig: „Wir nutzen alle Möglichkeiten, um die Forderung nach einem Bitstrom-Zugang auf Basis der ATM-Technologie durchzusetzen, unter anderem über den Branchenverband VATM, aber auch in Gesprächen mit der EU-Kommission und der Regulierungsbehörde.“

Die QSC AG, bundesweiter Telekommunikationsanbieter mit eigenem DSL-Netz, wird jetzt zusammen mit dem chinesischen Ausrüster Huawei Technologies ihr VoIP-Netz weiter ausbauen. QSC rüstet derzeit ihre bundesweite Sprachinfrastruktur mit VoIP-Technologie auf und will ab Ende Mai eines der größten VoIP-Netze Deutschlands betreiben.

Im Zuge des Netzausbaus wird das IP-MPLS Backbone des Carriers mit Soft-Switchen und Gateways von Huawei ausgestattet. Zusätzlich erweitert QSC zum 1. März 2005 kostenlos das Leistungsspektrum und den Komfort des Internettelefonieproduktes QSC-IPfonie, das in IPfonie privat umbenannt wird. Neue Funktionen bei IPfonie privat sind der netzbasierte Anrufbeantworter, ein persönliches Telefonbuch, Wahlwiederholung und die Anzeige der Anrufe in Abwesenheit. Darüber hinaus stellt QSC einen Fax-over-IP-Service bereit.

Mit der Unterstützung des SIP-Standards kann IPfonie privat mit einem SIP-fähigen IP-Telefon oder Analog-Telefon-Adapter auch bei ausgeschaltetem PC genutzt werden. Die entsprechenden Geräte sind überall im Fachhandel erhältlich.

Auch die Kabel-Netzbetreiber steigen in die IP-Telefonie ein. Ab April 2005 startet Kabel Deutschland sein erstes Telefonie-Pilotprojekt unter dem Namen „Kabel Phone“ in Leipzig. Netz-intern sind die Gespräche kostenlos, Übergänge ins Festnetz sollen 2,5 Cent pro Minute kosten.

Spezieller Vorteil der auf VoIP spezialisierten Nikotel Inc. Europe aus Hamburg ist die Unabhängigkeit vom Internetanbieter. Der Anwender benötigt lediglich Usernamen und Passwort und ist weltweit auf verschiedene Arten erreichbar. Hierfür setzt Nikotel-Sprecher Robert Kocher auf Konvergenz: „Wir arbeiten ständig an der Verschmelzung der Kommunikationsdienste unter einem Account. Viele Services laufen bereits jetzt unter dem Nikotel Account zusammen. VoIP wird dafür sorgen, die Versprechungen der Vergangenheit (Unified Messaging Services, Verschmelzung der Telefondienste) einzulösen, indem es wirklich eine permanente Erreichbarkeit in allen Situationen auf verschiedenste Arten und Weisen ermöglicht und alle Dienste zentral koordiniert.“

Für 1&1 schließlich ist VoIP nicht mehr und nicht weniger als ein Instrument für die Erschließung neuer Kunden: „Internet-Telefonie gibt unserem DSL-Geschäft einen erheblichen Impuls – auch wenn sie beim Umsatz eine untergeordnete Rolle spielt. VoIP ist ein Megatrend und unser Ziel sind 500 000 Nutzer zum Jahresende“, so 1&1-Sprecher Michael Frenzel. KONRAD BUCK

@ www.voip-info.de www.teltarif.de/i/voip.html http://de.wikipedia.org/wiki/VoIP

Voice over IP ist das Telefonieren und der Datenaustausch auf Grundlage des Internet Protokolls

Von Konrad Buck
Von Konrad Buck

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