Telekommunikation 24.11.2000, 17:27 Uhr

„Telekombranche wird ein Comeback feiern“

Die niederländische KPN gilt unter Analysten als aggressives Telekommunikationsunternehmen. Allein im letzten Jahr konnten die Niederländer die Zahl ihren Kunden auf 20 Mio. verdoppeln. KPN-Chef Paul Smits hat noch viel vor – in Europa und damit auch in Deutschland, wo das Unternehmen Mehrheitseigner von E-Plus ist.

VDI nachrichten: Herr Smits – die Telekombranche wird derzeit schwer gebeutelt. Wie schätzen Sie die Lage und die Zukunftsaussichten in der Telekombranche ein?
Smits: Meine Wahrnehmung ist die folgende: Wir befinden uns in einer Konsolidierungsphase. Anfang des Jahres herrschte die große Internet- und Telekom-Euphorie. Das ist jetzt vorbei. Aber ich habe schon damals vor zu viel Hosianna-Stimmung gewarnt. Vor allem die Internetunternehmen hatten und haben zu viele Kunden, die nichts bezahlen.
VDI nachrichten: Vor allem die hohen UMTS-Kosten führten zu einem Stimmungsumschwung am Markt. Ist er berechtigt oder ist der jetzige Pessimismus überzogen?
Smits: Wir haben in der Euphorie-Periode Anfang des Jahres unsere Internettochter nicht an die Börse gebracht. Das deshalb, weil ich den Aktionären nach einem Börsengang noch direkt in die Augen schauen möchte. Das World-Online-Börsendebakel und der Abgang vieler dot.com-Unternehmen hat die Stimmung sicher negativ beeinflusst. Aber man sollte eines nicht vergessen: Das Wachstum auf dem Telekommarkt geht weiter. Ich halte den jetzigen Pessimismus gegenüber der Telekombranche für nicht gerechtfertigt. Die Stimmung ist zu negativ. Die Telekombranche wird ein Comeback haben und ein normales Niveau erreichen.
VDI nachrichten: KPN, so betonten Sie immer wieder, wird sich auf die vier Kernaktivitäten, nämlich das Mobilfunkgeschäft, Internet, die Datenkommunikation und das Festnetz in den Niederlanden konzentrieren. Gleichzeitig will die KPN ein internationaler Telekom-Anbieter sein und bleiben. Wie sieht Ihre Strategie aus?
Smits: Wir konzentrieren uns in der Tat auf die vier Geschäftsbereiche, die Sie nennen. Wir mögen zwar König in den Niederlanden sein, wenn wir aber in Europa und weltweit mitspielen wollen, brauchen wir Partner, große Partner….
VDI nachrichten: …. die haben Sie doch schon gefunden, die japanische NTT Docomo….
Smits: ….unsere amerikanischen Freunde von Bell South und im Datenbereich Qwest. So können wir die Kräfte bündeln. Gleichzeitig gibt die KPN aber die Kontrolle in diesen Allianzen nicht aus den Händen. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir beispielsweise mit NTT Docomo zusammenarbeiten können. Docomo hat sich für uns und nicht für die anderen viel größeren Telekomkonzerne in Europa entschieden, weil die KPN flexibel und innovativ ist. Docomo hat auf dem Mobilfunksektor einen technologischen Vorsprung gegenüber dem Stand der Entwicklungen in Europa. Davon können und werden wir Gebrauch machen. Bell South hat ferner die Option, um Partner von KPN zu werden.
Schließlich sind wir auch ein attraktives Unternehmen. Wir haben jetzt 20 Mio. Kunden, doppelt so viele wie vor einem Jahr. Jeden Monat kommen 500 000 neue hinzu. Drei unserer vier Kernbereiche, nämlich Internet, Mobilfunk und Datenkommunikation sind reine Wachstumssektoren.
VDI nachrichten: Ihr anderer Partner, die Hongkonger Hutchison, hat Sie in Deutschland bei der UMTS-Versteigerung allerdings im Stich gelassen. Können Sie mit Hutchison noch kooperieren?
Smits: Hutchison ist ein Partner, der ein breit gefächertes Portefeuille inklusive Telekomaktivitäten hat. Wir hatten mit Hutchison je nach Land Absprachen für das Bieten auf UMTS-Mobilfunklizenzen. Jeder Partner war frei, auszusteigen, wenn er das wollte. Hutchison tat das in Deutschland. In England war die Kooperation ein Erfolg. Hutchison erhielt eine UMTS-Lizenz, an der KPN partizipieren kann.
