Mobile World Congress Barcelona 28.02.2013, 10:40 Uhr

Unreife Smartphones zwingen Mobilfunknetze in die Knie

Nicht nur die Mobilfunknetze müssen optimiert werden, auch Smartphones sorgen mangels Qualität für Datenchaos in den Netzen. Das war eine der zentralen Botschaften der am Donnerstag zu Ende gegangenen wichtigsten Handymesse der Welt, dem Mobile World Congress in Barcelona.

Bringen Hersteller ihre Smartphones zu früh auf den Markt? Ja, behauptet der Technologieberater John Strand.

Bringen Hersteller ihre Smartphones zu früh auf den Markt? Ja, behauptet der Technologieberater John Strand.

Foto: dpa

Wo der Deutsche-Telekom-Chef René Obermann dem Microsoft-CEO Steve Ballmer die Hand schüttelte, Vorsitzende von China Mobile und Vodafone ihre Visionen in Keynotes packten, traf sich in dieser Woche die Crème de la Crème der Mobilfunker. Netzausrüster und Netzbetreiber, Gerätehersteller, Dienstleister und Softwareriesen hatten sich zum Mobile World Congress nach Barcelona aufgemacht, das sich jährlich im Februar zum Mobilfunk-Mekka wandelt. Branchenfremde Besucher dürften im krisengeschüttelten Spanien ohnehin nicht die 700 € für eine Eintrittskarte ausgegeben haben. Trotzdem rechneten die Veranstalter im Vorfeld mit 70 000 Gästen.

Wer die acht Messehallen durchstreifte, erblickte die Stände nahezu aller wichtigen Akteure und so viele mobile Neuigkeiten wie nirgends sonst auf der Welt. Neben unzähligen Tablets, Apps und Kameras waren es vor allem die neuen Smartphones, um die sich die Besucher scharten wie Kinder um den Eiswagen. Doch im Messetrubel ging unter: Eine Vielzahl der hier vorgestellten Smart- phones wird zu früh auf den Markt gebracht. Das zumindest behauptet der dänische Technologieberater John Strand. Weitere drei Monate und mehr seien oft nötig, um ein Gerät für die Netze zu optimieren.

„Die Hersteller drücken ihre Geräte in den Markt, bevor sie fertig entwickelt sind“, sagt der Mobilfunkexperte. „Bananaware“, Bananengeräte, so nennt die Konsumelektronikbranche solche Geräte, die beim Kunden erst noch „reifen“ müssen.

In diese Reihe gehört nach Meinung von John Strand auch das iPhone 5, das zwar LTE versprach, aber erst nach einem Softwareupdate fähig war, die neue Mobilfunktechnik zu nutzen.

Der Grund für die Eile: Die Hersteller wollen häufig der Konkurrenz zuvorkommen. „Der Druck hat enorm zugenommen, während die Qualität der Telefone abgenommen hat“, sagt Strand. Diese Erfahrung hat unter anderem auch die Deutsche Telekom gemacht. Uwe Jäger, Leiter Terminal Marketing, berichtet von teilweise hohen Fehlerraten. Ihm sei ein Fall bekannt, in dem ein Hersteller seine gesamten Lautsprecher-Chargen im Wareneingang nicht geprüft hatte.

„An den Fehlerraten sehen wir, wie hoch der Druck ist“, sagt Jäger. Einige Hersteller hätten bis vor wenigen Jahren noch 10 % Mangelware produziert; das Kriterium der Telekom sei eine Fehlerrate von unter 2 %.

Viele Netzbetreiber prüfen neue Geräte akribisch, bevor diese in den Markt gehen. Bei der Telekom dauert dieser Prozess nach eigenen Angaben zwischen fünf und sechs Monaten. Auch die Netzausrüster bieten ihre Labore an, um unter realen Netzbedingungen neue Smartphones zu testen. Allerdings: Die Gerätehersteller müssen sich an deren Empfehlungen nicht halten.

„Wir kennen die Problematik unausgereifter Geräte zur Genüge“, sagt Thorsten Robrecht, Experte für mobiles Breitband beim finnisch-deutschen Joint Venture Nokia Siemens Networks. Manche Fehler lassen sich allerdings erst nach einiger Zeit feststellen – etwa Akkus, die schnell gefährlich heiß werden.

Noch ärgerlicher für die Netzbetreiber sind häufig Softwaremängel. Diese können dazu führen, dass die Geräte unnötig viele Daten hin- und hersenden. Erstens verstopft der Datenwust die Netze, die ohnehin schon unter der Überfüllung leiden; die Mobilfunker sprechen von „Signalisierungsstürmen“. Zweitens gehen Kundenbeschwerden über abbrechende Sprachverbindungen und langsame Downloads nur an eine Adresse – die des Netzbetreibers.

Dabei gingen bis zu 70 % der Beschwerdefälle auf die Kappe der Handyhersteller, schätzt der Mobilfunkexperte Strand. „Da können die Netzbetreiber noch so sehr die Basisstationen optimieren und noch so oft die Software auf den neuesten Stand bringen, es sind die Geräte, die an schlecht montierten Sensoren und Antennenproblemen kranken.“

Vielen Smartphone-Nutzern sei gar nicht bewusst, dass sie mit iPhone, Galaxy & Co. einen vollständigen Computer in Händen halten. Während es beim PC selbstverständlich sei, nicht 20 Programme gleichzeitig laufen zu lassen, falle es Nutzern schwer die Leistungsgrenzen von Smartphones zu akzeptieren.

Insbesondere Apps, kleine Programme für mobile Geräte, führten laut Strand häufiger zu Problemen. Schlimmes Beispiel: Angry Bird. „Wer das geladen hat, produziert eine Menge von unsinnigen Daten.“

Für die CeBIT dürfte das Thema noch zu früh kommen. Nächste Woche in Hannover stehen eher Ma- chine-to-Machine-Kommunikation, Mobilfunk im Unternehmen und mobiles Breitband im Vordergrund.

Von I. Hartbrich & Regine Bönsch
Von I. Hartbrich & Regine Bönsch

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