Virtualisierung 19.03.1999, 17:20 Uhr

Virtuelle Realität zum Greifen nahe

Hier findet der Kunde alles, was heute als Highend-VR gilt. Die Betreiber wollen damit weltweit Maßstäbe setzen.

Virtuelle Modelle am Bildschirm bleiben letztendlich immer flach und nur sehr kleine Konstruktionen lassen sich im Maßstab 1:1 darstellen. Mit den Methoden der Virtuellen Realität versucht man seit Jahren, diese Nachteile zu überwinden. Das neue VR-Zentrum in Düsseldorf stößt hier in eine neue Spitzenposition vor: „Wir sind stolz, zusammen mit Silicon Graphics ein solches Zentrum einrichten zu können. Damit wird ein echtes Problem für viele potentielle Interessenten gelöst, die früher um die halbe Welt reisen mußten, wenn sie die hier gebotenen technischen Alternativen ansehen wollten“, so Helmut Tan, Geschäftsführer der Düsseldorfer TAN-Projektionstechnologie.
Im SGI/TAN-Center findet der interessierte Kunde die passende Umgebung, um im Maschinen- und Anlagenbau in der Teamdiskussion das Zusammenpassen und Funktionieren von Baugruppen und ganzer Komplettsysteme zu untersuchen.   Er kann auch Ergonomiestudien durchführen, um beim Städtebau architektonische Konzepte zu untersuchen oder um in der Öl-/Gas-Industrie treffsicher aufwendige Explorationsdatensätze aus seismischen Meßkampagnen zu analysieren. Hinzu kommt der Bereich Fahrerausbildung mit anspruchsvollen Simulationsprogrammen für Lokführer und Gefahrguttransporter. Zudem lassen sich in der Neurochirurgie Strategien für minimalinvasive Eingriffe planen, um nur einige Beispiele zu nennen.
Der Interessent hat im Grunde alles zur Verfügung, um sich mit Konzepten wie Digital Mockup, Virtual Manufacturing oder Event-Marketing vertraut zu machen. Entsprechend erwartet man in Düsseldorf weltweit anreisende Großkonzernvertreter von der Automobil- bis zur Öl- und Gasindustrie genauso wie Manager mittelständischer Unternehmen aus der Umgebung.
Sie finden dort nicht nur einen großzügig dimensionierten Grafiksupercomputer (Onyx 2-Infinite Reality), sondern mit Tan auch einen kompetenten Ansprechpartner. Das Unternehmen wurde 1981 als Pionier im Bereich der Video-Projektion gegründet und hat sich später alle notwendigen Kompetenzen im VR-Umfeld erworben. Helmut Tan: „Wir stöpseln nicht nur irgendwelche Projektionssysteme zusammen, sondern wir entwickeln selbst die Schlüsselelektronik, um die Anlagen optimal zu betreiben. Dazu gehört es auch, die Bildüberlappung bei der Projektion richtig zu gestalten oder dafür zu sorgen, daß die Justierung über lange Zeit erhalten bleibt.“

