Mobilfunk 11.06.2004, 18:31 Uhr

UMTS funkt mit WLAN à la card

VDI nachrichten, Zürich, 11. 6. 04 -Die Schweizer haben die Nase vorn, wenn es ums das bequeme Turbosurfen über mobile Notebook-Karten geht. Ab Sommer startet Swisscom Mobile sein UMTS-Netz mit innovativen Datenkarten, die nahtlos vom Mobilfunk ins WLAN wechseln können. Sowohl Vodafone als auch T-Mobile wollen in Deutsch- land noch 2004 nachziehen.

Wer hierzulande schnell und mobil per Datenkarte im Laptop surfen will, kann dabei das UMTS-Netz von Vodafone, T-Mobile, O2 und seit letzter Woche auch E-Plus und die dazugehörenden PC-Karten nutzen. Wo bislang keine UMTS-Versorgung ist, schalten die Karten automatisch auf die langsamere Übertragungstechnologie GPRS um. Befinden sich die Turbosurfer in einem WLAN-Hotspot, müssen sie sich erneut in das lokale Funknetz einwählen. Die Deutschen haben die Qual der Wahl.
In der Schweiz soll dies ab August anders werden. Als weltweit erster Mobilfunkanbieter will Swisscom Mobile eine Datenkarte auf den Markt bringen, die mit GPRS, UMTS und WLAN alle drei mobilen Übertragungstechnologien beherrscht. Das Besondere an der neuen Karte: Sie garantiert automatisch und ohne Unterbrechung einen nahtlosen Übergang zwischen den verschiedenen Funknetzen. „Damit die Verbindung während des Surfens nicht abreißt, übergeben wir die gleiche IP-Adresse, die beim Einbuchen ins UMTS-Netz generiert wird, weiter ins WLAN-Netz“, so Carsten Schloter. Der Geschäftsführer von Swisscom Mobile will die patentierte Lösung in Lizenz auch international vermarkten.
Rund 6,5 Mio. € hat die Swisscom Mobile – mit 3,8 Mio. Kunden die Nummer eins in der Schweiz – in das Angebot „Mobile unlimited“ investiert. Damit sollen Kunden immer und überall online gehen, E-Mails abfragen oder sich ins Firmennetz einklinken können. Und zwar mit der jeweils verfügbaren Übertragungsrate – von 40 kbit/s bis zu 54 Mbit/s.
Für das neue Angebot sollen zum Start über 1000 UMTS-Antennen bereitstehen. Damit können 77 % der Schweizer versorgt werden. Bis Ende des Jahres soll die Zahl der Hotspots von heute 486 auf 800 ansteigen.
Sogar EDGE, die Weiterentwicklung der Datentechnik GPRS, soll die Karte künftig beherrschen, verspricht Carsten Schloter. „Für eine flächendeckende mobile Breitbandversorgung brauchen wir EDGE“, so Schloter. „Wir wollen Kunden auf dem Land nicht mit GPRS und damit 30 kbit/s hängen lassen.“ In die Aufrüstung des klassischen Mobilfunknetzes mit dem Datenturbo EDGE investierte Swisscom Mobile weitere 65 Mio. €. Die neue Trimode-Karte stammt vom belgischen Spezialist Option. Darin steckt ein Jahr Entwicklungszeit. „Für die Software, die die WLAN-Fähigkeit garantiert, waren es sogar drei Jahre“, sagt Jan Callewaert. Der Gründer und Geschäftsführer von Option ist sichtlich stolz auf die Entwicklung, an der 60 Ingenieure der insgesamt 150 Mitarbeiter beteiligt waren. „Das Geheimnis liegt im Radiopart der Karte“, verrät er. Dort sind Kleinstantennen, Stromversorgung und Software integriert.
Sie ermögliche den nahtlosen Übergang von UMTS zu WLAN in wenigen Millisekunden. Im Zusammenspiel mit einer Servertechnik kann das Signal sogar virtuell 2 min und 30 s gehalten werden. Callewaert: „Selbst wenn die Übertragung abreißt, steht weiterhin die Verbindung.“
Die neue Karte funktioniere stabil auf über 60 verschiedenen Notebooks, verspricht Callewaert. Neben Windows XP könne sie – jenseits vom Swisscom-Angebot – auf Apple-Rechnern und Linux-basierten Geräten laufen.
Schon bald werde es diese Trimode-Karte auch bei anderen europäischen Mobilfunkunternehmen geben, davon ist Callewaert überzeugt. „Auch in Deutschland.“
„Noch in diesem Jahr“, bestätigen sowohl T-Mobile als auch Vodafone D2 vage. „Wir haben uns zunächst auf UMTS konzentriert, da neue Notebooks bereits den Zugang zu WLAN integriert haben“, so Heiko Witzke, Pressesprecher bei Vodafone D2.
Ob Notebooks, die bereits für die drahtlosen lokalen Netze über ihre internen Chips gerüstet sind, noch zusätzlich diese Funktion auf der Karte brauchen, ist strittig. Swisscom Mobile rechnet vor, dass erst 5 % aller Notebooks WLAN-kompatibel sind.
UMTS-Karten-Pionier Lucent dagegen hat seine Strategie geändert. „Der Markt für Trimode-Karten ist zu klein“, sagt Lucent-Pressesprecherin Martina Grüger. Schließlich hätten zwei Drittel aller neu verkauften Notebooks einen auf dem Prozessor integrierten WLAN-Zugang.
Gemeinsam mit dem Partner Novatel Wireless liefert der US-Konzern weltweit 150 000 kombinierte GPRS-UMTS-Karten aus. „Die meisten in den europäischen Markt“, so Grüger. Darunter seien auch alle drei deutschen Mobilfunkbetreiber außer Vodafone.
Und auch die nächste Generation haben die Amerikaner schon in petto: Sie soll HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) integriert haben, eine Technik, über die sich auch die heutige UMTS-Übertragungsgeschwindigkeit auf 14,4 Mbit/s beschleunigen ließe.
Der Kartenmarkt ist in Bewegung. Insgesamt wächst das Geschäft mit den Datenkarten momentan laut Marktforscher ABI Research um jährlich 30 %. „Wir wachsen mit 40 % schneller als der Markt“, betont Callewaert von Option. Die belgische Option soll nach Aussagen ihres Geschäftsführers zurzeit 70 % Marktanteile im Bereich der mobilen Techniken weltweit haben.
Der Peak bei diesen PC-Karten ist nach ABI Research erst Ende 2005 erreicht. Danach flache der Boom langsam ab. Doch Callewart glaubt an die Zukunft. Schließlich gebe es immer mehr Kombinationsmöglichkeiten der mobilen Techniken untereinander.
Und auch das Interesse der Mobilfunkbetreiber wächst weiter. Neben US-Playern setzen auch der Vodafone-Konzern, die italienische TIM und Bouygues Telecom aus Frankreich auf Karten nach belgischen Vorbild.
NIKOLA WOHLLAIB/rb

 

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