Fusion fast perfekt 02.07.2013, 08:59 Uhr

Vodafone braucht das Netz von Kabel Deutschland

Der britische Mobilfunkriese Vodafone will den Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland übernehmen. Mit dem Kauf würde das Unternehmen neben der Deutschen Telekom zum größten Netzbetreiber auf dem hiesigen Markt.

Mit Koaxkabeln zum Kunden – das könnte künftig auch eine Offerte von Vodafone sein. Immerhin verspricht hier die Technik Docsis 3.0 Übertragungsraten von 100 Mbit/s und mehr.

Mit Koaxkabeln zum Kunden – das könnte künftig auch eine Offerte von Vodafone sein. Immerhin verspricht hier die Technik Docsis 3.0 Übertragungsraten von 100 Mbit/s und mehr.

Foto: KDG

Die Braut hat sich lange hübsch gemacht, nun läuft alles auf einen Zusammenschluss der größten deutschen Kabelgesellschaft und des britischen Mobilfunkunternehmens Vodafone hinaus. Kabel Deutschland (KDG) hat ihren Aktionären offiziell empfohlen, das Übernahmeangebot durch die Vodafone Group anzunehmen. 87 € pro Aktie sollen die Anteilseigner erhalten, das Geschäft wird die Briten, die auch die Verbindlichkeiten des Kabelnetzbetreibers übernehmen, rund 10,7 Mrd. € kosten.

Der Chefaufseher von Kabel Deutschland, Tony Ball, hält den Zusammenschluss für einen wichtigen Schritt für beide Unternehmen. „Die goldene Zeiten des Mobilfunks sind vorbei. Eine breitere Palette ist wichtig“, sagte Ball der „Financial Times“. Damit meint er Paketangebote, die Mobilfunk, Festnetz, Internet und Fernsehen enthalten.

Hammerstein: Kabel Deutschland und Vodafone ergänzen sich ideal

Bereits 2008 hatte der CEO des Kabelnetzbetreibers Adrian von Hammerstein im Interview mit den VDI nachrichten attestiert, dass die „technische Überlegenheit des Kabelnetzes“ das Unternehmen auch für Telekommunikationsanbieter interessant mache, „die über den Einstieg bei einem Kabelnetzbetreiber eine eigene Netzinfrastruktur für die letzte Meile zum Kunden erwerben könnten“. Jetzt bekräftigte von Hammerstein: „Kabel Deutschland und Vodafone ergänzen sich ideal. Gemeinsam haben wir die Chance, der führende Telekommunikations- und TV-Anbieter in Deutschland zu werden und eine auf dem deutschen Markt einzigartige, schlagkräftige Kombination aus Festnetz und Mobilfunk zu schaffen.“

Innerhalb der Vodafone-Gruppe soll Kabel Deutschland als separate Gesellschaft mit ihrer Unternehmenszentrale in Unterföhring bei München erhalten bleiben. Laut einer Grundsatzvereinbarung werde das Management von Kabel Deutschland künftig das gesamte Privatkunden-Festnetzgeschäft beider Unternehmen in Deutschland verantworten. Dazu zählen auch die Entwicklung und Vermarktung von Produkten in diesem Bereich. Zudem sollen die Kunden der Wohnungswirtschaft weiter von Kabel Deutschland betreut werden.

Mit milliardenschweren Investitionen haben die beiden Unternehmen in den vergangenen Jahren ihre Netze ausgebaut und ihr Angebot erweitert. Kabel Deutschland machte die Infrastruktur rückkanalfähig und bietet neben digitalen Fernsehdiensten und Telefonie in immer mehr Regionen Internetdienste bis 100 Mbit/s an, während selbst über das neue VDSL maximal bis 50 Mbit/s zum Kunden gelangen. Triple Play heißt dieses Geschäftsmodell, das zum Wachstumstreiber der Kabelnetzbetreiber geworden ist und durch einen weiteren Ausbau künftig noch weiter Marktanteile gewinnen soll. In Feldtests gelangen bereits Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 5 Gbit/s.

Vodafone konnte vor allem vom Boom des mobilen Internets profitieren und rollt derzeit die vierte Mobilfunkgeneration LTE aus, die ebenfalls rund 100 Mbit/s verspricht. Mit dem Kauf der deutschen Telekommunikationsgesellschaft Arcor hatte sich Vodafone zudem in der Festnetzsparte verstärkt, um mit DSL-Angeboten und Fernsehen via Internet neue Kunden zu erreichen.

Vodafones Wachstum ohne Kabelnetz in Gefahr

Doch das Wachstum des Mobilfunkriesen ist in Gefahr, denn das mobile Breitbandinternet kann das bröckelnde DSL-Geschäft, das zunehmend unter Preisdruck gerät, nicht ersetzen. Zudem muss Vodafone für ein rundes Angebot mit IPTV (Fernsehen via Internet), Telefonie und schnellem Webzugang vielfach Leitungen von der Konkurrentin Deutsche Telekom anmieten. Die stößt jedoch inzwischen selbst mit ihren Kapazitäten an ihre Grenzen, da die Nutzer via Facebook, Youtube und Co. immer größere Datenmengen verschicken. Mit dem Kauf von Kabel Deutschland wird Vodafone zumindest in einigen deutschen Regionen unabhängiger von diesem Modell und erhält endlich den direkten Draht zum Endkunden.

Gehen die Rechnungen der neuen Partner auf, wird spätestens im Herbst ein ernst zu nehmender Anbieter mit 32,4 Mio. Mobilfunk-, 7,6 Mio. Fernseh- und 5 Mio. Breitbandinternet-Kunden entstehen.

Andere Breitbandanbieter wie Telefónica O2 und die Unitymedia Kabel Baden-Württemberg hätten es dann mit einem Quasi-Duopol auf dem deutschen Markt zu tun. Sie dürften nun auf die Reaktion von Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur schauen, die bislang ähnlichen Kaufvorhaben – wie zum Jahreswechsel die Übernahme von Telecolumbus durch Kabel Deutschland – eine Absage erteilten.

Top Stellenangebote

Landeshauptstadt München Ingenieur/in der Fachrichtung Bauingenieurwesen München
ABB AG-Firmenlogo
ABB AG Gruppenleiter (m/w) Engineering Paint Friedberg
ADMEDES GmbH-Firmenlogo
ADMEDES GmbH Entwicklungsingenieur (m/w) Pforzheim
ADMEDES GmbH-Firmenlogo
ADMEDES GmbH Messingenieur (m/w) für die Programmierung optischer Messmaschinen im Bereich Applikationen Pforzheim
Instrument Systems Optische Messtechnik GmbH-Firmenlogo
Instrument Systems Optische Messtechnik GmbH Gruppenleiter LED-Messtechnik (m/w) München
Instrument Systems Optische Messtechnik GmbH-Firmenlogo
Instrument Systems Optische Messtechnik GmbH Leiter Produktionsplanung (m/w) mit Arbeitsvorbereitung, Auftragsplanung und -steuerung München
HENSOLDT Service Ingenieur Sekundärradar (m/w) Taufkirchen
Max-Planck-Institut für Physik Werner-Heisenberg-Institut Ingenieur/-in Verfahrenstechnik München
VISHAY ELECTRONIC GmbH ESTA Capacitors Division Sales and Application Engineer (m/w) für den Bereich Leistungskondensatoren Landshut
Toho Tenax Europe GmbH-Firmenlogo
Toho Tenax Europe GmbH Prozessingenieur (m/w) TPUD Heinsberg-Oberbruch