Mobilfunk 04.10.2002, 18:21 Uhr

UMTS: Evolution statt Revolution

Ende letzter Woche präsentierte der finnische Mobilfunk- Konzern Nokia sein erstes UMTS-Handy. Es soll für Verbraucher ab 2003 zu haben sein. Doch auch den Finnen gelang es nicht, alle Zweifel an der Durchsetzungsfähigkeit von UMTS zu zerstreuen.

UMTS kommt, das ist sicher. Die neuen Handys für die multimedialen Dienste laufen inzwischen bei den Herstellern Motorola und Nokia in marktreifer Serie vom Band. Netzbetreiber in aller Welt testen das Zusammenspiel von Infrastruktur, Endgeräten und neuen Diensten. Vom Pioniergeist und Optimismus wie beim Start von GSM ist jedoch im Markt nur wenig zu spüren. „Der Schritt zu UMTS ist mehr eine Evolution als Revolution“, erläutert Lauri Kivinnen, Pressesprecher des Nokia-Konzerns.
Lust auf mehr Dienste, als bisher mit GSM und auch GPRS möglich waren, soll jetzt das Nokia 6650 machen. Der Nutzer kann gleichzeitig telefonieren, seine E-Mails herunterladen, Bilder machen und verschicken. Die Optik des Hightech-Handys orientiert sich dabei stark an einer eher traditionellen Formensprache. Der kurze Antennenstummel des Gerätes wirkt sogar ein bisschen antiquiert und soll bei Nachfolgemodellen des jetzt vorgestellten Gerätes auch verschwinden, verspricht Anssi Vanjoki, Executive Vice President, Nokia Mobile Phones.
Bei der Vorstellung des neuen Gerätes versucht er das Journalistenpublikum mit der Erinnerung an die Erfolgsgeschichte von GSM zu motivieren und betont noch einmal die damals nicht erwartete große Akzeptanz von SMS. Allen Schwierigkeiten zum Trotz: Der neuen UMTS-Technik eine Chance geben derzeit weltweit rund 40 Netzbetreiber, die in 23 Ländern neue Services und Endgeräte des finnischen Herstellers testen.
Prognosen zum geplanten Umsatzvolumen der neuen Gerätegeneration mochte Nokia-Manager Vanjoki jedoch nicht machen. Mit dem Verkauf an die Endkunden will Nokia erst im nächsten Jahr beginnen. Konkurrent Motorola hat es da etwas eiliger. Der US-Anbieter plant die Markteinführung seines UMTS-Handys A830 – das bereits zur CeBIT vorgestellt wurde – auch in Deutschland bereits für dieses Jahr.
Den Besitzern der Geräte wird das jedoch wenig nützen. Netzbetreiber wie Vodafone haben den UMTS-Netzstart in das Frühjahr 2003 verschoben. Gründe dafür sind „die noch nicht ausgereifte Qualität der Software in den Handys“, beklagt der Chef der deutschen Vodafone, Jürgen von Kuczkowski. Der nahtlose Übergang eines Gesprächs zum Beispiel von einem GSM- in ein UMTS-Netz ist bisher noch nicht möglich. Nokia-Manager Vanjoki ist sicher, dass diese Fehler bis nächstes Jahr zu beheben sind.
Derzeit testet Nokia das Zusammenspiel von Infrastruktur; Services und Geräten mit so genannten „freundlichen Nutzern“. Für sie dauert z.?B. der Download eines etwa 100 kByte großen Videoclips über UMTS mit einer Übertragungsgrate von 2 Mbit/s nur etwa 15 s. Im GPRS-Modus der GSM-Netze, der auch in deutschen Netzen weit gehend verfügbar ist, können max. 40,2 kbit/s heruntergeladen werden.
Die neuen Dienste sind unabhängig von der technischen Plattform, erklärte Jari Jakkula, Presssprecher der finnischen Sonera. Den News-Service seiner Tageszeitung demonstrierte er auf dem UMTS-Handy über das GPRS-Netz. Jakkula betonte jedoch, das die Geschwindigkeit einer multimedialen Nachricht, MMS, mit UMTS, das auch im Handyland Finnland erst im nächsten Jahr in Betrieb gehen wird, deutlich komfortabler für den Nutzer sei. Und auch das zeigt: Vorbei sind die Zeiten, wo UMTS die Phantasie einer ganzen Branche anregte. Es bleibt bei der Evolution. D. WENDELN

UMTS-Umfrage
Hemmschuh Kosten – hohes Interesse bei Kids
Sie haben mittlerweile Seltenheitswert: Umfragen von Marktforschern mit latent positivem Trend zum Thema UMTS. Das jüngste dieser raren Exemplare stammt aus Österreich. Dort hat Marketagent festgestellt, dass vor allem die Gruppe der 14- bis 19-jährigen Nutzer den multimedialen Möglichkeiten neuer UMTS-Handys viel abgewinnt. Eine Mehrheit von 50,7 % verspricht sich schnellere Übertragungsraten. Immerhin 44,7 % der Befragten können sich vorstellen, Videos und Bilder zu verschicken. Die Handyhersteller werden mit diesen Prognosen wohl zu den stärksten Anbietern digitaler Kameras. Hohe Übertragungssicherheit wird lediglich von 24,7 % gefordert. Die Marketingstrategien der immer wieder propagierten Videospiele auf dem Handy interessieren lediglich 11,9 %. Hohe Kosten könnten jedoch die Akzeptanz im Markt bremsen. 64,5 % sehen in steigenden Mobilfunkgebühren das größte Hindernis für die Nutzung, gefolgt von hohen Anschaffungskosten für die neuen Geräte. Sie wären für 57,9 % ein Grund auf den Netzeinstieg zu verzichten. Lediglich 24,2 % stört es, dass die Services nicht flächendeckend zur Verfügung stehen. Die geduldigen potentiellen Kunden rechnen damit, dass die UMTS-Dienste in zehn Jahren ebenso überall verfügbar sind wie heute das Internet. dow/rb

Von D. Wendeln

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