Telekommunikation 01.10.1999, 17:23 Uhr

Viel zu viele Telefonate zum Datumssprung

Die hohe Verkehrslast in den Telefonnetzen am Neujahrs- Morgen bereitet schon jetzt Technikern Kopfzerbrechen. Sie, und nicht die zwei Nullen, sind das eigentliche 2000er Problem.

Wenn zu Silvester die Feuerwerkskörper knallen, sind Fernmeldetechniker in Hab-Acht-Stellung. Alljährlich, das wissen Experten, geraten die Vermittlungsstellen der Netzbetreiber an ihre Kapazitätsgrenzen. „Noch schlimmer wird“s beim nächsten Jahreswechsel“, prognostiziert schon jetzt Johann Meierhofer, Abteilungsleiter Technische Regulierung Telekommunikation der Bonner Regulierungsbehörde. „Da will jeder gratulieren – ob über Festnetztelefone oder Handys – und alle wollen wissen, ob die Technik noch funktioniert.“ Hinzu kommen all die Internet-Freaks, die am PC verfolgen werden, wie in Sidney oder London ins Jahr 2000 hineingefeiert wird.
Telekom-Techniker erzählen in stillen Stunden gerne Geschichten von Silvester, wo schon unter normalen Umständen die Sicherungen herausknallen. Längst gehört eine Vermittlungsstelle in Stuttgart, die in den ersten Neujahrs-Minuten immer abstürzt, zum Jahreswechsel dazu.
„Das eigentliche Jahr- 2000-Problem in der Telekommunikation ist die Verkehrslast“, weiß Meierhofer und rät allen davon ab, in den frühen Morgenstunden des 1. 1. 2000 zum Hörer zu greifen. Eindringlich warnt die Regulierungsbehörde neue Netzbetreiber davor, Sondertarife rund um den Jahreswechsel anzubieten. Das geplante Einspielen neuer Software für den Gebührenimpuls in die öffentlichen Netze wurde vorsorglich um einige Monate verschoben. Nach der Devise: zusätzliche Belastungen vermeiden.
Doch auch das 00er-Problem zum Jahreswechsel (siehe Kasten) nimmt die Bonner Behörde ernst. Bereits frühzeitig wurden die Netzbetreiber auf den § 87 des Telekommunikationsgesetzes hingewiesen, nachdem sie technische Vorkehrungen zum Schutz der Netze gegen Störungen zu treffen haben. Die Schwierigkeit: Überall dort, wo zeitrelevante Informationen in Vermittlungsstellen – jenen Rechnern der Telekommunikation – übertragen werden, könnte es kritisch werden. Und, eine logische Konsequenz aus weltweit verknüpften Netzen: Wenn irgendwo ein Crash passiert, hinterläßt dieser Spuren, die weiter übertragen werden. Sicherheit in Netzen heißt daher, daß genauestens kontrolliert wird, welche Signale in das Netz hineinkommen dürfen und welche nicht. Das Protokoll des Signalisierungssystems Nr. 7 prüft deshalb jede Verbindung, um Störimpulse jeglicher Couleur abzufangen.
Kein Wunder also, daß bei Deutschlands Netzbetreiber Nr. 1, der Telekom, die ersten Tests schon im letzten Sommer liefen: Nachdem 1619 unterschiedliche Systeme auf Herz und Nieren getestet wurden, wurde in Form eines Systemverbundes die gesamte Technik in die Zukunft geschickt. „Die Zeitreise lief erfolgreich, auch weltweit“, meldete Hagen Hultsch, Vorstand Technik Dienste. Und auch hier rüstet man sich für eine heiße Silvesternacht: Allein 1000 Notstromaggregate stehen bereit.
Eine weitere Gefahr droht den Telekommunikationsanbietern bei den zeitkritischen Billingsystemen. Da könnte es schon passieren, daß Rechnungen zu hoch ausfallen, doppelt oder gar nicht verschickt werden. Das wissen auch die neuen Netzbetreiber, die in Selbstorganisation Tests durchführten – einige von ihnen fanden jetzt vor wenigen Wochen statt. Erstes Resultat: Nachprüfen lohnt sich. Rund ein Viertel aller Softwarekomponenten mußte nachgebessert werden.
Meierhofer verrät nur soviel: „Einige der neuen Netzbetreiber nehmen den Millennium-Bug sehr ernst, andere wälzen die Verantwortung auf die Systemhersteller ab.“ Siemens, Alcatel, Nokia, Ericsson und andere Große der Branche haben in diesen Tagen alle Hände voll zu tun. Schließlich erreichen sie nicht nur Anfragen von Netzbetreibern, sondern auch von einfachen Kunden, die an der 2000er-Tauglichkeit ihrer TK-Anlage zweifeln.
Zentrale bundesweite Anlaufstelle für alle weiteren Fragen zum Datumssprung ist das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Es koordiniert alle Wirtschaftsbereiche vom Auto bis zur Telekommunikation.
Einzig in einem entscheidenden Punkt übernimmt die Regulierungsbehörde die Federführung. Sie sorgt für den störungsfreien Funk von Polizei, Feuerwehr und anderen Organisationen, koordiniert den Funkmeßdienst, der zum Jahreswechsel bundesweit rund um Uhr besetzt sein wird. Die Sicherheitsdienste werden dann auf ihre eigenen betriebsinternen Netze geschaltet haben. Vergißt jedoch ein Taxifahrer, seinen Empfänger auszuschalten, oder ist ein CB-Funker besonders übermütig, dann können die Techniker der Regulierungsbehörde den „Störenfried“ orten, der im Zweifelsfall wichtige Kanäle blockiert. Dort, wo es also wirklich um Notrufe geht, sind alle Vorkehrungen schon getroffen.
R. BÖNSCH
Ein frohes neues Jahr 2000 sollten sich die Bundesbürger lieber life und nicht am Telefon wünschen. Das empfehlen Experten, die vor einer Überlastung der Vermittlungsstellen warnen.

Von R. Bönsch
Von R. Bönsch

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