Ende der Gratis-Kultur 09.05.2013, 12:00 Uhr

Videoportal YouTube will zum Bezahlsender werden

YouTube will nicht länger kostenlos Videos übertragen: Die Google-Tochter plant etwa 50 Spartenkanäle, die für 1,99 Dollar im Monat abonniert werden können. Diese Nachricht ist umso erstaunlicher, als YouTube es gerade abgelehnt hat, sich an den Kosten für den Ausbau des Internets zu beteiligen.

Durch YouTube wurde der Koreaner Park Jae-sang alias Psy mit seinem Video „Gangman Style“ zu einem der bekanntesten Sänger der Welt. Jetzt will YouTube kostenpflichtige Spartenprogramme einführen. Dann dürften es Newcomer wie Psy schwerer haben.

Durch YouTube wurde der Koreaner Park Jae-sang alias Psy mit seinem Video „Gangman Style“ zu einem der bekanntesten Sänger der Welt. Jetzt will YouTube kostenpflichtige Spartenprogramme einführen. Dann dürften es Newcomer wie Psy schwerer haben.

Foto: Screenshot ingenieur.de

Nach Medienberichten wird YouTube Kinder- und Unterhaltungsprogramme, Musikkanäle und andere Spartenprogramme kostenpflichtig machen. Die Berichte kommentierte das Unternehmen mit dem Hinweis, man habe zum jetzigen Zeitpunkt „nichts zu veröffentlichen.“ Gleichzeitig schrieb YouTube aber: „Wir prüfen die Einführung eines Abomodells, das unseren Nutzern noch mehr großartige Inhalte auf YouTube bieten könnte und gleichzeitig unseren Partnern eine weitere Möglichkeit bieten würde, mit ihren Inhalten Umsätze zu generieren.“

Netzbetreiber klagen über gigantische Datenmengen durch Anbieter wie YouTube

Der Zeitpunkt der Berichte über den Einstieg ins Pay-TV-Geschäft könnte für das Videoportal nicht ungünstiger liegen. Vor wenigen Tagen erregte die Deutsche Telekom eine gewaltige Empörungswelle, als sie ankündigte, ab Mai für Neukunden eine Datendrosselung einzuführen. Wer ab 2016 im Basistarif ein Datenvolumen von 75 Gigabyte überschritten hat, zuckelt fortan bis zum jeweiligen Monatsende mit 384 Kilobit pro Sekunde durch das Internet. Eine Petition gegen diese drastische Datendrossel haben im Internet bereits über 174 000 Menschen unterzeichnet.

Die Telekom begründet die Drosselung mit den hohen Kosten für den Netzausbau. Denn das Problem liegt vor allem darin begründet, dass Firmen wie Apple mit seinem Musik- und Videoportal iTunes und Google mit seiner Videoplattform YouTube sowie die großen Musikanbieter einen enormen Anstieg der im Netz benötigten Datenmengen verursachen. An den Kosten beteiligen wollen sie sich aber nicht. Im Gegenteil: Sie verdienen Milliarden mit ihren immer neuen, immer datenintensiveren Diensten.

Um diesen Diensten einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen, wäre es notwendig, in die Netzinfrastruktur zu investieren. Rund 80 Milliarden Euro kostet es, ganz Deutschland mit einem ultraschnellen Glasfasernetz auszustatten. Doch Google, YouTube  und Co wollen sich nicht an diesen Infrastrukturkosten beteiligen. Der Netzspezialist Cisco erwartet bis 2016, dass sich der Datendurchsatz im Netz auf 1,3 Zetabyte vervierfachen wird. Das Zetabyte ist eine Zahl mit 21 Nullen.

Abschied von der Kostenlos-Kultur im Netz steht offenbar bevor

Nun möchte der erste Verursacher dieses gigantischen Traffics im Internet von den Nutzer auch noch Geld verlangen. Eine echte Zeitenwende zeichnet sich ab. Viele Seiten von Printmedien versuchen derzeit ebenfalls, ein Bezahlmodell für ihre Seiten durchzusetzten, so die „New York Times“, der „Daily Telegraph“ und die deutsche Tageszeitung „Die Welt“. Ziel dieser Abomodelle ist es, den Nutzer an kostenpflichtige Inhalte zu gewöhnen, aber drumherum noch genügend kostenlosen Inhalt bereit zu stellen, damit der Nutzer nicht türmt.

Dabei verdient YouTube mit Werbung heute schon viel Geld. Im vergangenen Jahr spülte Werbung 1,3 Milliarden Dollar in die Kassen. Das Kanadische Marktforschungsinstitu Pivotal Research schätzt, dass der Umsatz mit Werbung bei YouTube in diesem Jahr auf zwei Milliarden Dollar steigt.

Die Abkehr YouTubes von der Kostenlos-Kultur gilt seit 2011 als ein offenes Geheimnis, denn da meldete Google ein Patent für ein Bezahlsystem für seine Tochter YouTube an. Der Bezahlvorgang soll offenbar über Gopogle Wallet abgewickelt werden, das heute schon die Transaktionen für Google Apps ausführt.

Nun ist diese technische Hürde offenbar genommen. YouTube hat in den vergangenen 18 Monaten mehr als 200 Millionen Dollar investiert, um Partner bei der Gründung der sogenannten YouTube-Channels zu unterstützen. Das werden keine Vollprogramme sein, die 24 Stunden mit wechselnden Inhalten auf Sendung sind. Vielmehr werden es Bibliotheken mit Videos für bestimmte Interessengruppen. Solche YouTube-Kanäle erfreuen sich schon heute einer großen Beliebtheit. So hat der Comedy-Kanal Smosh zum Beispiel 9,6 Millionen Nutzer. Oder der Politikkanal Young Turks: Er überschritt vor kurzem die sagenhafte Zuschauerzahl von eine Milliarde. Solche Spartenkanäle können also durchaus für etablierte Fernsehsender von Interesse sein, können sie doch die im TV gezeigten Serien und Shows bei YouTube recyclen und erneut verkaufen.

Aus für Biotop für Bekloppte wie Psy mit dem „Gangman Style“

Solche Karrieren wie die von Park Jae-sang alias Psy, der mit seinem Video „Gangman Style“ auf YouTube alle Grenzen zerlegt hat, sind mit der Einführung einer Bezahlkultur wohl nicht mehr so einfach hinzulegen. Denn solche Versuche eines Musikvideos schaut man sich nur gerne an, wenn sie nichts kosten.

Mitte des vergangenen Jahres war Psy noch ein vor allem in Südkorea bekannter Pop-Entertainer und Rapper. Dann veröffentlichte der damals 34-Jährige sein Video zu dem Gaga-Song „Gangman Style“ und löste eine beispiellose Welle aus. Am 21. Dezember hat der Clip die magische Marke von einer Milliarde Abrufen erreicht. Aktuell hat der Clip mehr als 1,5 Milliarden Klicks. Damit ist Psy unangefochten der König von YouTube und derzeit wohl der berühmteste Künstler der Welt. Zu seinen Fans zählen Barack Obama, UN-Generalsekretär Ban Ki Boon und natürlich jeder Teenager und jedes Kindergartenkind. YouTube als Biotop für Bekloppte könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Eigentlich schade.

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