Produktdesigner arbeiten mit VR-Modellen in Orginalgröße

Tan sieht sich mit seinen 40 Mitarbeitern somit als echter Systemintegrator und führender Anbieter in Europa. Die Ausstattung des neuen Zentrums (Investitionssumme ca. 4 Mio. DM), verdient nach Expertenmeinung branchenübergreifende Beachtung.
So steht mit Powerwall eine planare Großbild-Rückprojektion auf einer Fläche von 6 m x 2,5 m zur Verfügung. Mit ihren 6 Kanälen findet z.B. der Produktdesigner im Automobilbereich eine adäquate Möglichkeit, um ganze Fahrzeuge im Maßstab 1:1 darzustellen. Lichtreflexe und Oberflächenverläufe lassen sich damit bereits am virtuellen Modell fast ebenso gut beurteilen, wie an einem real gefertigten. Die Wand ist in 3 Segmente organisiert, die jeweils von bis zu 2 Bildkanälen und bis zu 2 Projektoren beleuchtet werden. Damit sind neben 3kanaligen Monodarstellungen und 6kanaligen Stereovisualisierungen auch 6kanalige Monodarstellungen möglich, bei denen die 2 Kanäle und 2 Projektoren pro Segment für besondere Bildhelligkeit, Brillanz und Berechnungsgeschwindigkeit sorgen.
Für die höchste Form der Immersion (Eintauchmöglichkeit in das virtuelle Modell) sorgte ein sogenannter 4-Seiten-Cave mit Sound-Boden. Es handelt sich dabei um einen kubusförmigen Raum (3 m x 3 m x 3 m), an dessen Front-, Seiten- und Bodenflächen je ein Stereobild projiziert wird. Die visualisierten Modelle treten plastisch hervor und sind vom Benutzer sogar teilweise zu umgehen. „Dieses Werkzeug ist ideal geeignet zur Beurteilung von Innenräumen, etwa bei Fahrzeugen, aber auch Gebäuden“, meint Tan, wobei „die Darstellung der dreidimensionalen, natürlichen Umgebung, in welcher der Mensch seine visuellen Eindrücke sammelt, am nächsten kommt.“
An einem Arbeitstisch namens Holo-bench lassen sich kleinere Modelle oder Modelle in verkleinertem Maßstab plastisch darstellen und analysieren. Der Tisch arbeitet 2kanalig, um den räumlichen Eindruck zu verstärken. Das visualisierte Objekt, das über dem Tisch zu schweben scheint, kann von ganz oben oder auch von unten (eher knieend) wahrgenommen werden. Die Projektionsfläche beträgt 1,5 m x 2 m.
Das Tanorama wiederum ist eine 160 ° umfassende, nahtlose Panoramaprojektion. Die Rundprojektion mit nahtlosen Übergängen zwischen den 3 Projektionskanälen eignet sich gut für den Simulationsbereich. Ein weiteres Gesichtsfeld erleichtert Fahrern und Piloten den Eindruck des echten Erlebnisses. Darüber hinaus gibt es eine aktive und passive Stereo-Projektion als „Einstiegssystem“ in die hier genannten Anwendungen.
Die Verantwortlichen bei Silicon Graphics in München – das Unternehmen ist etwa mit der Hälfte der Investitionssumme beteiligt – jedenfalls freuen sich, in Deutschland ein neues Highlight setzen zu können, nachdem man schon eigene Virtual Reality -Zentren in Reading/England und Cortaillod/Schweiz, betreibt. Dazu Karl-Heinz Braumann, Marketing Manager Manufacturing bei Silicon Graphics: „Das Center in Düsseldorf geht mit seinen Einrichtungen nochmals wesentlich über die bisherigen Möglichkeiten unserer beiden bisherigen VR-Standorte hinaus. In diesem Zentrum ist nicht nur die ganze Palette von Displays in einem One-Stop-Aufenthalt zu besichtigen. Mit dem 6-Projektor-Powerwall bieten wir auch Visualisierungstechnik, die einzigartig ist.“
Der dahinterstehende nötige Rechner wurde üppig ausgestattet. So hat er 4 Grafik-Pipes, 10 Prozessoren und 5 GB RAM installiert. Neben den beiden Shop-Betreibern standen schon bei der Eröffnung 5 Partner bereit, die ihre eigene VR-Software einbringen. Das ist die Firma Cenit, die Fraunhoferinstitute für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) sowie für Grafische Datenverarbeitung (IGD) , die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) mit dem Institut für Medienkommunikation und die Unity Aktiengesellschaft, ein Spin-Off des Heinz-Nixdorf-Institutes. Vielfalt im Cyberspace ist damit also garantiert.
KARL OBERMANN
Schaubühne der virtuellen Welt: In Düsseldorf finden Kunden aller Branchen – von Maschinenbauern über Städteplaner bis hin zu Medizintechnikern – die Gelegenheit, ihre Produkte rundum im Cyberspace auszutesten.

Von Karl Obermann
Von Karl Obermann

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