Unternehmenssoftware 19.03.2010, 19:45 Uhr

„Viele Unternehmen hören den Kunden nicht zu“  

Seit fünf Jahren geht es beim zweitgrößten deutschen Softwareunternehmen, der Software AG, stetig bergauf. Genauso lange ist Produktvorstand Peter Kürpick dabei. VDI nachrichten, Darmstadt, 19. 3. 10, pek

Wenn ein Vorstandsmitglied des zweitgrößten deutschen Softwarekonzerns mit Freude über die Betriebskantine spricht, dann erwartet man mindestens einen Sternekoch hinter dem Herd.

Doch weit gefehlt. Das Essen ist zwar tatsächlich reichhaltig, vielfältig und schmackhaft bei der Software AG in Darmstadt, aber Produktvorstand Peter Kürpick ist aus einem anderen Grund gut auf die Kantine zu sprechen: „Sie spiegelt unseren Geist wider. Der Geist des gegenseitigen Vertrauens, der auch in der Geschäftswelt den Unterschied zwischen guten und nachhaltigen Geschäften ausmacht.“

Was Kürpick meint: Es gibt keine Kassiererinnen. Am Ende der Theke steht eine Schale, in die jeder Mitarbeiter den Gegenwert seiner Mahlzeit hineinwirft. Kleiner Teller 1,50 €, großer Teller 3 €. Vertrauen gegen Vertrauen. „Das funktioniert seit Jahren bestens“, freut sich Kürpick. „Der Mitarbeiter wie auch der Kunde stehen bei der Software AG im Mittelpunkt.“

Vor sieben Jahren sah es gar nicht rosig aus bei der Software AG. In den Strudel der platzenden Dot.com-Blase wurden auch die Darmstädter mitgerissen. Im Jahr 2003 hatte die Krise beim ältesten deutschen Softwareunternehmen ihren Höhepunkt erreicht, der Umsatz war um 11 % eingebrochen und der Aktienkurs stand bei 9 €. Es zeichnete sich ab, dass Adabas, das Datenbankmanagementsystem, kaum mehr wie bisher die tragende Säule sein würde. Denn Adabas war ein Softwaresystem für Großrechner, und Großrechner wurden im Internetzeitalter zunehmend abgelöst durch Client-Server-Lösungen und PCs. Für die Darmstädter bedeutete das: keine Großrechner – kein Adabas. Kein Adabas – weiter sinkende Umsätze.

„Als ich 2005 hier anfing, gab es kein klares Konzept – vom Dokumentenmanagement bis hin zu verschiedenen Anwendungslösungen wurde überall etwas entwickelt“, blickt Kürpick auf die Zeit, als er von der SAP zur Software AG stieß. „Das haben wir radikal gestoppt und gefragt: Wo sind wir wirklich gut?“

Sehr schnell kristallisierte sich ein Kern heraus: Infrastruktur-Software, das ist der gesamte Bereich der Integration von IT-Systemen und Anwendungen. „Wir haben uns extrem fokussiert und sind aus bestimmten Themen bewusst ausgestiegen“, zieht der Mittvierziger Bilanz. „Am Ende stand die Software AG da als ein Keyplayer bei den Themen Integration von Unternehmenssoftware und Management von Geschäftsprozessen.“

Der Weg war von Erfolg gekrönt, der Umsatz hat sich zwischen 2005 und 2009 verdoppelt. Doch allein die technische Ausrichtung als Erfolgsgarant lässt Kürpick nicht gelten. „Vor allem stellten wir die Kunden wieder in den Mittelpunkt.“ Geistiger Vater des Turnarounds war und ist Karl-Heinz-Streiblich, der 2003 das Amt des Vorstandsvorsitzenden übernahm. Eine seiner ersten Maßnahmen nach Amtsantritt war eine Kundentour bei über 80 Kunden auf der ganzen Welt. Dort hörte er genau zu, danach wusste er, wo der Schuh drückt: „Wir hatten unsere Bestandskunden vernachlässigt und die neuen Entwicklungen und Produkte waren weit entfernt von den Marktanforderungen.“

Seitdem wird die Nähe zum Kunden gesucht. „Jeder Führungskraft wurde auferlegt, mindestens fünf Kunden pro Quartal zu besuchen“, so der Produktvorstand. „Viele Unternehmen hören ihren Kunden nämlich nicht zu, ein ganz grober Fehler“, meint der leidenschaftliche Skifahrer. Denn oft haben die Kunden gleiche oder sehr ähnlich Probleme. Bei der Software AG stellte sich heraus, dass die Kunden Lösungen für die Themen SOA (Service-orientiere Architekturen) und Business Process Management (BPM) suchten.

Das nahmen die Darmstädter auf, was 2007 in die 560 Mio. $ schwere Übernahme von WebMethods mündete – einem im Markt erfolgreichen Unternehmen, das als Spezialist für SOA und BPM ideal zur Software AG passte. Zusammen mit der kürzlich abgeschlossenen Übernahme von IDS Scheer, einem weltweit tätigen Spezialisten für Geschäftsprozessmodellierung und -optimierung, sieht sich die Software AG für die Zukunft gut aufgestellt. „Wir nennen das Business Process Excellence“, so Kürpick.

Offenbar sehen das auch die Kunden so, allein im 4. Quartal des Krisenjahres 2009 stieg der Umsatz um 38 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Auch der Aktienkurs erholte sich von dem Rekordtief von 9 € (2003) auf über 94 € (Stand: 17. März 2010). „Als ich 2005 kam“, erinnert sich Kürpick, „war die Software AG in keinem Rating von Gartner gelistet. Heute, fünf Jahre später, sind wir als ¿Leader¿ in jeder Kategorie bewertet, die wir im Markt beliefern.“

Grund genug, sich zufrieden zurückzulehnen? Peter Kürpick schüttelt den Kopf und schaut aus dem Fenster auf die niedriggeschossigen Firmengebäude. Diese hat Firmengründer Peter Schnell nach anthroposophischen Gesichtspunkten bauen lassen – zum Wohle der Mitarbeiter und aus natürlichen Materialien wie Stein oder Holz. Zwischen den Gebäuden sind Teiche, kleine Wasserfälle und ein Entenhaus, um das sich im Sommer Stockenten und Frösche lautstark streiten.

„Das ist eine Arbeitsatmosphäre, die Kreativität ideal fördert“, meint Kürpick. „Wenn dann noch, wie bei uns, flache Hierarchien dazu kommen, in denen fast jeder mit jedem per Du ist, dann kann es tatsächlich passieren, dass Revolutionäres zwischen Salat und Dessert entwickelt und besprochen wird.“

Womit wir wieder bei der kassiererlosen Kantine wären, in der auch auf der großen gelben Langnese-Eisbox ein Schälchen für das Geld steht. Vertrauen gegen Vertrauen – das ist ein Motto der Software AG. PETER KELLERHOFF

Von Peter Kellerhoff

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