VDI nachrichten: Zu E-Plus in Deutschland: Im Halbjahresbericht der KPN hieß es, E-Plus habe rund 5 Mio. Abonnenten, zwischen 200 000 und 300 000 kämen monatlich hinzu. Hält dieser Wachstumstrend an?
Smits: Ja, diese Entwicklung hat sich nicht verändert. E-Plus wächst nach wie vor explosiv. Außerdem ist in Deutschland der Penetrationsgrad von Handys noch relativ gering.
VDI nachrichten: Er liegt um die 40 % oder 45 %…
Smits: ….ja, bei etwa 43 %. Das ist niedriger als in vielen anderen europäischen Ländern. Es gibt also noch große Wachstumsmöglichkeiten in Deutschland.
VDI nachrichten: In den Niederlanden liegt er bei 60 % in Finnland über 80 %…
Smits: So ist es.
VDI nachrichten: Die UMTS-Lizenzen waren teuer, sehr teuer. Jetzt muss auch noch in die UMTS-Infrastruktur in den Niederlanden, in Deutschland, Großbritannien und wahrscheinlich Belgien investiert werden. Können Sie das alles bezahlen? Wie viel Geld braucht die KPN dafür?
Smits: In Großbritannien investieren wir nicht selbst. Die übrigen Zahlen kann ich Ihnen leider nicht nennen.
VDI nachrichten: Schade. Waren die Lizenzen nicht viel zu teuer?
Smits: Wir haben das alles kalkuliert und haben einen Budget- und Business-Plan. Wir haben vorab definiert, was der maximale Preis ist, den wir zu zahlen bereit sind. Daran haben wir uns gehalten. Die Beträge sind natürlich sehr hoch, aber sie liegen noch unter unserer Prognose. Insofern befinden wir uns in einer eher komfortablen Position. Sie dürfen nicht vergessen, unser US-Partner Bell South bezahlt seinen Anteil an diesen Investitionen mit.
VDI nachrichten: Der Kauf von E-Plus und der Erwerb der UMTS-Lizenzen in den Niederlanden, in Deutschland und Großbritannien hat die KPN viel Geld gekostet. Analysten errechnen, dass die KPN 25 Mrd. Euro an Schulden hat. Können Sie die hohen Investitionen je zurückverdienen?
Smits: Ja, durch die Emission wird ein Teil der Schulden getilgt. Im kommenden Jahr bringen wir unsere Mobilfunktochter KPN-Mobil an die Börse. Daneben werden wir eine Reihe von „Non-Core-Assets“ verkaufen, die wir nicht mehr als Kernaktivitäten ansehen. Daneben werden wir unsere Allianzen ausbauen und intensivieren. Der Einstieg von NTT Docomo bei KPN-Mobil hat uns übrigens 4 Mrd. Euro in die Kasse gebracht. Auch ein Börsengang (IP0) unserer Internettochter ist vorgesehen. Es gibt also viele Möglichkeiten, Finanzmittel für die weitere Expansion zu kreieren.
VDI nachrichten: Sie haben eine große Reorganisation bei KPN angekündigt. 8000 Stellen sollen entfallen. Führt das nicht zu Unruhe unter den KPN-Mitarbeitern?
Smits: Wir planen ein Bündel von Projekten in den kommenden zwei Jahren. Es gibt keine Unruhe unter den Mitarbeitern. Die Festnetzaktivitäten und die Distribution hier in den Niederlanden müssen effektiver und kostengünstiger werden. Die Overhead-Kosten müssen reduziert werden. Wir wollen uns mit den modernen Telekomunternehmen messen, nicht mit der France Télécom oder der Deutschen Telekom.
VDI nachrichten: Mit wem dann?
Smits: Unsere Benchmark sind die amerikanischen Telcos wie etwa GTE, die nach der Fusion mit Bell Atlantic jetzt unter Verizon firmieren.
VDI nachrichten: Wird es bei E-Plus einen Stellenabbau geben?
Smits: Nein, in dieser Phase sicher nicht.
VDI nachrichten: Ist die KPN ein Übernahmekandidat?
Smits: Ich kann mir vorstellen, dass es Unternehmen in der Welt gibt, die interessiert verfolgen, was wir tun. Die japanische Docomo hat die KPN gewählt, um ihrer europäischen Expansion Form zu geben.
VDI nachrichten: Vielen Dank für das Gespräch. HELMUT HETZEL

Von Helmut Hetzel
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