Telekommunikation 01.02.2002, 17:32 Uhr

Teure Nummern sind ein Kassenschlager

Kaum ein Geschäftszweig der großen Telefongesellschaften verzeichnet so ansehnliche Zuwachsraten wie der Markt für Service-Rufnummern. Während sich die Anbieter über die rege Nachfrage freuen, stolpern Nutzer immer wieder über die Kosten.

Das Geschäft mit den vier kleinen Ziffern 0800, 0180 und 0190 floriert. Größter Anbieter der speziellen Vorwahlen ist die Deutsche Telekom. Aber auch andere Telefongesellschaften wie Arcor, Colt, dtms, Talkline ID und BT Ignite profitieren von der Nummern-Vermittlung und von jedem einzelnen Anruf.

Der lohnendeste Teilbereich ist dabei das Geschäft mit Erotik-Rufnummern – Sex sells. Thomas Stormanns von Talkline ID schätzt den Anteil am Gesamtmarkt auf „über 50 %“, Arcor-Sprecher Roland Bettenbuehl spricht freimütig von „rund 70 %“. Dass die Zusammenarbeit mit unzähligen Stöhn-Anbietern das Image der Telefongesellschaften selbst schädigt, befürchtet keiner der Marktteilnehmer. Stormanns ganz nüchtern: „Es wird ja niemand von uns gezwungen, diese Dienste anzurufen.“

Während bei den Telefonkonzernen das Geschäft mit Handyverträgen oder ISDN-Anschlüssen stagniert, steigt die Zahl dieser so genannten Mehrwertdienste ungebrochen und spült viel Geld in die Kassen: Der Gesamtmarkt macht schon heute über 750 Mio. € aus. Eine aktuelle Marktstudie der Unternehmensberatung Telemach prognostiziert, dass sich das Volumen bis zum Jahr 2005 auf 2 Mrd. € mehr als verdoppeln wird.

Immer neue „Produkte“ regen das Geschäft an: Ab 2003 werden die 0190-Nummern auf die neue Vorwahl 0900 umgestellt schon jetzt hat der Wettlauf um die attraktivsten Durchwahlen begonnen. Arcor vermarktet darüber hinaus die Vorwahlnummern großer Städte: Kleine Unternehmen in ländlichen Regionen nutzen dieses Angebot, um sich etwas Großstadt-Anstrich zu verpassen.

Besonders beliebt sind bei der Industrie die Vorwahlen für geteilte Kosten: Die „Shared-Cost“-Rufnummer mit einer 0180 am Anfang verwenden z. B. viele Versandhändler für Warenbestellungen und Kunden-Hotlines.

Während der Bekanntheitsgrad der Service-Nummern bei Verbrauchern grundsätzlich relativ hoch ist, herrscht Unwissen über die Kosten: Einer Emnid-Umfrage zufolge sind die Ziffern zwar 70 % der Deutschen ein Begriff. Zwei Drittel wissen hingegen nicht, dass der Anruf der 0180-Vorwahl höchstens 12 Cent/min kostet. Dass die 0190-Nummer keinesfalls ein preiswertes Vergnügen ist, hat sich herumgesprochen: 74 % der Befragten schätzen die Kosten auf mehr als 50 Cent/min. Ein Mauerblümchen-Dasein führt die kostenfreie 0800-Rufnummer: Diese Vorwahl kennen lediglich 54,1 %.

Die wirklichen Kosten einer Service-Rufnummer reichen inzwischen von der Gratisvorwahl 0800 bis hin zum 0190–0-Angebot, bei dem der Anbieter die Gebühren – bis maximal 100 € pro Anruf – selbst festlegen kann. „Bei diesem Service handelt es sich aber fast immer um hoch qualifizierte Computer-Hotlines“, erläutert Talkline-Sprecher Stormanns.

Zum Schutz vor Missbrauch gibt es hier einen zusätzlichen Sicherheitsmechanismus: Der Gebührenzähler fängt erst an zu ticken, nachdem der Kunde per Ansage über die genauen Kosten informiert wurde und diese Information mit der Tastenkombination 1/9 bestätigt hat. Das ist für Sex-Hotlines viel zu kompliziert: Diese „begnügen“ sich in der Regel mit höchstens 1,86 €/min, die für die Vorwahl 0190–8 fällig werden. Dem Anbieter bleiben davon im Schnitt 1,50 €/min – kein schlechter Stundenlohn.

Trotz ständiger Verbraucherschützer-Warnungen fallen Leichtgläubige immer wieder auf unseriöse Angebote herein. Per SMS-Nachricht werden Handybesitzer beispielsweise aufgefordert, einen kostenlosen Hotelgutschein in Empfang zu nehmen – bei Rückruf gibt es am Ende jedoch keine Gratis-Übernachtung, sondern eine saftige Handy-Rechnung. Mit einem banalen Trick versuchte es kürzlich eine Aachener Schein-Firma: Sie bat hunderte Computerhändler um ein Angebot für eine größere PC-Lieferung. Die Händler sollten ihre Offerte an eine 0190-Rufnummer faxen.

Um schwarze Schafe auszuschließen, haben sich fast alle Telefongesellschaften dem „Verein für freiwillige Selbstkontrolle der Telefonmehrwertdienste e.  V.“, kurz FST, angeschlossen. Verbraucher, die auf ein zweifelhaftes Angebot stoßen, können sich per E-Mail (info@fst-ev.org) direkt an den Verein oder an die Bonner Regulierungsbehörde wenden.

Der FST untersucht die Beschwerden. Schwindeleien werden abgestuft mit Abmahnungen bis hin zur sofortigen Abschaltung des Angebots geahndet. Trotzdem kann bei Betrugsfällen bis zur Abschaltung einige Zeit vergehen: „Sobald wir wissen, dass ein Kunde Missbrauch betreibt, schalten wir ihn ab. Bei mehr als 20 000 aktiven Service-Rufnummern können wir das aber nicht immer sofort erkennen“, verdeutlicht Ralf Kohl vom Mainzer Anbieter dtms AG das Problem. Die schnelle Reaktion von Verbrauchern ist da also auf jeden Fall hilfreich.

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