Mobilfunk 22.12.2000, 17:27 Uhr

Via Handy alles unter Kontrolle

per SMS werden sie für Fernwartung und -steuerung eingesetzt.

Eigentlich könnte Risto Linturi glücklich sein. Per Handy kann der finnische Zukunftsforscher die Türsprechanlage seines hypermodernen Hauses bei Helsinki bedienen, gleich, wo auf der Welt er sich gerade befindet. Pech für den Besucher allerdings, dass Linturi gerade dann nicht zu Hause ist, um ihn hereinzubitten.
Was der Finne noch als verliebte Spielerei abtut, wird dringlicher, sobald es um einen Technikereinsatz aus der Ferne geht: etwa wenn einmal ein Aufzug stecken bleibt und die Eingeschlossenen auf Hilfe hoffen. Deshalb suchte auch der Familienbetrieb Kollmorgen GmbH, der Fahrstuhlsteuerungen für namhafte Aufzughersteller liefert, nach einer Lösung, mit der schnell Hausmeister oder Wartungspersonal benachrichtigt werden können. Das Computersystem PC-Message in Verbindung mit einem GSM-Funkmodul, das vom Münchener Spezialisten für Datenkommunikation und mobile Systeme Weckwerth & Bertram entwickelt wurde, dient speziell der Fernwartung von Industrieanlagen. Damit können per GSM-Handy Prozessgeräte überwacht und gesteuert werden. PC-Message erfasst dazu die Daten aller an einem Interbus angeschlossenen Geräte von Prozessreglern, Robotersteuerungen über Bedien- und Anzeigegeräte bis hin zum letzten Endschalter.
Zustandsänderungen, wie das Überschreiten von Schwellwerten, Fehlermeldungen oder Kontaktbetätigungen können so direkt über SMS in sekundenschnelle an das Personal übermittelt werden. Das kann unmittelbar von seinem Mobiltelefon von wo auch immer reagieren und bestimmte Motoren oder Regler schalten, Prozessdaten ändern oder neue Werte gesichert durch Rufnummernprüfung und Passwort einstellen. Auch Gruppenruf an mehrere Mobilteilnehmer gleichzeitig ist möglich. Die Fernrufsoftware lässt sich mit lediglich sechs Zeilen Visual-Basic-Code leicht in eigene PC-Programme integrieren.
PC-Message wird bereits von zahlreichen Industrielieferanten genutzt: So rüstet der Hersteller von Klima- und Lüftungsanlagen Messner Technik seine OS/2-basierten Steuerungs- und Überwachungscomputer damit aus, um stets über alle aktuellen Zustandsdaten verfügen zu können. Im Fehlerfall oder bei der Überschreitung von Grenzwerten, Überlast oder Totalausfall wird der Wartungstechniker automatisch per PC-Message via SMS alarmiert. Datev führt mit dem Remotesystem die Störungsanalyse seiner Druckstraßen durch.

Techniker für dezentrale Mess-Stände kann Kegeln gehen

Der Schweizer Anlagenbauer Sulzer Innotec stattet seine dezentral beim Kunden installierten Mess-Stände mit PC-Message aus, um die gemessenen Daten per Kurzmitteilung an die Zentrale zu übermitteln. Auch hier sorgt eine Alarmfunktion bei Ausfall eines Mess-Standes oder einer Maschine dafür, dass der zuständige Techniker herbeieilt – ganz gleich, ob er gerade beim abendlichen Kegeln oder beim Einkaufsbummel weilt.
Das Problem dezentraler Überwachung haben auch die Verantwortlichen von Pipersberg, eines Herstellers von großen Gas- und Wasserzählwerken, mit PC-Message gelöst: alle wichtigen Ereignisse, die bei den autark arbeitenden Stationen etwa an Pumpen und Zählwerken auftreten können, werden im Klartext an autorisierte Personen übermittelt.
Auch der westfälische Geldspielautomaten-Hersteller Gauselmann setzt künftig auf drahtlosen Betrieb und Unterhaltung der Apparate per Handy. Dazu schickt der Service-Mitarbeiter des Automatenaufstellers dem Automaten heute eine SMS-Nachricht mit bestimmten Buchstabencodes. Das „k“ steht beispielsweise für die Abfrage des Kassenbestandes. Der Computer des Münzspielgerätes ist so programmiert, dass er die SMS-Nachricht als Steuersignal versteht und daraufhin die abgefragten Informationen über das eingebaute T-D1-Mobilfunkmodem an den Abfrager sendet, der die Antwort im Display ablesen kann.

SMS werden zum Indikator für Akzeptanz von Automaten

„Theoretisch sind auf diese Weise Hunderte von Informationen im Speicher des Computers auslesbar“, erklärt Manfred Gauselmann, Entwicklungschef bei der Gauselmann GmbH. So können per Luftschnittstelle praktisch alle wichtigen Nachrichten des Gerätes, wie z. B. Störungen oder Umsätze an das Handy des Servicetechnikers übertragen werden.
Auch die Anzahl der ausgeführten Spiele kann so im Display angezeigt werden – ein Indikator für die Akzeptanz des in der Gastronomie, Hotellerie oder einer Spielstätte aufgestellten Gerätes. Dies soll dem Betreiber helfen, sein Angebot noch effektiver und marktgerechter zu gestalten. „Die drahtlose Anbindung der Spielautomaten an das T-D1-Mobilfunknetz bedeutet für unsere Kunden nicht nur beim Service einen beachtlichen Fortschritt“, so Jens Kahle, Vorstand für Vertrieb und Marketing bei Gauselmann.
Außerdem kann der Automat per SMS Alarm schlagen: wenn er aufgebrochen wird, schickt er schnell eine Nachricht an seinen Betreiber. Das rettet dann zwar in den wenigsten Fällen seinen wertvollen Inhalt, doch die Polizei ist den Übeltätern schneller auf den Fersen, der beschädigte Unterhaltungsautomat kann schnellstmöglich wieder instand gesetzt werden.
Betreiber mit einem dichten Automatennetz können ihre Geräte, wenn es um die Wartung geht, vom PC aus abfragen. Über einen Großkundenzugang zum SMS-System der Mobilfunkgesellschaft kann sogar ein ganzer Automatenpark mit bis zu 1200 SMS-Abfragen pro Sekunde gesteuert und überwacht werden. „Die Mobilfunklösung ist erst der Anfang einer ganzen Reihe neuer Service-Dienstleistungen, den Mobilfunk zur Fernabfrage zu nutzen“, ist sich Gauselmann-Vorstand Kahle sicher. EDGAR LANGE

Ein Beitrag von:

  • Edgar Lange

    Freier Fachjournalist in Düsseldorf. Schreibt vor allem über IT-Themen.

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