US-Image auf China-Niveau 06.08.2013, 11:46 Uhr

Unternehmen fürchten sich vor Datenspionage der USA

90 Prozent der deutschen Manager fürchten eine zunehmende Gefährdung ihrer Unternehmen durch Datenspionage. Dabei haben die USA zu China als Hauptverdächtigem für Wirtschaftsspionage aufgeholt. Die Sicherheitsstandards in den meisten Unternehmen hinken dem Können der professionellen Datendiebe allerdings deutlich hinterher.  

Die Zentrale der National Security Administration (NSA) in Fort Meade, Maryland (USA). Amerikanische und britische Geheimdienste sollen auch das Datenkabel zwischen Norden in Ostfriesland und den USA angezapft haben.

Die Zentrale der National Security Administration (NSA) in Fort Meade, Maryland (USA). Amerikanische und britische Geheimdienste sollen auch das Datenkabel zwischen Norden in Ostfriesland und den USA angezapft haben.

Foto: dpa/Jim Lo Scalzo

Die Wahrnehmung in deutschen Unternehmen zum Thema Datensicherheit hat sich ganz klar verschoben. Als die Manager vor zwei Jahren nach ihrer Einschätzung befragt wurden, fürchteten sich 33 Prozent vor China als größtem potenziellem Datendieb. Jeweils sechs Prozent vermuteten Cyber-Attacken aus den USA und Russland. Die aktuelle Umfrage der kürzlich in EY umfirmierten Unternehmensberatung Ernst & Young von 400 deutschen Unternehmen zeichnet jetzt ein völlig neues Bild. Die Enthüllungen um das amerikanische Spähprogramm wirken sich auf das Sicherheitsgefühl der Manager aus.

80 Prozent der Manager „wiegen sich in falscher Sicherheit“

China gilt für 28 Prozent der Unternehmen immer noch als das Land, von dem die größten Sicherheitsrisiken ausgehen. Die USA liegen aber nun mit 26 Prozent nur knapp dahinter, gefolgt von Russland mit 12 Prozent. Gleichzeitig fühlen sich 86 Prozent der Manager nicht unmittelbar bedroht. Sie halten es für unwahrscheinlich, dass ihr eigenes Unternehmen zum Spionage-Opfer werden könnte.

In acht von zehn Unternehmen gehen die Verantwortlichen davon aus, dass die Sicherheitsvorkehrungen gegen Datenspionage ausreichend sind. Die Studie kann diesen Optimismus allerdings nicht teilen. „Wenn es um ihre eigene Sicherheit geht, sind die Unternehmen leider oft blauäugig und wiegen sich in falscher Sicherheit“, sagt Bodo Meseke. Er ist Spezialist bei EY für die Analyse von Datenmissbrauchsversuchen in IT-Systemen. „Die Unternehmen meinen, mit einer Firewall und Passwortschutz auf den Rechnern seien sie ausreichend geschützt. Dabei haben nicht erst die jüngsten Enthüllungen gezeigt, dass Spionage und Abhörmethoden inzwischen deutlich weiter fortgeschritten sind. Ein professioneller Datendieb kann ein Passwort mit entsprechenden Tools umgehen – grundsätzlich kann jede Information geknackt werden.“

„Die wenigsten Unternehmen decken Spionageakte auf“

Umfassendere Schutzvorkehrungen sind in den Unternehmen Mangelware, eine eigene Sicherheitsabteilung gibt es nur bei 14 Prozent. Konkrete Erfahrungen mit Datenklau- oder Spionagefällen geben aber nur sieben Prozent der Befragten an. Bodo Meseke sieht darin keineswegs eine geringe Gefährdung. „Die Dunkelziffer ist außerordentlich hoch, und das Bewusstsein für diese Art der Wirtschaftsspionage ist bislang kaum geschärft. Wir beobachten häufig Datenklau oder Produktplagiate – bei Weitem nicht nur bei Großkonzernen. Aber die wenigsten Unternehmen decken Spionageakte überhaupt systematisch auf.“ Die Spionagefälle kämen meist nur durch Zufall ans Licht. „Oft merken Unternehmen erst viel zu spät, dass ihre Technologie plötzlich auch an anderer Stelle genutzt wird.“

Als gutes Fundament für die Datensicherheit sieht Meseke die Einsicht der Mitarbeiter und ihre Identifikation mit dem Arbeitgeber. Etwa die Hälfte der Unternehmen ist in diesem Bereich tätig und versucht, das Verbundenheitsgefühl zu stärken und die Mitarbeiter für die Gefahren des Datendiebstahls zu sensibilisieren. „Allerdings fehlen noch wichtige Bausteine zu einer effizienten Prävention – allen voran eine Whistle-Blowing-Hotline“, meint Meseke. Eine anonyme Anlaufstation für Mitarbeiter, die illegale Vorgänge am Arbeitsplatz beobachten, gibt es bislang nur bei sechs Prozent der Unternehmen.

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