Bilderfälscher ohne Chance 02.04.2013, 14:56 Uhr

Uni-Forscher decken Manipulationen auf

Jeder kann heutzutage mit käuflichen oder gar kostenlosen Programmen digitale Fotos verändern – ohne dass es dem Betrachter auffällt. Mit einer neuen Software lässt sich künftig schnell nachweisen, ob ein Originalfoto oder ein bearbeitetes Bild vorliegt.

Eines der bekanntesten Motive für Bildmanipulationen: Leo Trotzki (li. neben der Rednertribüne) wurde nachträglich vom Foto verbannt. Damals musste noch aufwendig retuschiert werden.

Eines der bekanntesten Motive für Bildmanipulationen: Leo Trotzki (li. neben der Rednertribüne) wurde nachträglich vom Foto verbannt. Damals musste noch aufwendig retuschiert werden.

Foto: Wikipedia

Leo Trotzki war Stalins größter Rivale. Kurzerhand ließ der mächtige Sowjetführer ihn 1940 im mexikanischen Exil ermorden. Um ihn ganz sicher zu entfernen beauftragte Stalin zudem einen Fälscher, den toten Rivalen von einem Foto zu entfernen, das ihn neben einer Rednertribüne zeigte, auf der Lenin sprach.

Damals war es noch eine hohe Kunst, Fotos zu manipulieren. Heute geht das mit speziellen Programmen. Zwei Mausklicks genügen oft schon. Laien bleibt die Manipulation verborgen, und selbst Experten können raffinierte Fälschungen kaum noch erkennen. Fotos sind keine Beweismittel mehr.

Was sich wieder ändern könnte: Wissenschaftlern um Christian Riess vom Lehrstuhl für Mustererkennung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ist es gelungen, Unstimmigkeiten, die Menschen nicht auffallen, per Software sichtbar zu machen. Damit lassen sich gefakte Bilder mit großer Wahrscheinlichkeit erkennen.

An westliche Redaktionen weitergereicht wurde ein bearbeitetes Foto – mit nur drei Raketen.

An westliche Redaktionen weitergereicht wurde ein bearbeitetes Foto – mit nur drei Raketen.

Foto: Knill

Ein ganz neues Indiz für Fälschungen sind Fehler bei den Lichteffekten auf einem digitalen Foto. Blitzlicht hat eine andere Farbtemperatur als Sonnenlicht. Das macht sich eines der neuen Programme zur Aufdeckung von Fälschungen zunutze.

Eine Computeranalyse ermittelt die Farbtemperatur in jedem Bildausschnitt. Sind sie unterschiedlich hat der Fälscher gepfuscht und ein Blitzlicht- mit einem Tageslichtfoto gekreuzt. Ein weiteres Indiz, der unterschiedliche Lichteinfall auf Originalfoto und hineinkopiertem Ausschnitt, wird bereits seit einiger Zeit genutzt, um Fälschungen zu entlarven. Die Wissenschaftler im Frankenland haben die dazu entwickelte Software verfeinert. Bisher schafft sie lediglich einen Vergleich des Lichteinfalls auf Kleidungsstücken in verschiedenen Bildausschnitten. Mit der neuen Software lässt sich auch der Lichteinfall bei Haut und Haaren analysieren.

Zu den leichteren Aufgaben gehörte der Nachweis von Fälschungen mit Software, die es zu kaufen gibt. Die Muster-Erkenner untersuchten 15 so genannte Copy-Move-Programme, die es ermöglichen, Bildausschnitte zu markieren und in andere Fotos einzufügen. Jedes dieser Programme hinterlässt digitale Spuren, die Fälschungen und Manipulationen beweisen.

Software für Gerichte und Versicherungen interessant

Damit steigen die Chancen dafür, dass Fotos als Beweismittel vor Gericht anerkannt werden. Wichtig ist die Erkennung von Fälschungen auch bei der Überführung von Tätern, bei denen beispielsweise kinderpornografische  Bilder gefunden wurden. In den USA behaupteten die Angeklagten einfach, es seien keine wirklichen Aufnahmen, sondern manipulierte Bilder. Die Ankläger mussten ihnen das Gegenteil beweisen.

Auch für Versicherungen könnten die Programme der Universität Erlangen-Nürnberg wichtig werden. Gefälschte Fotos, die bei Schadensfällen eingereicht werden, um mehr Geld zu kassieren, könnten routinemäßig überprüft und gefunden werden. Der heutige Aufwand ist so groß, dass es nur in Verdachtsfällen Untersuchungen gibt.

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